Ein bestimmter Problemraum wird exploriert und eingegrenzt, für welchen anschließend Lösungen konzipiert und in einer digitalen Anwendung zusammengeführt werden.
Der Kursverlauf
Die Studierenden analysieren zunächst das Werteversprechen (Value Proposition) einer bereits existierenden digitalen Anwendung. Mithilfe von Recherchen versuchen sie, die adressierte Nutzendengruppe und ihre Bedürfnisse besser zu verstehen und zu dokumentieren. Basierend darauf erarbeiten sie ein selbstformuliertes Werteversprechen für eine neue Anwendung, die jene Nutzendenbedürfnisse neu priorisiert aufgreift.
Die Definition der Nutzendengruppe sowie das erarbeitete Werteversprechen werden im Semesterverlauf mit wachsenden Erkenntnissen stetig und iterativ angepasst.
Etwa zur Hälfte des Semesters begeben sich die Studierenden, parallel zu den laufenden Nachforschungen, in den Lösungsraum und erarbeiten Ideen für Produktfeatures, die bestimmte Nutzerbedürfnisse adressieren. Die vielversprechendsten Ideen werden evaluiert und in einer geordneten, gemeinsamen Informationsarchitektur zu einer Anwendung zusammengeführt.
Die Lernziele
Das Ziel besteht darin, grundlegende Methoden der menschenzentrierten Gestaltung digitaler Produkte zu vermitteln.
Qualitative und quantitative User-Research-Methodik,
Framing gesammelter Erkenntnisse, beispielsweise in Form von Personas, Competitor Maps oder Jobs to be Done.
Der Value Proposition Canvas als Werkzeug zur Dokumentation und Definition eines Funktionsumfangs sowie
Erstellung von groben und granularen User Flows zur Betrachtung und Bewertung aktueller und potenzieller Bedienhandlungen sowie
Ideationsmethodik zur kreativen Lösungsfindung.
Des Weiteren wird das Wissen der Studierenden rund um die Thematik des grafischen Interface-Designs erweitert. Dies soll es den Studierenden künftig erleichtern, die Wirkung ihrer Gestaltung auf Nutzende besser einzuschätzen, und ihnen ermöglichen, schnell auf visuelle und funktionale Gestaltungskonventionen zurückzugreifen.
Wer in Deutschland Medizin studieren will, kommt an hochschulstart nicht vorbei. Die Plattform entscheidet über Studienplätze in Humanmedizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie, eine Ausweichmöglichkeit gibt es nicht. Das Problem: Die Seite ist umständlich, unübersichtlich und schlecht strukturiert.
Genau das wollten wir im Rahmen von Application Design 1 angehen. Unser Ziel war kein neuer, frischer Look, sondern ein grundlegendes Neudenken der Funktionen und des gesamten Prozesses dahinter.
Status Quo
hochschulstart gliedert sich aktuell in zwei getrennte Bereiche mit jeweils eigener Oberfläche: eine textlastige Informationsseite und das separate Bewerbungsportal AntOn, eine tabellenartige Formularanwendung mit eigenem Login. Eine Fortschrittsanzeige oder visuelle Führung durch den mehrstufigen Prozess fehlt komplett.
Prozess
Zunächst wollten wir wissen, ob unser eigener Eindruck von der Plattform überhaupt repräsentativ ist. Dafür haben wir offene Interviews mit ehemaligen und aktuellen Nutzer:innen geführt und die Aussagen thematisch geclustert. Die emotionale Wucht der Antworten hat uns überrascht, viele beschrieben ihre Erfahrung mit der Plattform als reine Belastung.
Ergänzend haben wir eine Competitive Analysis erstellt und hochschulstart mit anderen Vergabe- und Orientierungsportalen verglichen. Dabei ist deutlich geworden, dass es kaum eine Plattform gibt, die beides gut kann, Orientierung und Bewerbung, hochschulstart am wenigsten von allen.
Aus den Interviews haben wir vier Personas entwickelt, die unterschiedliche Bewerbungssituationen abbilden. Louisa, eine Erstbewerberin für Humanmedizin, wurde unsere primäre Persona.
Ergänzend haben wir Usability-Tests mit Personen durchgeführt, die das Portal noch nie genutzt hatten, und dabei genau protokolliert, wo sie ins Stocken gerieten. Aus diesen Erkenntnissen ist unsere Value Proposition entstanden: ein prozessleitendes Assistenzsystem, das Nutzer:innen transparent und nachvollziehbar begleitet.
Wir haben den bestehenden Bewerbungsprozess Schritt für Schritt aufgezeichnet und daraus einen neuen User-Flow entwickelt, der Orientierung und Bewerbung sinnvoll miteinander verbindet. In einer gemeinsamen Design-Studio-Methode haben wir Lösungsideen skizziert und daraus digitale Wireframes gebaut.
Auf Basis unserer drei Design Principles: selbstbewusst, nahbar und unterstützend, haben wir ein eigenes Design System entwickelt und einen klickbaren Prototyp gebaut. Er deckt den gesamten Bewerbungsflow ab, von der Startseite über die Studiengangsuche bis zur digital unterschriebenen Bewerbung.
Orientierung und Bewerbung haben wir bewusst in zwei Farben unterteilt: Bewerbungs-Grün steht für Wachstum und ein starkes Fundament, Orientierungs-Lila nimmt der Findungsphase die behördliche Strenge. Als Schrift setzen wir auf Google Sans, klar lesbar und mit weichen Formen, ergänzt durch durchgehend abgerundete Ecken bei Buttons, Suchfeldern und Kacheln, die dem Interface eine einladende statt einschüchternde Wirkung geben. Auch unser Logo, ein Punktraster, dessen grüne Punkte einen aufsteigenden Pfeil formen, greift diesen Gedanken auf.
Ergebnis
Ein zweigeteiltes System aus Orientierungsportal und Bewerbungsportal, das durch klare Farbwelten, einen durchgehenden Fortschrittstracker und einen zentralen Dokumenten-Hub Struktur in einen bisher unübersichtlichen Prozess bringt. Statt eines behördlichen Formulars entsteht eine Plattform, die zeigt, wo man steht und was als Nächstes kommt.