In der Bachelor-Arbeit im 7. Semester bearbeiten die Studierenden anhand eines frei wählbaren Themas ein Gestaltungsprojekt, in dem sie ihre erlernten Kenntnisse in Recherche, Konzept und Entwurf praktisch anwenden.
Kennen Sie das Gefühl aus der Turnhalle? Man baut einen Geräteparcours aus Kästen, Matten und Bänken auf und im Nu entstehen ganze Bewegungslandschaften zum Balancieren, Kriechen oder Schwingen. Das ist wichtig für Kinder, weil sie sich damit körperlich, geistig und sozial weiterentwicklen können. Für sie ist das einfach nur Spaß, für Lehrkräfte und Sportpädagog:innen hingegen aber echte Arbeit, da diese Landschaften nämlich vorher bewusst geplant werden müssen.
Probleme
Diese Planung verläuft selten in einem durchgehenden Workflow, sondern kann zerklüftet vorliegen. Ideen liegen als Fotos auf dem Handy, als Skizze auf Papier oder als Bild im Internet. Anleitungen und Materiallisten kommen von verschiedenen Plattformen wie Wimasu, die neben Bild und PDF auch PowerPoint als Download anbieten. Am Ende wird vieles in Powerpoint nachgebaut, das für die Planungsarbeit eigentlich nicht gemacht ist. Denn darin beginnt das mühsame Verschieben, Ausrichten und Kopieren von Geräten zu einem vollständigen Hallenplan. Kleine Erinnerungen ziehen neue Anpassungen nach sich. Und wer Varianten überhaupt ausprobieren möchte, baut oft mehrere Versionen von Hand nach Vorlage nach. Das alles kostet Zeit und Energie und genau diese Energie fehlt später bei den didaktischen Entscheidungen.
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Gestaltungsaufgabe und Ziel
Motivation und Relevanz
Im Kern geht es dabei nicht nur um die Organisation von Materialien. Es geht vielmehr darum, wie Menschen denken, wenn sie im räumlichen Kontext planen. Sie schauen, probieren aus, verwerfen, erinnern sich an frühere Aufbauten und kombinieren Ideen neu. Planung ist also ein kreativer, nicht-linearer Prozess mit vielen elementaren Entscheidungen und wenn ein Werkzeug diesen Prozess ständig unterbricht, verliert man den Überblick und auch die Lust am Ausprobieren. Gute Gestaltung bedeutet hier also den Denkfluss zu schützen und zu unterstützen. Hier soll IsoPlanner als Werkzeug aktiv bei der Planung helfen, indem es sich nicht zwischen die Person und ihre Aufgabe stellt, sondern stets die passenden Funktionen zur Bewältigung der Aufgabe in einer leichtgewichtigen Bedienoberfläche anbietet.
Zielbild
IsoPlanner setzt genau an der Zerklüftung von Materialien an: Es soll ein Arbeitsraum sein, in dem alles zusammenkommt, was für die Planung gebraucht wird – also die Hallenfläche, die Geräte, die Ideen aus Bildern, die eigenen Skizzen und die Varianten. Man arbeitet an einem Ort und bleibt im gleichen Kontext. Programmwechsel und Workarounds gehören damit der Vergangenheit an. Weniger manuelle Werkzeugarbeit, mehr didaktische Entscheidungsarbeit. So entsteht Planung am Stück – von der ersten Idee bis zu einem fertigen Plan, den man in der Praxis nutzen oder teilen kann.
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Lösungskonzept und Features
Kombinieren und Variieren
In der Arbeitsfläche werden Layouts für die Turnhalle aufgebaut, indem Geräte auf einer Fläche platziert und angeordnet werden. Aus einzelnen Geräten können Stationen entstehen, die sich als wiederverwendbare Bausteine speichern lassen. So wird aus einmal gebauten Elementen etwas, das später schnell wieder eingesetzt und angepasst werden kann – für unterschiedliche Personengruppen, Ziele oder Hallensituationen.
Saubere Anordnung ohne Kleinstarbeit
Wie kann man Bestehendes verändern, ohne alles umbauen zu müssen?
Damit der Aufbau nicht an Detailarbeit hängen bleibt, unterstützt IsoPlanner das schnelle, kontrollierte Platzieren: Elemente können gestapelt und isometrisch genau ausgerichtet werden, sodass Anordnungen stabil bleiben und sich auch bei Änderungen nicht verziehen. Das hilft besonders dort, wo Abstände und klare Strukturen relevant sind – etwa für Sicherheit, Ablauf und Verständlichkeit im Hallenaufbau.
Kombinationen ohne Kompromisse
Wie entstehen Stationen ohne Umwege und Menüwechsel?
Oft ergeben sich perspektivische Fehler, wenn Einzelelemente zu größeren Ansammlungen kombiniert werden. Auch hier verschafft IsoPlanner Abhilfe, indem es einen leicht zugänglichen Katalog aus verfügbaren Kombinationen anbietet. Alternativ kann durch einfache Auswahl der Elemente das dazu passende Kombinationselement ausgewählt werden, um eine nahtlosen Übergang im Workflow zu ermöglichen. Damit gelten Kombinationen nicht mehr als Sonderfälle, sondern werden zu einem integralen Bestandteil der Planungsarbeit.
