In der Bachelor-Arbeit im 7. Semester bearbeiten die Studierenden anhand eines frei wählbaren Themas ein Gestaltungsprojekt, in dem sie ihre erlernten Kenntnisse in Recherche, Konzept und Entwurf praktisch anwenden.
Die Bachelorarbeit „Interkulturelles Produktdesign - Kulturelle Identität und Bewusstsein in der Gestaltung” untersucht die zentrale Frage: Wie kann Gestaltung in interkulturellen Kontexten agieren? Ziel der Arbeit war es, theoretisch zu ergründen und praktisch zu überprüfen, wie Design als bewusstes Werkzeug eingesetzt werden kann, um kulturelle Bedeutungen zu transportieren, zu verstärken oder zu neutralisieren.
Im theoretischen Teil wurden zuerst verschiedene Kulturbegriffe (Multikulturalität, Interkulturalität, Transkulturalität) sowie Produktsprache und Produktsemantik analysiert. Diese Analyse zeigte: Produkte sind Träger von Bedeutungen, die je nach kulturellem Kontext unterschiedlich interpretiert werden können. Um diese Unterschiede in der Gestaltung zu berücksichtigen gibt es verschiedene Strategien, darunter globales, lokales und glokales Design. Am Ende der theoretischen Untersuchung wurden 3 Thesen aufgestellt: Gestaltung kann kulturelle Identität verstärken, durch globale Normen standardisieren oder globale Systeme an lokale Gegebenheiten anpassen.
Um die Thesen nun empirisch zu überprüfen, wurden verschiedene Produktgruppen analysiert und eine davon für weitere Untersuchungen ausgewählt. Die Wahl fiel auf Teegeschirr, da Tee ein globales Phänomen mit stark ausgeprägten lokalen Eigenheiten darstellt - ein perfektes glokales Beispiel. Sieben verschiedene Teekulturen wurden methodisch untersucht, darunter die chinesische, japanische, britische, argentinische, indische, türkische und marokkanische.
von links nach rechts: Chinesische Gaiwan; Japanische Chawan; Britische Teetasse; Argentinische Mati; Indische Kulhad; Türkisches Teeglas; Marokkanisches Teeglas
In der empirischen Untersuchung mit zehn Testpersonen wurden Gestaltungsparameter systematisch reduziert: Ausgehend von den originalen Teegefäßen wurden nacheinander Detailform, Dekor, Proportion und Material entfernt. Die Testpersonen ordneten die Gefäße kulturellen Kontexten zu und markierten, ab wann die kulturelle Erkennbarkeit verloren ging. Dabei zeigte sich: Form und Dekor sind zentrale Träger kultureller Bedeutung, während Material und Proportion vor allem für visuelle Kohärenz sorgen. Je nach Reihenfolge der Reduktion ging die kulturelle Lesbarkeit unterschiedlich schnell verloren.
Original Tassen
- Detailform
- Dekor/Ornamente
- Proportionen
- Material
Die Arbeit zeigt, dass Design als steuerbares Werkzeug in interkulturellen Kontexten eingesetzt werden kann. Durch die bewusste Manipulation von Gestaltungsparametern lässt sich kulturelle Identität gezielt verstärken, neutralisieren oder transformieren. Wir als Gestalter müssen bewusste darüber entscheiden, welche Parameter harmonisiert und welche als Träger kultureller Bedeutung bewahrt werden, um nicht nur funktionale, sondern auch kulturell sensible und identitätsstiftende Produkte zu schaffen.