Ausgangslage
Künstliche Intelligenz wird zunehmend Teil kreativer Arbeitsprozesse. Sie automatisiert Aufgaben, generiert Ideen und beschleunigt Produktion. Gleichzeitig verändert sie jedoch auch, wie Designer:innen denken, reflektieren und Entscheidungen treffen. Die Ideendiversität in Gruppen, die KI-gestützt arbeiten, sinkt. Durch die detaillierte Ausarbeitung von Ideen durch KI bereits im ersten Entwurf kommt es zu einer frühen Fixierung und Schließung des Suchraums. Designer:innen werden zu Kurator:innen fremder Ideen, statt ihre persönliche Perspektive einbringen zu können.
Ziel
Diese Masterarbeit untersucht daher, wie KI im Design nicht nur zur Effizienzsteigerung eingesetzt werden kann, sondern gezielt zur Unterstützung von Reflexion, Interpretation und Bedeutungsentwicklung im Entwurfsprozess. So soll eine Perspektive auf die Mensch-KI-Interaktion erforscht werden, in der neue kognitive Bedürfnisse mit technischen Chancen vereint werden.
Forschungsansatz
Die Arbeit folgt einem Constructive-Design-Research-Ansatz und verbindet Theorie, empirische Beobachtung sowie die iterative Entwicklung elf funktionaler Prototypen. Sie dienen als Erkenntnisinstrumente, um neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI zu untersuchen. Im Zentrum stehen Interaktionen, die verschiedene Aspekte wie Irritation, Repräsentation und Handlungsmacht explorieren.
Praktisches Ergebnis: Kaleido
Als Zusammenschluss der praktischen Erkenntnisse und erforschten Mechaniken aller Prototypen wurden diese in Kaleido gebündelt. Als Overlay liegt es über der bestehenden Designumgebung und ermöglicht es, die tieferliegenden Bedeutungen hinter Artefakten, geführt durch reflexive KI-Fragen, zu erkunden.
Mit diesen externalisierten individuellen Bedeutungen können daraufhin in Zusammenarbeit mit KI neue Varianten generiert und der Suchraum weiter erkundet werden. Kaleido hat es dabei nicht zum Ziel, ausgestaltete Ergebnisse zu liefern, sondern Raum für Experimente und Gedankenanstöße zu bieten, der in der zunehmend KI-gestützten Arbeit immer mehr verloren geht.
Theoretisches Ergebnis
Neben Kaleido entwickelt die Arbeit konzeptionelle Modelle über unterschiedliche Aspekte der beobachteten Interaktion zwischen Mensch und KI, beispielsweise über die Rolle von Irritation und Repräsentation sowie über die Verschiebung von Handlungsmacht und weitere Dimensionen.
Schlussbetrachtung
Mit dem praktischen und theoretischen Ergebnis liefert die Arbeit ein erweitertes und strukturiertes Verständnis der Zusammenarbeit von Mensch und KI im Entwurfsprozess. Sie zeigt Dimensionen auf, entlang derer diese gestaltet werden können, sowie praktische Ansätze zu deren Anwendung. Damit ist sie als Aufschlag für weitere Forschung zu dem Thema und nicht als finale Problemlösung zu verstehen.