Visuelle Suche als Einstieg
Wie lassen sich frühere Entwürfe und Referenzen wiederverwenden?
Planung beginnt häufig nicht mit einer perfekten Idee, sondern mit Bildern wie einem Foto aus der Halle, einer Skizze von Kolleg:innen oder einer gefundenen Stationenkarte auf Pinterest. IsoPlanner greift das auf – mit integrierter Bild- und Textsuche, um frühere Stationen wiederzufinden und Inspiration direkt in den Entwurf zu überführen. So bleiben bewährte Ideen verfügbar, statt in Ordnern, Chatverläufen oder Präsentationen zu verschwinden.
Variieren statt Duplizieren
Wie entstehen Alternativen explorativ statt manuell?
Ein zentrales Element ist der Varianten-Builder oder Playground: Er zoomt in eine Station hinein und unterstützt dabei, gezielt Alternativen zu entwickeln – etwa, um einen Aufbau zu vereinfachen, zu erweitern oder an Material und Niveau in Länge, Breite und Höhe anzupassen. Ergänzend speichert ein Katalog vorgefertigte Kombinationen und eigene Varianten, damit gute Lösungen nicht jedes Mal neu rekonstruiert werden müssen.
Ein Raum, mehrere Modi
Es gibt nicht den einen richtigen Weg in der Planung, da sie selten linear ist. Und je nach Ausgangslage startet man ja auch vollkommen unterschiedlich – mal mit einer klaren Idee, mal mit einem Ausgangsgerät oder mit einer rudimentären und kryptischen Skizze. Deshalb ist IsoPlanner bewusst mehrspurig gestaltet: Mehrere sinnvolle Wege führen zum gleichen Ergebnis, passend zum Arbeitsstil, Zeitdruck oder dem Ausarbeitungsgrad. So wird IsoPlanner nicht zu einer starren Anleitung, sondern zu einem Raum, in dem unterschiedliche Arbeitsweisen Platz finden.
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Evaluation und Fazit
Tests als Erkenntnislupe
In Tests mit Personen, die sonderpädagogische Lehrerfahrung und Verantwortung in der Ausbildung von neuen Lehrkräften aufweisen, sind drei Erkenntnisse besonders stark aufgefallen, die für die Weiterentwicklung des Tools von großer Bedeutung sein werden. Sie schärfen damit den Kern der Gestaltungsaufgabe, weil sie nicht nach mehr Features verlangen, sondern nach einer besseren Unterstützung beim didaktischen Denken, Planen und Umsetzen.
Planung folgt Bewegung, nicht Ansicht
Eine Person hat nicht in der Ebenenhierarchie von hinten nach vorne gebaut, sondern in umgekehrter Richtung entlang des Bewegungsablaufs der Kinder gedacht. Dieses Tool betont die grundlegende Bedeutung der Planung, die über eine bloße Anordnung hinausgeht und eine sorgfältig ausgearbeitete Abfolge von Handlungen umfasst, die auf didaktische Prinzipien abgestimmt sind.
Visuelle Suche dient als Denkwerzeug
Die Bereitschaft, vorzugsweise über Bilder und Skizzen als Inspirationsquelle und Startpunkt zu arbeiten, bestätigt das Prinzip, dass Bilder eben nicht Dekoration sind, sondern einen Einstieg ins Denken ermöglichen – und damit einen zentralen Hebel für das Tool darstellen.
Didaktik braucht Kontext, nicht nur Auswahl
Der Wunsch nach didaktisch wertvollen Zusatzinformationen wie dem Schweregrad, dem Einsatzzweck und der Nutzungshäufigkeit von Geräten und ganzen Stationen zeigt vor allem auch, dass ein Tool ohne didaktischen Kontext ein Ideengenerator bleibt, mit Kontext jedoch zu einer wichtigen Orientierungs- und Entscheidungshilfe heranreifen kann.
Zusammenfassung und Fazit
Smart Group zum vertikalen Stapeln in IsoPlanner
IsoPlanner versteht räumliche Planung als kreativen und didaktischen Denkprozess. Planung ist nicht nur reines Layoutbauen, sondern besteht aus wiederholtem Aussuchen, Variieren und Wiederverwenden. Um genau diesen Prozess nicht zu unterbrechen, sondern zu tragen, stehen Stationen als wiederverwendbare Module im Vordergrund, die sich nahtlos in neuen Projekten einsetzen und anpassen lassen können. Außerdem unterstützt der Varianten-Builder dabei, Alternativen gezielt zu entwickeln, während der Katalog und die visuelle Suche dabei helfen sollen, vorhandenes und erstelltes Material schnell wiederfinden und weiterdenken zu können.
Diese Abschlussarbeit zeigt, wie ein durchgehender Arbeitsraum helfen kann, Ideen effizienter zu entwickeln, Varianten leichter zu erkunden und bewährte Lösungen wiederzuentdecken, damit mehr Zeit dort entsteht, wo sie am wichtigsten ist – bei der Qualität der Stunde.