In der Bachelor-Arbeit im 7. Semester bearbeiten die Studierenden anhand eines frei wählbaren Themas ein Gestaltungsprojekt, in dem sie ihre erlernten Kenntnisse in Recherche, Konzept und Entwurf praktisch anwenden.
Obacht ist eine digitale Anwendung für persönlichen Hochwasserschutz. Sie analysiert das Risiko der eigenen Adresse und erstellt passgenaue Maßnahmenpläne. So schützen sich Bürger:innen effektiv.
Hochwasser bedrohen weltweit immer mehr Menschen und stellen auch in Deutschland eine der schwerwiegendsten Naturkatastrophen dar. Da Hilfsorganisationen im Ernstfall nicht überall gleichzeitig sein können, wird die Eigenverantwortung der Bevölkerung immer entscheidender. Doch wie wird aus einer abstrakten Gefahr ein konkreter Handlungsplan?
Bestehende Risikokarten sind für Laien oft schwer auffindbar und technisch komplex gestaltet. Obacht setzt genau hier an: Die Anwendung übersetzt abstrakte Daten in eine personalisierte, verständliche und handlungsorientierte Erfahrung. Bürger:innen werden befähigt, ihr individuelles Risiko zu verstehen und durch maßgeschneiderte Vorsorgepläne aktiv zu werden.
Vom Risiko zur Vorsorge
Die Landing Page bietet einen niedrigschwelligen Einstieg in das Thema Hochwasserrisiken und macht die Bedrohung durch eine visuelle 3D Darstellung unmittelbar erfahrbar. Über die Eingabe der eigenen Adresse erhalten Nutzer:innen eine schnelle persönliche Risikoeinschätzung sowie jederzeit Zugriff auf kompakte Notfallinformationen. Darauf aufbauend führt der Schutzplan in drei klaren Schritten vom Verständnis des individuellen Risikos über die Planung geeigneter Schutzmaßnahmen bis hin zur Erstellung eines persönlichen Notfallplans und unterstützt Nutzer:innen so gezielt auf dem Weg zur aktiven Vorsorge.
Landing Page
Individuelle Risikoanalyse
Das Herzstück von Obacht ist die Verbindung aus präziser Datenanalyse und intuitiver Visualisierung. Nach Eingabe der eigenen Adresse erhalten Nutzer:innen eine unmittelbare Einschätzung ihres Starkregen und Flusshochwasserrisikos, die durch eine Human Scale Visualisierung greifbar gemacht wird, indem Wasserstände in Relation zu einer menschlichen Referenzfigur am Hausmodell gesetzt werden.
Risikoermittlung
Der Fragebogen: Ein digitaler Zwilling deines Zuhauses
Der digitale Zwilling des eigenen Zuhauses entsteht auf Grundlage eines interaktiven Fragebogens, in dem Nutzer:innen relevante Gebäudeeigenschaften wie Raumstruktur und Ausstattung erfassen. Alle Eingaben werden in Echtzeit in ein isometrisches 3D-Modell übertragen. Diese visuelle Übersetzung unterstützt das Verständnis komplexer Zusammenhänge und bildet die Basis für darauf aufbauende Handlungsempfehlungen.
Fragebogen
Prävention mit System: Der Maßnahmenplan
Obacht erstellt auf Basis der individuellen Wohnsituation einen maßgeschneiderten priorisierten Maßnahmenplan. Die Vorsorgemaßnahmen sind in bauliche, finanzielle und verhaltensbezogene Kategorien gegliedert. Klar gestaltete Icons informieren sofort über Kosten, Zeitaufwand und den Bedarf an Expert:innen, zum Beispiel für Rückstauklappen. Um die Motivation zur Umsetzung zu steigern, verdeutlichen kontextuelle Animationen am zuvor erstellten digitalen Zwilling des eigenes Zuhauses potenzielle Schäden, etwa eindringendes Wasser an der Tür, falls keine Vorsorge getroffen wird. So wird der Handlungsbedarf anschaulich und nachvollziehbar.
Maßnahmenplan
Verhaltenstipps: Sicher durch jede Phase des Hochwassers
Der Bereich „Verhaltenstipps“ unterstützt Nutzer:innen dabei, ihr Wissen in die Praxis zu übertragen. Anhand einer vertikalen Phasen-Navigation werden alle Schritte eines Hochwasserereignisses, von der ersten Warnung bis zur Nachbereitung, übersichtlich abgebildet. Fortschrittsanzeigen und Schnellzugriffe auf die jeweils relevante Phase machen die Informationen direkt anwendbar und ermöglichen es, die richtigen Handlungen gedanklich durchzuspielen, bevor der Ernstfall eintritt.
Verhaltenstips/ Quiz
Guerilla-Marketing: Der Pegel-Sticker
Um die Brücke in den physischen Raum zu schlagen, nutzt das Projekt den „Pegel-Sticker“. Diese Aufkleber markieren an Orten des städtischen Alltags historische Hochwasserstände und machen die sonst unsichtbare Gefahr physisch erfahrbar. Ein integrierter QR-Code führt Passant:innen direkt zur persönlichen Risikoanalyse in der App.
Technisches Konzept
Für die Entwicklung des funktionalen Prototyps wurde ein moderner Tech-Stack aus Next.js, TypeScript und SCSS genutzt. Die 3D-Inhalte wurden durch KI-gestützte Generierung und Optimierung in Blender erstellt. Zukünftig soll die statische Darstellung durch eine dynamische Echtzeit-Visualisierung mittels Three.js ersetzt werden, um eine freie Navigation im virtuellen Raum zu ermöglichen.