Wir machen ein Design Projekt. Mit allem, was dazu gehört: Nutzern, Workshops, Spezialisten, Testings, … Scheitern und Fehler machen zum schnellen Lernen willkommen. Studierende entwickeln Kommunikations-Produkte. Konsequent methodisch.
Emotionen spielen eine zentrale Rolle im schulischen Alltag von Kindern. Sie beeinflussen Lernprozesse, soziale Interaktionen und das individuelle Wohlbefinden. Besonders für Kinder mit Neurodivergenz kann der Umgang mit eigenen Gefühlen jedoch eine große Herausforderung darstellen. Fehlendes Emotionsverständnis und eingeschränkte Möglichkeiten der Selbstregulation führen häufig zu Überforderung, Missverständnissen und Konflikten im Schulkontext.
Dieses Projekt beschäftigt sich mit der Frage, wie emotionale Lernprozesse bei Kindern besser unterstützt werden können. Im Mittelpunkt steht dabei die Auseinandersetzung mit bestehenden Strukturen, pädagogischen Rahmenbedingungen und den besonderen Bedürfnissen einer heterogenen Zielgruppe. Durch Recherche, Analyse und den Austausch mit Fachpersonen wurde deutlich, dass emotionale Bildung oft zu kurz greift oder nicht ausreichend auf individuelle Voraussetzungen eingeht.
Vor diesem Hintergrund verfolgt das Projekt das Ziel, einen Ansatz zu entwickeln, der emotionales Lernen zugänglicher, verständlicher und alltagsnah gestaltet. Dabei wird bewusst auf einfache, analoge und strukturierte Mittel gesetzt, um eine realistische Integration in bestehende schulische Kontexte zu ermöglichen und Kinder frühzeitig im Umgang mit ihren Emotionen zu stärken.
Der Gefühlskosmos
Der Gefühlskosmos ist als metaphorischer Erfahrungsraum konzipiert, in dem Kinder ihre inneren Zustände auf eine sichere, spielerische und nicht-wertende Weise erkunden können. Gefühle werden dabei nicht über konkrete Begriffe vermittelt, sondern über sinnliche und körperliche Erfahrungen. Die Kinder bewegen sich gedanklich von Stern zu Stern und begegnen dort jeweils einem Gefühlsmonster, das stellvertretend für einen inneren Zustand steht. Jeder Stern besitzt eine eigene Atmosphäre, die sich durch Farben, Formen, Temperatur, Geräusche und Bewegung ausdrückt. Auf diese Weise erleben die Kinder Gefühle zunächst körperlich und intuitiv, bevor sie diese einordnen oder benennen müssen. In der ersten Phase steht das Erleben im Vordergrund. Die Kinder tauchen behutsam in die jeweilige Gefühlswelt ein und werden durch Geschichten, Klänge und angeleitete Körperübungen unterstützt. Innere Spannungszustände können dabei aktiviert und wieder beruhigt werden, ohne sie direkt als „Wut“, „Trauer“ oder „Angst“ zu benennen. Stattdessen arbeiten die Kinder mit beschreibenden Begriffen wie heiß, kalt, eng, schwer, laut, ruhig oder warm. Dadurch entsteht ein niedrigschwelliger Zugang, der besonders für Kinder mit Neurodivergenz Sicherheit bietet.
Der Gefühlskosmos soll zum Ausprobieren einladen. Auf jedem Stern gibt es unterschiedliche, wertfreie Übungen, bei denen es kein Richtig oder Falsch gibt. Die Kinder dürfen selbst herausfinden, was sich für sie stimmig anfühlt und was ihnen hilft. Ziel ist es, die eigene Körperwahrnehmung zu stärken und erste Zusammenhänge zwischen innerem Zustand und möglichen regulierenden Handlungen zu erleben. Die Angebote können sowohl in der Gruppe als auch einzeln oder in ruhigen, geschützten Momenten genutzt werden.
In einer nächsten Phase rückt das Verstehen in den Fokus. Die Kinder beginnen, wiederkehrende Muster wahrzunehmen: Wie fühlt sich ein bestimmter Zustand an, wenn er entsteht? Woran merken sie, dass er stärker wird? Was hat ihnen in ähnlichen Situationen geholfen? Dabei entstehen erste individuelle Strategien und vorsichtige Zuordnungen zu Gefühlen, ohne dass diese zwingend benannt werden müssen.
In der Phase des Verbindens und Steuerns übertragen die Kinder ihre Erfahrungen auf den Alltag. Bekannte Sterne, Monster und Übungen dienen als innere Orientierung in herausfordernden Situationen wie Reizüberflutung, Konflikten oder Übergängen. Die Kinder greifen auf vertraute Bilder und Abläufe zurück und entwickeln persönliche Wege, um mit ihren Emotionen umzugehen. Der Gefühlskosmos bleibt dabei flexibel und offen, sodass Kinder je nach Entwicklungsstand unterschiedlich tief eintauchen können.
Begleitende Elemente wie visuelle Symbole, wiederkehrende Figuren, Bewegungsangebote oder haptische Materialien machen den Gefühlskosmos im Alltag erlebbar und sorgen für Wiedererkennbarkeit. Das Konzept verzichtet bewusst auf diagnostische Zuschreibungen, Leistungsbewertungen oder zusätzliche Schulungen. Es basiert auf der Annahme, dass Kinder ihre Gefühle am besten verstehen, wenn sie sie zunächst sicher, körperlich und ohne Druck erleben dürfen.
Die Gestaltung
Die Gestaltung von Reise durch den Gefühlskosmos verfolgt das Ziel, neurodivergenten Kindern Orientierung, emotionale Sicherheit und Zugänglichkeit zu bieten. Alle gestalterischen Mittel sind bewusst reduziert und klar eingesetzt, um Überforderung zu vermeiden und gleichzeitig spielerische Zugänge zu ermöglichen.
Gestaltung wird dabei nicht als dekoratives Element verstanden, sondern als funktionales Werkzeug, das Lernen, Selbstwahrnehmung und emotionale Regulation unterstützt.