Im Kurs Application Design II tauchen die Studierenden in die Welt des User Experience (UX) und Application Designs ein.
Ziel ist es, ein tiefgreifendes Verständnis für den eigenen Designprozess zu entwickeln, die Designentscheidungen sichtbar zu machen und fundiert zu begründen. Der Kurs legt einen besonderen Fokus auf die strategische Gestaltung als Brücke zwischen kreativen Lösungen und gemeinnützigen Aspekten und vermittelt Methoden aus dem Bereich des Human Centered Designs zur Entwicklung benutzerzentrierter Applikationen.
Eine App, die passives Scrollen im Moment unterbricht, statt die Social Media App komplett zu sperren. Sie blendet gezielt Brainrot aus und lässt durch, was dir wichtig ist. Danach hilft sie dir, dein Verhalten einzuordnen.
Social Media ist nicht per se schlecht. Sehen, wie es Freundinnen geht, oder das neueste Rezept finden, ist ein guter Grund für den Feed. Schlecht ist der austauschbare Endlos-Content, der nur konsumiert wird, weil der Feed nicht aufhört. Genau den fängt Willblocker ab, nicht die App als Ganzes.
Problem
Feeds wie Instagram sind ohne natürliche Stopppunkte gebaut. Man scrollt weiter, ohne je entschieden zu haben weiterzuscrollen. Klassische Gegenmittel, feste Zeitlimits oder komplette App Sperren, wirken als Bevormundung. Sie werden abgeschaltet oder durch Schließen und Neuöffnen der App umgangen und verlieren dadurch ihre Wirkung.
Die Frage war deshalb nicht, wie man die App sperrt, sondern wie man im Moment des automatisierten Scrollens eine bewusste Entscheidung erzwingt.
Die Intervention
Statt die komplette App zu blockieren, legt Willblocker ein Overlay in die jeweilige App. Die Nutzerin bleibt in Instagram, sieht aber keinen konsumierbaren Inhalt mehr ohne aktive Handlung. Die Unterbrechung fühlt sich dadurch nicht wie ein Verbot an, sondern wie ein Reflexionsmoment.
Der Unterschied zur App Sperre ist der Punkt. Eine geschlossene App öffnet man einfach neu. Ein Overlay bleibt im Kontext und lässt sich nicht wegscrollen.
Ablauf in drei Phasen
In der freien Zeit läuft nur ein hochzählender Timer in der Dynamic Island, neutral gefärbt und rein informativ. Will erscheint hier noch nicht.
Kurz vor dem Limit beginnt die Warnphase. Will erscheint, die Farbe wechselt zu Amber, ein einmaliges Aufflackern warnt vor. Dass Will erst jetzt auftaucht und nicht von Beginn an, ist Absicht. Nur diese Zurückhaltung macht sein Erscheinen zum Signal statt zur Dekoration.
Beim Limit greift der Filter. Ein KI Filter blendet Brainrot Content aus, während relevante Beiträge sichtbar bleiben. Geblockte Posts werden geblurrt, ihre Likes, Kommentare und Shares mit ausgeblendet. Will erscheint mit besorgter Mimik.
Nicht die App wird gesperrt, sondern der austauschbare Content darin. Zeit ist der Auslöser, der Content Typ ist der Filter. Wer nach dem Limit sehen will, wie es Freundinnen geht, sieht das weiter. Der Endlos-Konsum wird abgefangen.
Freischalten
Wer einen geblockten Post trotzdem sehen will, entsperrt ihn per Long Press. Diese eine bewusste Handlung ersetzt das impulsive Antippen. Sie kostet Willpower.
Die App
Das Home zeigt den aktuellen Zustand von Will und den Stand der Willpower. Willpower ist eine Ressource, kein Score. Jeder Monat startet mit 100 Willpower. Freischalten verbraucht sie, wiederholtes Freischalten in derselben Session wird teurer. Zurückgewinnen lässt sie sich über abgeschlossene Quick Actions, sie sinkt nie passiv. Der Verbrauch des Vormonats beeinflusst den Preis im nächsten Monat. Willpower ist bewusst keine Note. Ein Score erzeugt Scham, und eine App, die einem sagt man sei schlecht, wird abgeschaltet, genau der Fehler, den rigide Sperren machen.
Journey ist der Verlauf. Hier lässt sich Woche für Woche nachvollziehen, wie die Nutzung bisher gelaufen ist, deskriptiv auf einer Zeitachse.
Insights ist die Deutung dazu, was die Muster bedeuten, in verschiedene Phasen gegliedert. Journey zeigt, Insights erklärt. Teil der Insights ist die klickbare Aufmerksamkeitskarte, die die tägliche Aufmerksamkeitsspanne aufdeckt und sichtbar macht, wann und wie lange die Aufmerksamkeit zersplittert.
App
Designentscheidung
Das Konzept setzt auf minimale Friktion. Eine bewusste Handlung reicht, um die Verhaltensschleife zu brechen.
Will bleibt dabei immer ein freundlicher Begleiter, nahbar und erreichbar, nie ein Kontrollinstrument. Er verurteilt niemanden, auch nicht im Block, sondern zeigt höchstens Sorge. Weiche Farben und runde Formen tragen diesen Ton. Das ist keine Kosmetik, sondern folgt aus derselben Logik wie die Ressource: Wenn Willpower keine Note ist, darf auch der Charakter nicht strafen.
Visuelle Sprache
Die gestalterische Leitidee heißt Calm Awareness, eine visuelle Sprache, die Aufmerksamkeit sichtbar macht, ohne einschränkend zu wirken. Sie trägt drei Säulen.
Softness steht für runde Geometrie, organische Formen, großzügige Abstände und sanfte Interaktionen. Das macht die App nahbar statt streng.
Kontrast arbeitet mit hellen Flächen, klaren Fokuspunkten und wenig Ablenkung, sodass die Momente der Aufmerksamkeit hervortreten.
Will ist die meiste Zeit unsichtbar und erscheint nur in Momenten des Abdriftens. Er spiegelt den Aufmerksamkeitszustand und verändert sich mit ihm. Diese Zurückhaltung ist gestalterisch dieselbe Entscheidung wie im Ablauf, Will bleibt Signal statt Dauerpräsenz.
Die Farbpalette umfasst sechs Töne mit klaren Rollen, von Akzent- und Button-Farben über Hintergrund bis Text. Die Icons sind durchgehend flächig gefüllt, passend zum weichen, runden Grundton. Als Schrift dient Lato, eine klare, gut lesbare Sans Serif, gewählt für ein ruhiges und nahbares Leseerlebnis.