Prof. Ulf Harr, Prof. Jens Döring, Prof. Marc Guntow
International Food
Die Installation International Food macht sichtbar, wie sich Gerichte verändern, wenn sie mit Menschen in ein neues Land wandern. Ausgangspunkt war eine interaktive Webseite. Für uns lag darin auch ein inhaltlicher Bezug: Das Projekt handelt von Übersetzung, von Rezepten und Kulturen, die sich beim Übergang in ein neues Land verändern. Genau diesen Gedanken der Übersetzung haben wir dann auch auf das Interface selbst angewendet, indem wir es vom digitalen in ein physisches Format überführt haben. Eine Webseite wird meist allein am Bildschirm bedient, eine Installation dagegen gemeinsam am Tisch, weshalb wir bewusst ein Format gesucht haben, das mehrere Personen gleichzeitig einbindet.
Idee
Im Zentrum steht der Vergleich zwischen dem Originalrezept eines Gerichts und seiner eingedeutschten, germanized Version. Uns interessierte dabei weniger das Rezept allein, sondern die Frage, was mit einem Gericht passiert, wenn es über Jahrzehnte hinweg in einer neuen Umgebung gekocht wird: Was bleibt erhalten, was verändert sich, und was sagt das über die Menschen aus, die es mitgebracht haben. Zahlen und Fakten zur jeweiligen Community in Deutschland sollten diesen kulturellen Kontext ergänzen, damit ein Gericht nicht nur als Essen, sondern als kleiner Ausschnitt von Migrationsgeschichte gelesen werden kann.
Von der Bildidee zum Layout
Bei der Gestaltung ging es uns darum, den Inhalt nicht zu überladen und trotzdem beide Seiten, das Persönliche und das Faktische, sichtbar zu machen. Deshalb haben wir zum Beispiel bewusst zwei unterschiedliche Schriftcharaktere kombiniert, eine wärmere Schrift für Gerichtnamen und eine nüchterne für Zahlen und Zutaten. Auch bei der Farbwahl stand im Vordergrund, dass die Installation an einen Tisch erinnert und trotzdem klar zwischen Inhalt und Bedienung unterscheidet. Diese Überlegungen haben wir konsequent von der Webseite in die physische Installation mitgenommen.
Von der Webseite zur physischen Installation
Die größte gedankliche Herausforderung war die Übersetzung selbst: Wie wird aus etwas, das für Maus und Bildschirm gedacht war, etwas, das man anfassen kann. Wir haben uns bewusst für Holz entschieden, weil es an einen Esstisch erinnert und einen warmen Gegenpol zur digitalen Projektion bildet. Dass Besucher die Installation über echte, spürbare Buttons bedienen statt über einen Touchscreen, war uns wichtig, damit das Erlebnis genauso greifbar wird wie das Thema selbst. Am Ende ging es uns weniger um die einzelne technische Lösung als darum, dass Inhalt, Gestaltung und Bedienung gemeinsam dieselbe Idee erzählen.