In der Bachelor-Arbeit im 7. Semester bearbeiten die Studierenden anhand eines frei wählbaren Themas ein Gestaltungsprojekt, in dem sie ihre erlernten Kenntnisse in Recherche, Konzept und Entwurf praktisch anwenden.
Das Onlinezugangsgesetz verpflichtete Bund, Länder und Kommunen seit 2017, Verwaltungsleistungen digital zugänglich zu machen. OZG 2.0 folgte 2024 mit verschärften strukturellen Anforderungen. Das Ergebnis: Laut dem Normenkontrollrat erfüllten 2023 lediglich fünf Prozent der erfassten Leistungen die gesetzlichen Mindestanforderungen. Das Problem ist kein technisches. Es ist ein gestalterisches.
AkDE ist der konzeptionelle Entwurf einer nutzerzentrierten nativen iOS-Applikation, die diesem Defizit mit einem lebenslagenorientierten Ansatz begegnet. Anstatt Verwaltungsleistungen entlang von Behördenlogiken zu strukturieren, bündelt AkDE alle zu einem Lebensereignis gehörenden Vorgänge in einem einzigen, schrittweise geführten Prozess. Notwendiges Wissen über zuständige Stellen, erforderliche Dokumente und Fristen wird kontextuell bereitgestellt, ohne dass Nutzende die föderale Verwaltungsarchitektur kennen müssen.
Methodische Grundlage ist eine systematische heuristische Evaluation von zehn digitalen Bürgerplattformen aus Deutschland sowie vier europäischen Vergleichsländern, durchgeführt auf Basis von Nielsens zehn Usability-Heuristiken. Die Analyse zeigt, dass erfolgreiche Systeme wie GOV.UK, Borger.dk oder Eesti.ee nicht durch überlegene Infrastruktur überzeugen, sondern durch konsequent nutzerorientierte Informationsarchitektur. Aus dem Vergleich wurden acht Designprinzipien abgeleitet, die sämtliche konzeptionellen Entscheidungen in AkDE fundieren.
Der konzeptionelle Rahmen folgt Jesse James Garretts Five Planes of User Experience. Garretts zentrale These, dass Entscheidungen auf unteren Ebenen alle darüberliegenden zwingend beeinflussen, beschreibt das Kernproblem des OZG-Ansatzes präzise: Weboberflächen wurden auf bestehenden Behördenprozessen errichtet, ohne die strategische Ebene grundlegend zu klären. AkDE dreht diese Logik um und beginnt mit der Frage, was Nutzende wollen, nicht mit der Frage, was Behörden anbieten.
Das Ergebnis ist ein lauffähiger iOS-Prototyp in Swift und SwiftUI mit vollständig modellierten Verwaltungsvorgängen. Er demonstriert die Umsetzbarkeit der zentralen Konzepte: eine lebenslagenbasierte Informationsarchitektur, BundID als einheitliches Authentifizierungssystem gemäß OZG 2.0, das Once-Only-Prinzip sowie konsequente Prozesstransparenz.
Bachelor, Maxime Alexandre Beck, Digital Product Design & Development, Sommersemester 2026, Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd.
Betreut durch Prof. David Oswald und Prof. Gerhard Buurmann.