Inhalt des Kurses
Angewandte Gestaltung
Wir machen ein Design Projekt. Mit allem, was dazu gehört: Nutzern, Workshops, Spezialisten, Testings, … Scheitern und Fehler machen zum schnellen Lernen willkommen. Studierende entwickeln Kommunikations-Produkte. Konsequent methodisch.
Kommunikationsgestaltung
Semesterjahr BetreuungProf. Hans Krämer, Prof. Michael Götte
stimmig.
Soziale Apps und digitale Kommunikationsräume sind heute überwiegend visuell gestaltet. Für blinde und sehbehinderte Menschen entstehen dadurch zahlreiche Barrieren: überladene Benutzeroberflächen, schlecht funktionierende Screenreader, unzuverlässige Audiofunktionen und fehlende Sicherheitsmechanismen erschweren den Zugang erheblich. Statt Teilhabe zu ermöglichen, verstärken viele bestehende Plattformen soziale Ausgrenzung und Unsicherheit.
Stimmig. setzt genau hier an. Ziel ist es, einen barrierefreien, sicheren und selbstbestimmten Online-Raum zu schaffen, in dem sich Menschen mit Sehbehinderung und Blindheit austauschen, vernetzen und gemeinsame Aktivitäten erleben können, ohne den Fokus ständig auf die eigene Beeinträchtigung legen zu müssen.
Die größten Herausforderungen liegen in unsicheren Plattformen ohne Verifizierung, schlecht funktionierenden Meldesystemen, mangelhafter Audioqualität und komplexen Interfaces, die bestehende Assistenzsysteme eher behindern als unterstützen. Gleichzeitig zeigt sich ein großes Potenzial: Eine barrierefreie Lösung kann Einsamkeit reduzieren, soziale Teilhabe fördern, mentale Gesundheit stärken und langfristige Beziehungen ermöglichen.
Unsere Lösung denkt Kommunikation neu. Klare, reduzierte und kontrastreiche Benutzeroberflächen, automatisch optimiert für Screenreader und Assistenzsysteme, bilden die Basis. Nutzer:innen können selbstbestimmt zwischen Text-, Audio- und weiteren Kommunikationsformen wechseln. Audio-basierte Profile, Sprachnachrichten mit integrierter Textübersetzung sowie interessenorientiertes Matching erleichtern das Kennenlernen neuer Menschen, ganz ohne visuelle Hürden.
So entsteht ein digitaler Raum, der Barrieren abbaut statt neue zu schaffen und soziale Nähe dort ermöglicht, wo sie bisher oft fehlt.
Voreinstellungen
Bereits bei der Anmeldung und in den Einstellungen werden individuelle Bedürfnisse, Sehformen und mögliche Begleiterscheinungen abgefragt. Dazu gehören unter anderem Seheinschränkungen, Reizempfindlichkeit sowie bevorzugte Kommunikationsformen. Auf Basis dieser Angaben passt sich die App automatisch an die jeweilige Nutzer:in an. So werden beispielsweise Kontraste, Interface-Komplexität, Audio-Ausgabe und Interaktionsformen individuell optimiert. Ziel ist es, Überforderung zu vermeiden und eine möglichst selbstständige, angenehme Nutzung zu ermöglichen.

Verifizierung
Ein zentraler Bestandteil der Anmeldung ist die Verifizierung der Nutzer:innen. Diese erfolgt über einen persönlichen Anruf, bei dem sich der User von einer Mitarbeitenden verifizieren lässt. Dieser Schritt erhöht die Sicherheit innerhalb der Plattform erheblich, schafft Vertrauen und schützt besonders vulnerable Nutzer:innen vor Missbrauch, Fake-Profilen oder belästigendem Verhalten. Die Verifizierung trägt maßgeblich zu einem geschützten und respektvollen Kommunikationsraum bei.

VoiceOver & Orientierung
Das VoiceOver unterstützt die Navigation innerhalb der App, indem vorgelesene Inhalte visuell hervorgehoben werden. Der jeweils aktive Bereich wird durch einen dezenten Background-Blurr markiert. Diese visuelle Rückmeldung hilft insbesondere Menschen mit Sehrest, sich besser zu orientieren und Inhalte gezielt zu erfassen. Gleichzeitig bleibt das Interface ruhig und nicht überladen, um Reizüberflutung zu vermeiden.

Freunde finden
Das Kennenlernen neuer Menschen erfolgt bewusst niedrigschwellig und barrierearm. Blinde Nutzer:innen lernen sich zunächst über Audio kennen, beispielsweise über kurze Sprachnachrichten oder Audio-Profile. Menschen mit Sehbehinderung haben zusätzlich die Möglichkeit, ein optionales Profilbild aufzurufen. Der Fokus liegt dabei nicht auf dem visuellen Eindruck, sondern auf Stimme, Interessen und Persönlichkeit. So entsteht ein natürlicher, inklusiver Einstieg in neue soziale Kontakte.

Chats & Audio
Die Kommunikation erfolgt überwiegend über Sprachnachrichten. Geht eine neue Nachricht ein, erscheint ein blauer Kreis mit einer Nummerierung, die die Anzahl der ungelesenen Nachrichten anzeigt. So ist auch ohne visuelle Detailwahrnehmung sofort erkennbar, ob neue Inhalte vorhanden sind. Im Chat selbst stehen Audio-Nachrichten im Mittelpunkt, können jedoch je nach Einstellung durch Textausgaben ergänzt werden. Dadurch bleibt die Kommunikation flexibel und individuell anpassbar.

Call & Listening Party
Neben klassischen Gesprächen bietet die App gemeinschaftliche Audio-Erlebnisse. Während eines Calls können die Teilnehmer:innen gemeinsam einen Podcast oder Audioinhalt auswählen und zeitgleich anhören. Diese sogenannten „Listening Partys“ ermöglichen geteilte Erlebnisse, Gesprächsanlässe und eine stärkere soziale Verbindung, ohne visuelle Anforderungen zu stellen. Die Auswahl erfolgt vollständig audio-basiert und kann während des laufenden Gesprächs angepasst werden.

Céline Stumpf, Alara Kilic, Michelle Kefer, Emilia Rehan
BetreuungProf. Hans Krämer, Prof. Michael Götte
TagsApp Audio Barrierefreiheit Benutzerfreundlichkeit Freunde Integration Prototyp Usability UI