In manchen Abschlussarbeiten im 7. Semester setzen sich die Projektteams aus verschiedenen Studiengängen zusammen. Hier können die unterschiedlichen Kompetenzen und Gestaltungsschwerpunkte in der Projektarbeit optimal verzahnt werden.
Ein nutzerzentriertes Konzept zur Förderung der Sicherheit und Orientierung auf Fußwegen im urbanen Raum nach Einbruch der Dunkelheit
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Wie können Nutzer:innen auf nächtlichen Fußwegen so unterstützt werden, dass sie ihre Route bewusst wählen, orientiert bleiben und ihre Optionen kennen, ohne dass Ängste verstärkt oder falsche Sicherheit vermittelt wird?
Wer nachts zu Fuß unterwegs ist, kennt dieses Gefühl. Ein Weg wirkt plötzlich anders als am Tag. Vielleicht ist es die fehlende Beleuchtung, vielleicht die leere Straße, vielleicht einfach das Gefühl, dass gerade niemand da ist, der helfen könnte. Kriminalstatistiken sagen dazu oft wenig. Ein Ort kann statistisch völlig unauffällig sein und sich trotzdem bedrohlich anfühlen.
Objektive Sicherheit und subjektives Sicherheitsempfinden sind zwei verschiedene Dinge. Klassische Navigations-Apps berechnen die schnellste Route und blenden dabei komplett aus, wie sich ein Weg tatsächlich anfühlt. Wer nachts unsicher ist, bekommt trotzdem die kürzeste Strecke vorgeschlagen, egal ob sie durch eine dunkle Unterführung führt oder über eine belebte Hauptstraße. Diese Lücke zwischen gefühlter und tatsächlicher Sicherheit wächst sogar noch, je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt. Und sie betrifft nicht alle Menschen gleich. Manche Gruppen erleben nächtliche Wege deutlich unsicherer als andere.
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02 ZIELSETZUNG
Ziele
Ein Ziel von SONAR ist es, die Route selbst zu einer bewussten Entscheidung zu machen. Nutzer:innen sollen nachvollziehen können, warum ein Weg vorgeschlagen wird, statt nur eine Zahl präsentiert zu bekommen, der blind vertraut werden muss. Genauso wichtig ist, dass die App während des Gehens Orientierung gibt, ohne ständig Aufmerksamkeit zu fordern. Gerade nachts sollte der Blick auf die eigene Umgebung möglich bleiben, statt dauernd aufs Handy gerichtet zu sein.
Und für den seltenen Ernstfall soll Hilfe sofort greifbar sein, ohne dass die App im normalen Alltag aufdringlich wirkt. Eine App, die ständig warnt, würde genau das Gegenteil erreichen und Ängste eher verstärken als abbauen. Sicherheit soll sich nachvollziehen lassen und individuell einschätzbar sein.
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03 IDEE
Das Konzept
SONAR ist eine Navigations-App für Smartphone und Smartwatch, die Fußwege danach bewertet, wie sicher sie sich anfühlen, nicht nur danach, wie schnell sie zurückzulegen sind. Grundlage dafür ist der SONAR Score. Er berechnet aus mehreren Faktoren wie Beleuchtung, Einsehbarkeit und Belebtheit, wie sicher sich ein Weg voraussichtlich anfühlt, und macht daraus eine vergleichbare Bewertung für unterschiedliche Routen.
Auf dieser Grundlage schlägt SONAR nicht einen einzelnen Weg vor, sondern mehrere Optionen. Auf einen Blick wird sichtbar, welche Route am schnellsten ist, welche am sichersten wirkt und welche einen guten Mittelweg darstellt. Zu jeder Option gibt es eine kurze Begründung, sodass nachvollziehbar wird, worauf die Einschätzung beruht, und eine eigene Entscheidung möglich ist, welcher Weg gerade passt.
So soll aus einem ungewissen Gefühl eine informierte Entscheidung für einen konkreten Weg werden. Die Person bleibt dabei die ganze Zeit über handlungsfähig und Hilfe und Unterstützung einsatzbereit, wenn diese gebraucht wird.
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04 GRUNDLAGE
Recherche
Um SONAR auf ein solides Fundament zu stellen, wurde intensiv untersucht, was nächtliches Unsicherheitsgefühl eigentlich auslöst. Ein zentrales Ergebnis sticht dabei besonders heraus.
Unsicherheit entsteht bei Nacht selten durch tatsächliche Gefahr. Viel häufiger entsteht sie durch fehlende Information über die eigene Umgebung.
Wenn unklar ist, wie ein Weg aussieht, ob er beleuchtet ist oder ob dort andere Menschen unterwegs sind, entsteht ein Gefühl der Ungewissheit. Genau dieses Gefühl beeinflusst das Sicherheitsempfinden stärker als jede Kriminalstatistik es könnte. Schlechte Beleuchtung, unübersichtliche Wegführung und das Gefühl, ganz allein zu sein, wurden dabei immer wieder als die entscheidenden Faktoren genannt.
Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft die Wegwahl selbst. Nachts wird die Route oft unbewusst angepasst, mit kleinen Umwegen oder dem Teilen des eigenen Standorts mit vertrauten Personen. Dieses Verhalten zeigt, wie real das Unsicherheitsgefühl tatsächlich wirkt, auch wenn es sich nicht in Zahlen ausdrücken lässt. Für die Gestaltung von SONAR bedeutete das vor allem eines. Eine App darf bestehende Ängste nicht zusätzlich verstärken, sondern muss in erster Linie für Orientierung sorgen.
