Inhalt des Kurses
Masterarbeiten Strategische Gestaltung
Strategische Gestaltung
Semesterjahr BetreuungProf. Leif Huff, Mark Meyer
Project: Space Invaders
Als Theoriearbeit erforscht dieses Projekt eine neue Interaktionsgrammatik für KI-Systeme. Mittels „Research through Design“ untersuchen Prototypen, wie Spielmechaniken die Bedienung verbessern.
Eine theoretische Fundierung für das KI-Zeitalter
Künstliche Intelligenz (KI) ist kein herkömmliches Werkzeug, sondern ein völlig neues, wahrscheinlichkeitsbasiertes Material. Dennoch zwängen wir diese Technologie aktuell in starre Benutzeroberflächen wie Text-Chatfenster. Das führt zur sogenannten „Artikulationsbarriere“: Nutzer haben ein Ziel im Kopf, scheitern aber daran, dieses in exakte Textbefehle zu übersetzen. Diese Masterarbeit ist im Kern eine Theoriearbeit, die ein konzeptionelles Rahmenwerk (eine völlig neue „Interaktionsgrammatik“) für solche KI-Systeme entwickelt.
Der theoretische Ansatz: Videospiele als Vorbild
Die Arbeit analysiert ein Medium, das seit Jahrzehnten meisterhaft darin ist, komplexe und unvorhersehbare Systeme nutzbar zu machen: Videospiele. Spiele bewahren die Handlungsfähigkeit der Spieler durch sofortiges, spürbares Feedback und räumliche Orientierung. Das Ziel der theoretischen Untersuchung ist es, diese Spielprinzipien systematisch auf KI-Software zu übertragen.
Die Methodik: „Research through Design“ (RtD)
Um die aufgestellten Theorien zu prüfen und weiterzuentwickeln, wendet die Arbeit die Methodik des „Research through Design“ (RtD) an. Die entworfenen Anwendungen sind demnach keine fertigen, marktreifen Produkte, sondern experimentelle Forschungsinstrumente (Design Probes). Sie veranschaulichen die Theorie an drei Beispielen:
1. Medienentdeckung (Media Discovery):
Statt Filme über Suchleisten zu finden, bewegen sich Nutzer auf einer interaktiven Karte frei zwischen Stimmungen (z. B. düster bis rasant), um die Artikulationsbarriere zu umgehen.
2. Reiseplanung (Logistics): Zeitblöcke verhalten sich wie physische Objekte. Versucht der Nutzer, zu viele Termine in eine Lücke zu quetschen, stoßen die Blöcke sichtbar zusammen – Fehler werden im Sinne des „konstruktiven Scheiterns“ sofort spürbar.
3. Projektmanagement (Roadmap): Die Arbeitsteilung wird als sichtbares Netzwerk dargestellt. Verteilt ein Manager zu viele Aufgaben, entsteht ein sichtbarer „Stau“, der die Systemlogik und Konsequenzen sofort verständlich macht.
Zielgruppe und Nutzen
Die Arbeit richtet sich an Interaktionsdesigner, Softwareentwickler und Forscher im Bereich Mensch-Computer-Interaktion (HCI). Ihr Mehrwert ist zweigeteilt: Auf theoretischer Ebene definiert sie KI als neues Material und liefert eine Grammatik für dessen Gestaltung. Auf gestalterischer Ebene zeigt sie durch die RtD-Methode, wie Interfaces wieder visuelles und spürbares Feedback geben können, um Nutzern die Kontrolle und das Vertrauen in autonome Systeme zurückzugeben.
Prof. Leif Huff, Mark Meyer
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