Inhalt des Kurses
Bachelorarbeiten Internet der Dinge
In der Bachelor-Arbeit im 7. Semester bearbeiten die Studierenden anhand eines frei wählbaren Themas ein Gestaltungsprojekt, in dem sie ihre erlernten Kenntnisse in Recherche, Konzept und Entwurf praktisch anwenden.
Internet der Dinge
Semesterjahr BetreuungProf. Hartmut Bohnacker, Mark Meyer
Printflow
Wenn Drucken nicht einfach Drucken ist
Ein fertiges Printprodukt wirkt selbstverständlich. Eine Broschüre liegt auf dem Tisch, ein Etikett klebt auf einer Verpackung, ein Buch kommt sauber gebunden aus der Produktion. Von außen sieht es oft so aus, als müsse man nur eine Datei abgeben und auf „Drucken“ klicken.
In Wirklichkeit beginnt dann erst ein komplexer Ablauf.
Bevor ein Auftrag fertig ausgeliefert werden kann, wandert er durch viele Stationen: Datenprüfung, Druckvorstufe, Plattenherstellung, Druck, Weiterverarbeitung, Verpackung und Versand. Jede Maschine hat eigene Anforderungen. Jede Verzögerung wirkt sich auf andere Aufträge aus. Papier muss verfügbar sein, Farben müssen passen, Termine müssen gehalten werden und manchmal entscheidet eine kleine Erfahrung aus dem Alltag darüber, ob ein Auftrag reibungslos läuft oder die gesamte Planung ins Wanken gerät.
Genau an dieser Stelle setzt unser Projekt an.
Die unsichtbare Arbeit hinter der Planung
In vielen Druckereien wird Produktionsplanung nicht nur mit Software gemacht. Ein großer Teil passiert über Erfahrung, Gespräche, schnelle Einschätzungen und physische Plantafeln. Produktionsleiter:innen wissen oft intuitiv, welche Maschine für welchen Auftrag geeignet ist, welche Reihenfolge sinnvoll ist oder wo ein Engpass entstehen könnte.
Dieses Wissen ist wertvoll, aber schwer sichtbar. Es steckt in Köpfen, Routinen und jahrelanger Erfahrung. Für andere Abteilungen ist oft nicht sofort nachvollziehbar, warum ein Auftrag verschoben wurde, weshalb eine Maschine blockiert ist oder welche Information gerade fehlt.
Unser Projekt fragt deshalb:
Wie kann man dieses Erfahrungswissen digital unterstützen, ohne es zu ersetzen?
Ein digitales Cockpit für die Druckproduktion
Entstanden ist ein prototypisches Produktionsplanungs-Dashboard für designpress, eine mittelständische Offsetdruckerei. Die Anwendung überträgt die bisherige Produktionsplanung in eine digitale Umgebung und macht sichtbar, was im Alltag oft nur zwischen Menschen, Maschinen und Papierlisten vermittelt wird.
Im Zentrum steht eine Maschinenübersicht. Sie zeigt, welche Aufträge wann auf welchen Maschinen geplant sind, wo sich Arbeit staut und welche Termine kritisch werden. Statt einzelne Informationen aus verschiedenen Systemen, Mails oder Gesprächen zusammensuchen zu müssen, entsteht ein gemeinsamer Blick auf die Produktion.
Das Dashboard ist dabei nicht als abstraktes Management-Tool gedacht, sondern als Arbeitsoberfläche für den echten Produktionsalltag: klar, schnell erfassbar und nah an den bestehenden Abläufen.
Unterschiedliche Rollen, ein gemeinsames Bild
Eine Druckerei funktioniert nur, wenn viele Bereiche gut zusammenspielen. Deshalb zeigt das System nicht allen Nutzer:innen dieselbe Oberfläche, sondern bietet unterschiedliche Ansichten für unterschiedliche Aufgaben.