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05 ANFORDERUNGEN
Was SONAR leisten soll
Aus der Recherche und den Gesprächen mit Expert:innen haben sich vier zentrale Erkenntnisse ergeben.
Sicherheit nachvollziehbar machen
Eine einzelne Zahl schafft noch kein Vertrauen. Jede Einschätzung lässt sich deshalb auf konkrete, verständliche Faktoren zurückführen, sodass jede Empfehlung selbst beurteilt werden kann.
Beruhigen statt beunruhigen
Sprache, Farben und die gesamte Gestaltung sollen zu keinem Zeitpunkt alarmierend wirken. Stattdessen vermitteln sie durchgehend Ruhe, auch dann, wenn es um Sicherheit und mögliche Gefahren geht.
Auch unter Stress funktionieren
Bei Dunkelheit und in angespannten Situationen lässt sich nicht jedes Detail genau lesen. Zentrale Informationen sind deshalb so gestaltet, dass sie sich auch auf den ersten Blick oder fast ohne Hinschauen erfassen lassen, zum Beispiel über klare Kontraste oder haptisches Feedback.
Den Ernstfall mitdenken, ohne ihn in den Vordergrund zu stellen
Im seltenen Fall, dass wirklich Hilfe gebraucht wird, ist diese sofort verfügbar. Im normalen Alltag der App bleibt dieser Aspekt aber bewusst im Hintergrund, damit SONAR nicht zu einer ständigen Erinnerung an mögliche Gefahr wird.
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06 UMSETZUNG
Die Lösung
Umsetzung mit mehreren aufeinander abgestimmten Bausteinen.
Routenoptionen
Statt einer einzigen Route zeigt SONAR immer bis zu drei Möglichkeiten an.
Schnellste Route
Die schnellste Route orientiert sich an Zeit und Distanz.
Objektiv sicherste Route
Die objektiv sicherste Route bevorzugt gut beleuchtete und einsehbare Wege, auch wenn sie etwas länger dauert.
Empfohlene Route
Und die empfohlene Route ist ein durchdachter Kompromiss aus beidem.
Zu jeder Option gibt es eine kurze, verständliche Begründung, warum sie so bewertet wurde. So zeigt sich nicht nur eine Zahl, sondern auch, was dahintersteckt.
SONAR Score
Damit diese Bewertung überhaupt möglich ist, wird jede Route in kurze Abschnitte von etwa 30 Metern geteilt. Jeder Abschnitt wird anhand von sieben Faktoren bewertet. Beleuchtung fließt mit 20 Prozent ein, Einsehbarkeit, Wegetyp, die Nähe zu Safe Spaces und die Belebtheit des Ortes jeweils mit 15 Prozent. Die persönliche Wahrnehmung sowie Kriminalitätsdaten machen jeweils 10 Prozent aus.
Sieben Faktoren, gewichtet
20 % Beleuchtung
15 % Einsehbarkeit
15 % Wegetyp
15 % Nähe zu Safe Spaces
15 % Belebtheit des Ortes
10 % Persönliche Wahrnehmung
10 % Kriminalitätsdaten
Aus all diesen Werten entsteht am Ende ein Score, der die einzelnen Routen vergleichbar macht.
Blips entlang des Wegs
Auf der Karte markieren sogenannte Blips einzelne Orte entlang der Route. Das können Safe Spaces sein, offene Anlaufstellen, persönliche Vertrauensorte, Umgebungshinweise und Streckenhinweise. So entsteht schon vor dem Losgehen ein Gefühl dafür, was unterwegs zu erwarten ist.
Smartwatch als Begleiter
Über die Smartwatch läuft ein großer Teil der Navigation, ganz ohne Blick aufs Handy. Richtungswechsel werden über unterschiedliche Vibrationsmuster am Handgelenk spürbar. Zusätzlich gibt es ein beruhigendes, atemähnliches Vibrationsmuster, das automatisch startet, wenn eine erhöhte Anspannung erkannt wird.
Notkontakte aus dem eigenen Umfeld
Neben der Navigation lässt sich SONAR auch mit Freunden und Familie verbinden. Ausgewählte Personen können den eigenen Standort und die aktuelle Route in Echtzeit mitverfolgen, ganz ohne Anruf oder Nachricht. Über die Notkontakte lassen sich Vertrauenspersonen außerdem direkt kontaktieren, etwa um sich zu verabreden oder kurz Bescheid zu geben, dass der Heimweg gleich endet. So bleibt Verbindung bestehen, ohne dass jemand ständig aktiv mitdenken muss.
Funktionen für den Ernstfall
Notruf, ein stiller Alarm und ein lauter Alarm stehen jederzeit zur Verfügung, sowohl auf dem Handy als auch auf der Uhr. Diese Funktionen sind bewusst so platziert, dass sie im Alltag nicht im Vordergrund stehen, im Ernstfall aber sofort erreichbar sind.
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SONAR versteht sich dabei nicht als Ersatz für klassische Navigation und verspricht auch keine absolute Sicherheit. Sichtbar wird vor allem, was entlang eines Weges ohnehin vorhanden ist, und damit entsteht eine echte Wahl, anstatt Angst oder eine einzige vermeintlich richtige Antwort vorzugeben.