Nicht alle Vögel bleiben ihr Leben lang an einem Ort. Weltweit legen rund 2.000 Zugvogel-Arten – etwa jede fünfte Vogelart – jedes Jahr weite Strecken zwischen Brut- und Überwinterungsgebieten zurück. Manche Reisen sind kurz, andere überqueren ganze Kontinente, Wüsten und Ozeane. Doch der Vogelzug wird gefährlicher: Rastplätze verschwinden, das Klima verändert sich, und immer mehr Arten stehen auf der Roten Liste bedrohter Tiere. Unsere Visualisierung macht diese Reisen – und ihre Risiken – sichtbar.
Bird Migration – Dokumentationsvideo
Die Frage dahinter
Uns hat interessiert: Gibt es Migrationskorridore, die für besonders viele verschiedene Vogelarten zu gemeinsamen Hotspots werden? Und nutzen bedrohte Arten strukturell andere Routen als nicht bedrohte? Um das zu beantworten, haben wir echte Trackingdaten ausgewertet und daraus eine interaktive Karte gebaut.
Echte Flugwege statt Schätzung
Unser Datensatz stammt aus einer wissenschaftlichen Veröffentlichung auf Figshare und bündelt GPS-Trackingdaten aus hunderten Einzelstudien: über 42.000 Messpunkte von 111 Vogelarten auf allen großen Kontinenten, erhoben zwischen 1979 und 2023. Jeder Punkt ist die reale, gemessene Position eines einzelnen Zugvogels – keine Modellierung, keine Schätzung. Aus diesen Punkten haben wir die einzelnen Flugrouten rekonstruiert und dabei automatisch erkannt, ob es sich um einen Start-, Zwischen- oder Zielort handelt.
Von Rohdaten zur Karte
Jede Migrationsroute wird als eigenes Objekt gespeichert – mit Vogelart, taxonomischer Einordnung, Gefährdungsstatus, Jahr, Land und allen zugehörigen GPS-Punkten. Diese Struktur macht es möglich, die Karte gezielt zu filtern: nach Vogelart, Monat oder Jahr. Umgesetzt wurde das Ganze mit HTML, CSS und JavaScript, die Kartendaten stammen von OpenStreetMap.
Was die Karte zeigt
Besonders dicht sind die Zugrouten in Europa, Teilen Afrikas und Asiens sowie im Korridor zwischen Nord- und Südamerika. Bedrohte Arten sind auffällig häufig auf Routen durch Ostafrika, zwischen Asien und Australien, zwischen Grönland und Irland sowie in Nord- und Zentraleuropa unterwegs. Da der Datensatz auf einzelnen getrackten Tieren basiert, lassen sich diese Muster als Tendenz lesen – nicht als vollständiges Abbild aller Zugvögel weltweit.