Die Produktionsleitung braucht den Überblick über Maschinen, Auslastung und Reihenfolgen. Die Druckvorstufe muss wissen, welche Daten fehlen oder welche Aufträge bereit für die Produktion sind. Das Projektmanagement braucht Informationen zu Fortschritt, Terminrisiken und Rückfragen. Die Logistik interessiert sich dafür, wann ein Auftrag fertig wird und versendet werden kann.
So wird aus einer einzelnen Plantafel ein digitales System, das mehrere Perspektiven verbindet. Jede Rolle bekommt genau die Informationen, die sie für ihre Entscheidungen braucht.
KI als Vorschlag, nicht als Entscheidung
Ein wichtiger Teil des Projekts ist die Frage, welche Rolle künstliche Intelligenz in einem solchen Arbeitsumfeld sinnvoll übernehmen kann. Unser Ansatz ist bewusst nicht: Die KI plant alles automatisch.
Stattdessen unterstützt die KI die Produktionsleitung mit Vorschlägen. Auf Basis von Auftragsdaten kann sie mögliche Maschinenbelegungen generieren, Reihenfolgen vergleichen und auf Risiken hinweisen. Die finale Entscheidung bleibt aber immer beim Menschen.
Dieses Prinzip nennt sich Human in the Loop. Die KI wird nicht zum Autopiloten, sondern zur Assistenz. Sie macht Optionen sichtbar, beschleunigt Einschätzungen und hilft dabei, komplexe Zusammenhänge früher zu erkennen. Die Erfahrung der Produktionsleitung wird dadurch nicht ersetzt, sondern besser nutzbar gemacht.
Was daran Designarbeit ist
Bei diesem Projekt ging es nicht nur darum, eine schöne Oberfläche zu gestalten. Die eigentliche Designaufgabe bestand darin, einen komplexen Arbeitsprozess zu verstehen und in eine verständliche digitale Struktur zu übersetzen.
Dafür mussten wir untersuchen, wie Aufträge durch die Produktion laufen, welche Informationen für welche Rolle wichtig sind, wo Missverständnisse entstehen und welche Entscheidungen im Alltag besonders kritisch sind. Aus diesen Erkenntnissen wurden Ansichten, Funktionen, Statuslogiken, Farben, Interaktionen und Prioritäten entwickelt.
Design bedeutet hier also nicht Dekoration. Design bedeutet Ordnung schaffen. Komplexität lesbar machen. Entscheidungen vorbereiten. Vertrauen in ein System ermöglichen. Und dafür sorgen, dass eine digitale Anwendung nicht gegen den Arbeitsalltag arbeitet, sondern ihn sinnvoll unterstützt.
Vom Bauchgefühl zur nachvollziehbaren Entscheidung
Der Prototyp zeigt, wie digitale Planung in einer Druckerei aussehen kann, wenn sie nicht nur Prozesse abbildet, sondern auch Erfahrungswissen respektiert. Das System macht sichtbar, was sonst oft verborgen bleibt: Abhängigkeiten, Engpässe, offene Fragen und mögliche nächste Schritte.
Dadurch entsteht mehr Transparenz zwischen den Abteilungen und mehr Sicherheit in der Planung. Die Produktionsleitung behält die Kontrolle, bekommt aber ein Werkzeug, das komplexe Entscheidungen unterstützt und besser erklärbar macht.
Unser Projekt versteht KI deshalb nicht als Ersatz für Menschen, sondern als Erweiterung eines bestehenden Wissensraums. Es geht nicht darum, die Druckproduktion vollständig zu automatisieren. Es geht darum, sie verständlicher, verlässlicher und anschlussfähiger zu machen.
Denn am Ende ist Drucken eben nicht einfach Drucken. Es ist ein Zusammenspiel aus Material, Maschinen, Menschen, Erfahrung und Entscheidungen. Unser Dashboard macht dieses Zusammenspiel sichtbar.
Yannick Schwab, Julien Offray, Franz Pfitzer
BetreuungProf. Hartmut Bohnacker, Mark Meyer
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