Inhalt des Kurses
Dreidimensionale Grundlagen im medialen Raum
Interaktionsgestaltung
Semesterjahr BetreuungProf. Michael Schuster, Prof. Dr. Franklin Castro
The Opioid Epidemic Of The United States
Im Rahmen des Kurses „Dreidimensionale Grundlagen im medialen Raum“ bei Prof. Franklin Hernandez-Castro setzten wir uns mit der Gestaltung und Visualisierung komplexer Datensätze im digitalen Raum auseinander. Ziel des Kurses war es nicht, Daten lediglich technisch korrekt darzustellen, sondern durch visuelle und interaktive Gestaltung ein tieferes Verständnis beim Publikum zu erzeugen. Besonders wichtig war dabei einen Aha-Moment zu erzeugen. Einen Moment, in dem Betrachter:innen nicht nur Zahlen sehen, sondern Zusammenhänge begreifen und emotional mit dem Thema in Verbindung treten.
Ideenfindung
Für unser Hauptprojekt entschieden wir uns für die Opioid-Epidemie in den USA als zentrales Thema. Diese Wahl war sowohl inhaltlich als auch datenbezogen begründet. Einerseits handelt es sich um eine der gravierendsten Gesundheitskrisen der letzten Jahrzehnte mit tiefgreifenden sozialen, politischen und wirtschaftlichen Dimensionen. Andererseits stellt die Opioid-Krise ein Beispiel dar, bei dem große Mengen öffentlich zugänglicher Daten existieren, insbesondere über das Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Da in Europa strenge Datenschutzrichtlinien den freien Zugriff auf vergleichbare Gesundheitsdaten erschweren, war der US-Datensatz besonders geeignet für unser Vorhaben.

Während der Konzeptphase beschäftigten wir uns intensiv mit möglichen Darstellungsformen. In mehreren Runden fertigten wir Skizzen und Zeichnungen an, testeten unterschiedliche Metaphern und Bildideen und diskutierten deren Wirkung. Die Darstellung sollte nicht nur informieren, sondern auch erschüttern, und ein Gefühl der Dringlichkeit hervorrufen.
Darstellung
Unser Ziel war es, die Entwicklung der drogenbedingten Todesfälle von 1999 bis 2023 über alle 50 Bundesstaaten hinweg darzustellen. Dafür entschieden wir uns für eine interaktive Karte der USA als mit drei Ebenen:
Heat Map

Hier wird wird die Sterberate pro 100 000 dargestellt, also wieviel Menschen aus einer Gruppe von 100 000 Menschen an einem Drogentod stirbt, genauer gesagt an einer Überdosis mit Opioiden. Je höher die Zahl, desto roter der Bundesstaat. Es ist verblüffend wie hoch manche dieser Zahlen sind, wenn man sie vergleicht mit der Sterberate bei z.B. Auto-Unfällen.
Spike Map

Hier werden die absoluten jährlichen Zahlen der Drogentoten genommen, da die Sterberate manchmal wenig aussagekräftig ist, wenn z.B. ein Bundesstaat (z.B. Californien) sehr viele Einwohner hat, und die Massen an Drogentoten durch die schiere Anzahl der dort lebenden Menschen, nicht mehr heraussticht.
Word Cloud

Die Zahlen sind zwar schrecklich hoch und schockieren, aber es fehlt Kontext, um wirklich das Gefühl zu haben, weitreichend informiert zu werden. Das Konzept der Word Cloud fanden wir sehr interessant, und konnten schließlich eine Kombination aus kartografischer Datenvisualisierung und zusätzlicher kontextueller Ebene erstellen. Diese dritte Ebene ist eine weitere Karte der USA, beinhaltet aber eine Ansammlung zentraler Begriffe rund um das Thema Opioide wie z.B. Sucht, OxyContin, Naloxon, Big Pharma und Lobbyismus.
Die Word Cloud ist interaktiv gestaltet: Beim Anklicken eines Begriffs öffnete sich ein Fenster mit einem kurzen erklärenden Text. Dadurch konnten Nutzer:innen selbstständig tiefer in das Thema eintauchen und sowohl die medizinischen als auch die politischen und gesellschaftlichen Hintergründe der Krise verstehen.
Technische Umsetzung
Fazit
Rückblickend hat das Projekt gezeigt, wie wirkungsvoll Datenvisualisierung als Mittel der gesellschaftlichen Kommunikation sein kann. Durch die Kombination aus kartografischer Darstellung, zeitlicher Entwicklung und kontextueller Information gelang es uns, ein vielschichtiges Bild der Opioid-Epidemie zu vermitteln, das über reine Statistik hinausgeht. Die Visualisierung machte nicht nur das Ausmaß der Krise sichtbar, sondern eröffnete auch einen Raum für Reflexion über die Ursachen und Folgen dieser Entwicklung.
Besonders deutlich wurde für uns, dass Gestaltung nie neutral ist: Jede Entscheidung – von der Wahl der Darstellung über Farbgebung bis hin zur Interaktivität – beeinflusst, wie ein Thema wahrgenommen und interpretiert wird. In diesem Sinne war das Projekt nicht nur eine technische oder ästhetische Übung, sondern auch eine Auseinandersetzung mit Verantwortung in der visuellen Kommunikation.
Die Verbindung aus Heat Map, Spike Map und Word Cloud erwies sich als wirkungsvolles Mittel, um sowohl emotionale Betroffenheit als auch analytisches Verständnis zu fördern. Damit erfüllte das Projekt das zentrale Ziel des Kurses: Daten nicht nur darzustellen, sondern erfahrbar zu machen – und beim Publikum jenen Aha-Moment zu erzeugen, in dem aus Zahlen ein begreifbares gesellschaftliches Problem wird.
Prof. Michael Schuster, Prof. Dr. Franklin Castro
TagsCode Datenvisualisierung Gesellschaft Gesundheit Health Health care JavaScript Krankheit Medizin Sozial