Wir machen ein Design Projekt. Mit allem, was dazu gehört: Nutzern, Workshops, Spezialisten, Testings, … Scheitern und Fehler machen zum schnellen Lernen willkommen. Studierende entwickeln Kommunikations-Produkte. Konsequent methodisch.
Der Rundfunk erfüllt eine wichtige gesellschaftliche Funktion: Er soll unabhängig informieren, Bildung zugänglich machen und damit einen Beitrag zur demokratischen Meinungsbildung leisten. Für viele junge Menschen ist er jedoch vor allem eines: eine monatliche Zahlung, die man leisten muss, ohne genau zu wissen, wofür. Gerade der Rundfunkbeitrag wirkt dadurch oft abstrakt, trocken oder negativ besetzt. Gleichzeitig nutzen wir alle täglich Medieninhalte, oft ohne genauer zu hinterfragen, wer dahintersteht, wie Programme entstehen oder wohin das Geld eigentlich fließt.
Aus diesem Spannungsfeld heraus entstand die Idee, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht über klassische Infografiken oder lange Erklärungstexte zu vermitteln, sondern über einen vertrauten Ort: das Wohnzimmer. Der Raum steht symbolisch für gemeinsames Fernsehen, Familienrituale und Medienkonsum über Generationen hinweg. Durch die Gestaltung im Stil eines gutbürgerlichen Wohnzimmers der 80er- bis 2000er-Jahre entsteht ein nostalgischer, niedrigschwelliger Zugang zu einem komplexen System.
Im finalen Konzept wird das Wohnzimmer zur interaktiven Ausstellung. Verschiedene Stationen erklären, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk aufgebaut ist, welche Menschen und Berufsgruppen daran beteiligt sind, wie sich Inhalte auf unterschiedliche Kategorien verteilen und welche Rolle der Rundfunkbeitrag dabei spielt. Kassetten, Bilderrahmen, Fernseher und typische Wohnzimmerobjekte werden dabei zu Informationsträgern. So werden Zahlen, Strukturen und Zusammenhänge nicht nur gelesen, sondern räumlich und spielerisch erfahrbar.
Der digitale Prototyp überträgt diese Ausstellungsidee in eine interaktive Form. Nutzer*innen können sich durch verschiedene Kategorien wie Nachrichten, Bildung, Sport, Kinderprogramm, Unterhaltung oder Krimis bewegen und entdecken, welche Inhalte im öffentlich-rechtlichen Rundfunk besonders präsent sind. Die Gestaltung verbindet bewusst vertraute analoge Elemente mit einer digitalen Bedienlogik. Dadurch entsteht ein Zugang, der informativ, kritisch und gleichzeitig leicht verständlich bleibt.
Ziel des Projekts ist es nicht, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk einfach nur zu bewerten, sondern Transparenz zu schaffen. Die Ausstellung soll zeigen, wie vielfältig, aber auch wie komplex dieses Mediensystem ist. Junge Besucher*innen sollen angeregt werden, ihren eigenen Medienkonsum zu hinterfragen und besser zu verstehen, wofür sie zahlen, was sie nutzen und welche gesellschaftliche Funktion öffentlich-rechtliche Medien übernehmen.