In der Bachelor-Arbeit im 7. Semester bearbeiten die Studierenden anhand eines frei wählbaren Themas ein Gestaltungsprojekt, in dem sie ihre erlernten Kenntnisse in Recherche, Konzept und Entwurf praktisch anwenden.
Space – KI Reflexion zur Zielklärung und Umsetzung
Less noise. More movement.
Viele Menschen spüren den Wunsch nach Veränderung – nach einem nächsten Schritt, nach mehr Sinn oder Fortschritt. Je mehr über Entscheidungen, Ziele oder die eigene Zukunft nachgedacht wird, desto unübersichtlicher wird es. Zu viele Erwartungen. Zu viele Gedanken. Zu viel Noise. Dieses innere Durcheinander führt häufig zu Stillstand. Gedanken werden laut, widersprüchlich und kreisen immer weiter. Gleichzeitig besteht gesellschaftlich noch immer eine gewisse Hemmschwelle, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Coaching, Therapie oder bewusste Selbstreflexion sind zwar sichtbarer geworden, werden aber nicht von allen als selbstverständlicher Weg genutzt – und sind zudem nicht für alle zugänglich. Das Bedürfnis bleibt dennoch klar: Gedanken ordnen, Orientierung gewinnen und ins Handeln kommen.
Vom Gedanken zur Richtung
Wir entwickeln eine digitale Reflexions-App, die hilft, Gedanken zu strukturieren, Ziele zu prüfen und aus innerem Chaos klare, machbare Schritte abzuleiten. Statt sofort in Planung oder Selbstoptimierung zu springen, beginnt der Prozess mit gezielten Fragen: Was ist wirklich wichtig? Welche Motivation steckt dahinter? Passt dieses Ziel zur aktuellen Lebenssituation?
Die Anwendung schafft einen geschützten, jederzeit zugänglichen Raum für strukturierte Selbstreflexion – ohne Bewertung, ohne Druck, ohne Stigma. Sie unterstützt dabei, zwischen eigenen Wünschen und äußeren Erwartungen zu unterscheiden, unrealistische Annahmen zu erkennen und Ziele alltagstauglich zu formulieren.
Aus Klarheit entsteht ein konkreter nächster Schritt. Aus Orientierung wird Bewegung.
Zwischen Selbstreflexion und professioneller Begleitung
Unsere Anwendung ersetzt weder Coaching noch Therapie. Sie versteht sich als vorgelagerte, begleitende Unterstützung zwischen „alleine im Kopf kreisen“ und professioneller Begleitung. Sie ist niederschwellig, jederzeit zugänglich und alltagsnah – ein neutraler Denkraum ohne Termine, Kosten oder sozialen Druck. Gleichzeitig zieht sie klare Grenzen: Sie stellt keine Diagnosen und gibt keine psychologischen Bewertungen ab. Belastende Sprache, starke Überforderung oder Krisensignale werden erkannt und führen bewusst zur Weiterleitung an reale Unterstützung wie Freund:innen, Familie oder professionelle Hilfe.
Im Zentrum steht eine klare Rolle: strukturierte Reflexion. Die Anwendung stellt gezielte Fragen, ordnet so Gedanken und macht Zusammenhänge sichtbar. So entsteht Orientierung – wenn aus innerem Durcheinander Überforderung wird.
Sprache als Werkzeug – Die KI im Dialog
Im Chat spielt die Sprache der KI eine zentrale Rolle. Sprache ist nie neutral – sie prägt, wie Situationen verstanden werden und wie Menschen über sich selbst denken. Besonders in Momenten von Unsicherheit oder innerem Druck kann sie blockieren oder Bewegung ermöglichen.
Deshalb setzt die KI gezielt semantische Impulse ein. Statt große Ziele einzufordern, lädt sie zu kleinen, machbaren Schritten ein: „Nur der erste kleine Schritt“ oder „Einfach kurz ausprobieren“. So wird die Einstiegshürde gesenkt und Handlung unmittelbar greifbar.
Offene Fragen wie „Was wäre der kleinste nächste Schritt?“ geben Orientierung, ohne Kontrolle zu übernehmen. Hinweise wie „Viele gehen hier ähnlich vor“ normalisieren Zweifel und nehmen Druck.
Sprache wird dabei nicht lenkend, sondern unterstützend eingesetzt – um Klarheit zu schaffen, Handlung zu erleichtern und selbstbestimmte Bewegung zu fördern.
