In manchen Abschlussarbeiten im 7. Semester setzen sich die Projektteams aus verschiedenen Studiengängen zusammen. Hier können die unterschiedlichen Kompetenzen und Gestaltungsschwerpunkte in der Projektarbeit optimal verzahnt werden.
In unserer Bachelorarbeit entwickeln wir Katabasis, ein Messgerät für den Einsatz in Unterwasserhöhlen, und die dazugehörige Software Anabasis. Gemeinsam bilden sie ein System, das Höhlentaucher:innen dabei unterstützt, Unterwasserhöhlen präzise zu vermessen und die gewonnenen Daten digital weiterzuverarbeiten. Ziel ist es, einen bisher stark manuellen und fehleranfälligen Prozess zu vereinfachen und kontrolliert zugänglich zu machen.
Unterwasserhöhlen sind verborgene und schwer zugängliche Räume. Ihr Verlauf ist meist unbekannt und kann nur durch spezialisierte Tauchgänge dokumentiert werden. In Deutschland geschieht diese Arbeit überwiegend ehrenamtlich durch organisierte Höhlentaucher:innen, die Höhlensysteme erforschen, kartieren und für wissenschaftliche Zwecke zugänglich machen.
Dokumentation unter Extrembedingungen
Die Vermessung von Unterwasserhöhlen ist ein zeitintensiver Prozess.
Taucher:innen erfassen Messwerte wie Tiefe, Distanz und Richtung bisher
meist manuell mit Bleistift auf wasserfesten Tafeln (Wetnotes). Begrenzte
Sicht, Kälte und der Vorrat an Atemgas bestimmen dabei das Zeitfenster für
die Präzision der Datenaufnahme
Fehleranfälligkeit im aktuellen Prozess
Die manuelle Erfassung ist fehleranfällig: Handschriftliche Notizen sind
unter Stress oft schwer lesbar, und Raummaße werden häufig nur geschätzt. Da
die Daten nach dem Tauchgang händisch in Computerprogramme übertragen werden
müssen, entstehen Verzögerungen und Übertragungsfehler. Zudem fehlt es an
Funktionen für eine effiziente, teamübergreifende Zusammenarbeit.
Schreibtafel
02
Research und UX
Nutzerzentrierte Entwicklung
Interviews mit Höhlentaucher:innen halfen dabei, den Prozess von der Planung
bis zur Archivierung zu analysieren. Kritische Momente im Workflow führten
zur Entwicklung gezielter Funktionen wie dem Marker-Modus.
Cluster
Ergonomie und Feedback
Bei der Gestaltung lag der Fokus auf einer einfachen und einhändigen Bedienung. Das Gerät ist so geformt, dass es auch mit dicken Handschuhen sicher gehalten und gesteuert werden kann. Schalter und Druckpunkte geben deutlich spürbares, haptisches Feedback, da die Feinmotorik durch Kälte und Ausrüstung eingeschränkt ist.
Bedienung
Die Benutzeroberfläche folgt einer klaren Informationshierarchie. Kontrastreiche Lichtfarben und reduzierte Anzeigen sorgen dafür, dass alle wichtigen Informationen auch bei schlechter Sicht schnell erfassbar bleiben.
StatuslichtKatabasis Screen
03
Unsere Lösung
Optimierung der Messdatenaufnahme
Unser System optimiert den Prozess von der Erfassung unter Wasser bis zur
digitalen Darstellung an der Oberfläche. Es entlastet Taucher:innen kognitiv
und steigert die Genauigkeit der Daten. Die Lösung besteht aus dem Messgerät
Katabasis und der Web-Applikation
Anabasis.
04
Hardware: Katabasis
Datenerfassung am Ariadnefaden
Katabasis wird direkt am Führungsseil geführt, das als Referenzachse dient.
Das Gerät lässt sich durch Auseinanderziehen einfach auf die Leine setzen
und fixieren. Messungen erfolgen kontinuierlich in Bewegung, ohne den
Tauchfluss zu unterbrechen.
Katabasis vor Ariadnefaden
Sensorik und haptische Interaktion
Ein Rotary Encoder misst die Distanz am Seil, ein
Drucksensor die Tiefe und ein
9-Achsen-Sensor die Orientierung. Ein
Sonar-Modul erfasst die Gangbreiten. Über ein um 45°
abgewinkeltes Drehrad lassen sich gemessene Längen manuell
korrigieren oder ergänzen. Die Bedienung ist für dicke Handschuhe optimiert.
Eine mechanische Klappe aktiviert den Marker-Modus: Das Öffnen schaltet die
Kamera frei, um Fotos als Gedächtnisstütze für die spätere Auswertung
aufzunehmen.
PrototypAnleitung
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Software: Anabasis
Von Messdaten zur Visualisierung
Anabasis ist eine digitale Plattform, auf der die vom Messgerät erfassten CSV-Daten weiterverarbeitet werden. Aus einzelnen Messwerten wie Distanz, Tiefe und Richtung entsteht eine räumliche, dreidimensionale Darstellung der Unterwasserhöhle.
Die Software übersetzt die Messdaten in ein verständliches Höhlenmodell. Messzüge werden im Raum sichtbar, Verläufe lassen sich nachvollziehen und einzelne Punkte können mit zusätzlichen Markern ergänzt bzw. definiert werden. Beispielsweise mit Fotos, Funden, Kreuzungen usw. So entsteht aus reinen Messdaten eine strukturierte und lesbare Dokumentation des Höhlensystems.
Features
Unterwasserhöhlen entstehen häufig erst nach mehreren Tauchgängen. Damit die einzelnen Abschnitte korrekt zusammengeführt werden können, lassen sich in Anabasis Messpunkte gezielt miteinander verbinden. Dieses sogenannte „Snapping” verknüpft Messpunkte, die im realen Raum dieselbe Stelle darstellen, und formt daraus ein zusammenhängendes Höhlenmodell.
Da genaue Daten von Höhlen sensibel sind, verfügt die Plattform außerdem über eine differenzierte Rollen- und Rechteverwaltung. So kann festgelegt werden, wer Daten einsehen, bearbeiten oder weitergeben darf. So wird eine Zusammenarbeit ermöglicht, ohne sicherheitsrelevante Informationen öffentlich zugänglich zu machen.
Anabasis Screens
06
Fazit
Effizienz in der Forschung
Das System digitalisiert die Arbeitsprozesse von Höhlentaucher:innen und -forscher:innen und schafft so eine konsistente Datenbasis für die Höhlenforschung. Durch die Automatisierung kann die Zeit unter Wasser effizienter genutzt werden und die Dokumentationsqualität steigt. Es bildet die Grundlage für zukünftige Projekte und erhöht die Sicherheit bei der Exploration.