Bits und Atome:
Wenn sich Code in Materie verwandelt – und digitale Apps eine physische Form bekommen.
Aufgabe war es, ein Produkt zu entwickeln, das eine bestehende Smartphone-App in die physische Welt überträgt. Ziel war dabei, die zentrale Funktion und das Nutzererlebnis der gewählten App in einem greifbaren, interaktiven Objekt neu zu interpretieren.
Nemuri ist ein KI-gestützter Matratzentopper, der präventiv dabei hilft, krankheitsbedingte Notfälle in der Nacht zu vermeiden.
Durch einen Origami-Mechanismus, der sich auf- und abbewegen kann, sowie einen eigens entwickelten, stressarmen Sound können auch Personen geweckt werden, die aufgrund ihres Krankheitsbildes schwerer aufzuwecken sind.
Aufbau
Nemuri liegt unter dem üblichen Spannbetttuch und verfügt über eine integrierte Lautsprecherleiste zur Wiedergabe des Sounds. Der Interface-Knopf leuchtet durch das Spannbetttuch und dient als Ausschalter für den Alarm.
Ein Stretchband mit Klettverschluss sorgt für einen optimalen Halt auf der Matratze. Die Origami-Struktur ist im Oberkörperbereich platziert und simuliert eine Bewegung, die sich anfühlt, als würde eine andere Person einen rütteln und wecken.
Sensorik und Daten
Der im Matratzentopper integrierte Radarsensor misst direkt auf Herzhöhe der betroffenen Person die Herzfrequenz, die Herzratenvariabilität, die Atemfrequenz sowie die Herztöne. Diese Daten sind essenziell für die Funktion von Nemuri.
Nach dem Prinzip „je mehr relevante Daten, desto besser“ haben wir uns entschieden, zusätzlich weitere Sensordaten einzubeziehen. Dazu zählen beispielsweise CGM-Sensoren bei Diabetikerinnen und Diabetikern sowie Daten aus Smartwatches und anderen Wearables. Diese Informationen fließen ergänzend in das System ein und erweitern die Datengrundlage für die Auswertung.
System
Die dazugehörige App fungiert als Rechenzentrum des Systems. Hier werden alle Daten gesammelt und durch die integrierte Künstliche Intelligenz analysiert. Die KI erkennt Muster, bewertet Schwellenwerte und ordnet verschiedene Phasen ein.
Diese Auswertungen dienen als Grundlage, um zu entscheiden, ob und welche Handlung eingeleitet wird. Die Handlungen werden in verschiedenen Phasen eingeteilt.
Phasen
Phase 1:
In der ersten Phase wird versucht, die betroffene Person mithilfe von Sound und dem Origami-Mechanismus zu wecken.
Phase 2:
Falls die Person nicht aufwacht oder sich die gemessenen Werte weiter verschlechtern, wird die zweite Phase eingeleitet. Notfallkontakte werden benachrichtigt, und sowohl der Matratzentopper als auch der Sound werden in ihrer Intensität deutlich verstärkt.
Phase 3:
In der dritten Phase wird von einer lebensbedrohlichen Situation ausgegangen. Der Notarzt wird verständigt und relevante Daten werden vorab übermittelt. Gleichzeitig wird weiterhin versucht, die Notfallkontakte zu erreichen. Der Matratzentopper und das Soundsignal arbeiten in dieser Phase mit maximaler Intensität.
Mechanismus
Der in Nemuri verbaute Mechanismus arbeitet mit drei Seilzügen, die innerhalb des Toppers verlaufen und seitlich durch die Klettbänder nach unten geführt werden. Dort werden die drei Seile zu einem einzelnen Zug zusammengeführt, der anschließend von einem untersetztem Motor angetrieben wird.
Textil
Der Topper besteht aus mehreren Schichten. Die äußerste Schicht besteht aus Lycra bzw. Badeelastomer und fungiert als eine Art „Haut“ für den Topper.
Darunter befindet sich Waffelpiqué, das aufgrund seiner Materialeigenschaften besonders geeignet ist. Die Waffelstruktur ermöglicht eine elastische und punktuelle Dehnung, wenn sich das Filz-Origami im Inneren aufstellt.
Das Origami selbst ist aus gefrästem Filz gefertigt, da Filz hierfür ideale Eigenschaften besitzt: Er ist ausreichend formstabil, zugleich jedoch angenehm und nicht unbequem für die liegende Person.
Außerhalb der Origami-Struktur ist der Topper mit herkömmlichem Schaumstoff statt Filz gefüllt, um einen hohen Schlafkomfort zu gewährleisten.