Die virtuelle HfG

Stell Dir vor es ist Vorlesung, und keiner geht hin. Zumindest nicht physisch. Wie die HfG es trotzdem geschafft hat ein virtuelles Sommersemester auf die Beine zu stellen lest ihr hier.

Ein virtuelles Semester - wie soll das gehen?

Vor dieser Frage stand die HfG Anfang April zunächst genauso ratlos wie alle anderen. Klar, ein Fernstudium ist ein nicht erst seit Corona-Zeiten bekanntes Modell - aber wie machen wir das? Was machen wir denn überhaupt, und wie können wir das virtuell machen?

Die HfG ist geprägt vom direkten und persönlichen Miteinander, vom Lernen und Arbeiten gemeinsam und in Gruppen, von kurzen Wegen und bekannten Gesichtern und langen Nächten gegen Semesterende in den Laboren und Werkstätten. Das alles zumindest ansatzweise ins Virtuelle zu übertragen klingt nach einem Mammutprojekt, und doch wollten wir in der noch verbleibenden Zeit von nicht einmal 4 Wochen vor Beginn des Semesters so viel davon umsetzen wie möglich.

Wir merkten jedoch schnell dass viele der Ansätze die es für Online-Vorlesungen, Fernstudium und Co. schon gibt einfach nicht so richtig zu unseren Lehr- und Lernkonzepten passte. Mehr Kommunikation sollte stattfinden, mehr Interaktivität und Kollaboration als bei den sonst verbreiteten Online-Kursformen. Dafür eine Plattform, oder besser gesagt einen ganzen Verbund von Systemen zu schaffen war das Ziel bis zu Beginn des Semesters.

Und so zerbrachen sich viele Menschen an der Hochschule über diese wenigen Wochen an langen Tagen und in kurzen Nächten die Köpfe. Natürlich ebenfalls rein virtuell, oftmals schon gleichzeitig die noch entstehenden Systeme benutzend. Persönliche Meetings? Jetzt per Videokonferenz. Die Terminvereinbarung dazu? Per gemeinsamem Online-Kalender. Die Protokolle landen im Cloud-Speicher und die Abstimmungen nebenbei laufen thematisch getrennt per Instant Messenger, wie es auch in der Projektorganisation in Softwareunternehmen Standard ist.

Alles lief parallel - Planung, Entwicklung, Beschaffung, Verträge. Nach einigen Wochen begannen sich die Bausteine langsam zusammenzufügen. Ein funktionierendes System entstand, welches für Lehrende und Studierende alle Möglichkeiten für die Kommunikation und den Austausch von Daten bereithält, und Lehrveranstaltungen per Videokonferenz ermöglichen dennoch ein persönliches Miteinander, wenn auch mit Abstrichen.

Fünf Tage vor Start des “virtuellen” Semesters konnten die Lehrenden schließlich zum ersten Mal einen Blick werfen auf das was da in weniger als 3 Wochen entstanden war, und sich in der neuen Umgebung zurechtfinden und ihre Lehrveranstaltungen vorbereiten. Doch damit war erst der kleinste Teil geschafft - fast 700 Studierende warteten immer noch darauf endlich Zugriff zu bekommen, und wurden bis am letzten Tag vor Semesterstart übers Wochenende von engagierten Buddies mit der neuen Umgebung vertraut gemacht.

Und pünktlich zum (verschobenen) Semesterstart am 20. April fanden sich alle plötzlich in der neuen, virtuellen HfG wieder.

Mittlerweile liegen nun 3 Monate in dieser virtuellen Welt hinter uns, und alle haben mit Sicherheit sehr viel gelernt - über virtuelle Lehrformate, die Etikette in Videokonferenzen, und auch darüber dass so ein virtuelles Semester auch anstrengend sein kann. Durch die ungewohnten Mittel und Wege mussten viele alte Gewohnheiten und Annahmen nochmals auf den Prüfstand gestellt werden. Denn drei Stunden Onlinevorlesung nagen doch deutlich mehr an der Konzentrationsfähigkeit als drei Stunden in Präsenz. Und das Wühlen in unzähligen digitalen Ablagen kann durchaus anstrengender sein als das Finden von realen Dingen an der Hochschule - trotz Suchfunktion.

Es gibt also noch einiges zu tun, bevor sich alle nach dieser virtuelllen Semesterausstellung erneut in der virtuellen HfG wiedersehen - dieses mal aber mit mehr Zeit und um einiges an Erfahrung reicher.

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