Erkenntnisse sichtbar machen
Viele Menschen bleiben in der Reflexion bei der bloßen Beobachtung stehen – sie denken über Erlebtes nach, ziehen daraus aber keine klaren Schlussfolgerungen. Der entscheidende Schritt ist jedoch die abstrakte Konzeptualisierung: aus Gedanken konkrete Erkenntnisse abzuleiten.
Unsere Anwendung analysiert Antworten und Zusammenhänge und formuliert daraus nachvollziehbare Erkenntnisse. Diese werden einer persönlichen Sammlung hinzugefügt – strukturiert entlang der Ebenen der Dilts-Pyramide, sodass sie in einen klaren Kontext eingeordnet sind.
Dabei werden auch Muster, Widersprüche oder Schwerpunkte sichtbar, die im eigenen Denken leicht übersehen werden. Jede neue Erkenntnis vergrößert die Sammlung und macht Entwicklung sichtbar. Per Zoom oder Wischen können die Ebenen navigiert werden, und durch Antippen einer Erkenntnis öffnet sich eine Detailansicht mit den relevanten Dialogausschnitten sowie einer Einordnung.
Strukturierte Reflexion – Das Modell im Hintergrund
Unsere Reflexion basiert auf der Dilts-Pyramide – einem etablierten Modell aus dem Coaching. Sie gibt dem Prozess eine klare Struktur und sorgt dafür, dass ein Ziel nicht nur oberflächlich betrachtet wird.
Statt direkt ins Handeln zu springen, wird ein Ziel systematisch auf mehreren Ebenen beleuchtet: im Kontext des eigenen Umfelds, im konkreten Verhalten, in den eigenen Fähigkeiten, in den zugrunde liegenden Werten – bis hin zur Frage nach Identität und Sinn.
So wird nicht nur das Was, sondern vor allem das Warum sichtbar. Erst wenn dieses Fundament geklärt ist, wird entschieden, ob – und wie – ein Ziel weiterverfolgt wird.
Ergänzend unterstützen Modelle wie Hattie (sichtbarer Fortschritt) und das Hook-Modell (nachhaltige Motivation) die Umsetzung.
Die Lücke zwischen Ziel und Umsetzung
Um zu verstehen, warum Umsetzung trotz klarer Ziele oft scheitert, hilft das Rubikon-Modell. Es unterscheidet zwischen Motivation und Volition: In der Motivationsphase wird abgewogen, entschieden und geplant – Ziel und nächster Schritt sind meist klar. Die eigentliche Schwierigkeit entsteht danach, im Übergang vom Plan zur Handlung. Genau in dieser Lücke setzt unsere Anwendung an. Für langfristiges Dranbleiben orientieren wir uns zusätzlich am Hattie-Modell, das Entwicklung als wiederkehrenden Prozess versteht: Ziel klären, aktuellen Stand reflektieren, nächsten Schritt anpassen. Große Vorhaben werden in kleine, realistisch umsetzbare Schritte übersetzt – aus „Erfüllung im Arbeitsleben“ wird etwa „Freelancing-Fähigkeiten stärken“ oder ganz konkret „10 Minuten reflektieren“. Fortschritt entsteht dabei nicht erst am Ziel, sondern unterwegs. Die Anwendung macht sichtbar, welche Schritte bereits gegangen wurden und was sich entwickelt hat – nicht als Leistungsbewertung, sondern als Feedback zur eigenen Bewegung. Wenn etwas nicht funktioniert, wird es angepasst statt aufgegeben. So entsteht ein flexibler Kreislauf, der die Lücke zwischen Ziel, Alltag und tatsächlichem Handeln schließt.
Ein Denkraum, zu dem man zurückkehrt
Damit Nutzer:innen nicht nur einmal reflektieren, sondern regelmäßig zurückkehren, orientieren wir uns am Hook-Modell. Ausgangspunkt ist ein inneres Bedürfnis – zum Beispiel der Wunsch, Gedanken abzuschließen, offene Fragen weiterzuverfolgen oder inneres Chaos zu sortieren. Ergänzend greifen externe Trigger wie Notifications oder Widgets. Der Einstieg bleibt bewusst einfach und reibungsarm. Emotionale Belohnung entsteht durch kleine Erfolgsmomente im Prozess: sichtbare Fortschritte, Ebenenwechsel oder das Wachsen der eigenen Erkenntnissammlung. Gleichzeitig investieren Nutzer:innen Zeit, Gedanken und persönliche Inhalte. Mit jeder Nutzung wird die Anwendung persönlicher – sie wächst mit, spiegelt Entwicklung wider und wird zu einem vertrauten Ort für strukturiertes Denken im Alltag.