lela - Bildungsinitiative für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache
Thema
Dieses Projekt beschäftigt sich mit der Frage: Wie muss eine digitale und soziale Infrastruktur gestaltet sein, um unter Berücksichtigung der spezifischen Bedürfnisse von Eltern, Lehrkräften und Ehrenamtlichen die Bildungschancen von Kindern mit Deutsch als Zweitsprache (DaZ) durch niederschwellige und inklusive Angebote nachhaltig zu fördern?
Motivation der Arbeit
Die Motivation für diese Arbeit begründet sich in der anhaltenden Bildungsungerechtigkeit im deutschen Schulsystem, in dem mangelnde Deutschkenntnisse und sozioökonomische Hürden als Selektionsmechanismen wirken und die Chancengleichheit für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache stark einschränken. Ziel der Arbeit ist es, aufzuzeigen, wie eine nutzerInnenzentrierte Plattform konzipiert werden kann, die Zugangsbarrieren abbaut und die beteiligten AkteurInnen als tragfähiges soziales Netzwerk verbindet.
Stand der Forschung
Der aktuelle Stand der Forschung zeigt, dass das deutsche Schulsystem überwiegend einsprachig ausgerichtet ist und herkunftsabhängige Leistungsunterschiede bestehen. Obwohl Heterogenität die schulische Normalität darstellt, berücksichtigen bestehende Konzepte Lerngruppen mit mehrsprachigem Hintergrund bislang nur eingeschränkt. Hieraus ergibt sich ein Innovationspotenzial hinsichtlich einer ganzheitlichen, systemischen Unterstützung, die das familiäre und ehrenamtliche Umfeld aktiv in den Bildungsalltag einbindet.
Herangehensweise
Methodisch stützt sich die Arbeit auf ein qualitatives Forschungsdesign. Durch leitfadengestützte Interviews mit schulischen sowie familiären Akteur*innen und durch teilnehmende Beobachtungen im Unterricht wurden zentrale Herausforderungen identifiziert. In der anschließenden Konzeptionsphase wurden diese Erkenntnisse in interaktiven Workshops mittels generativer Entwurfsmethoden in konkrete Lösungsansätze überführt.
Gestaltungsansatz: die Bildungsplattform “lela”
Das zentrale Ergebnis ist der Entwurf der Plattform „lela“. Diese basiert auf einer kanalspezifischen Systemtrennung: Eine stark reduzierte, barrierefreie mobile Applikation adressiert gezielt Eltern mit Sprach- und Verständnisbarrieren, während eine webbasierte Anwendung Lehrkräfte durch kuratierte Methoden entlastet und Ehrenamtliche strukturiert mit den Familien vernetzt.
Die entwickelte Plattform versteht sich als strategische Intervention im Sinne eines holistischen Service-Design-Ansatzes. Der Fokus der vorliegenden Arbeit liegt auf der konzeptionellen Systemarchitektur und der Stakeholder-Vernetzung.
die lela App
Die mobile Applikation ist ausschließlich auf die Zielgruppe der Eltern zugeschnitten. Das Design-Paradigma lautet hier Reduktion, visuelle Führung und sprachliche Inklusion, um Ängste vor dem Bildungssystem abzubauen und Lehrkräfte und Eltern näher zusammenzubringen.
Onboarding & sprachliche Lokalisierung:
Der erste Berührungspunkt mit der App eliminiert sofort die primäre Zugangsbarriere. Nutzer*innen werden aufgefordert, ihre bevorzugte Sprache auszuwählen. Die Sprachauswahl ist visuell durch entsprechende Nationalflaggen sowie die Benennung der Sprache in der jeweiligen Landesschrift gestützt. Ein prominentes Audio-Icon neben jeder Option ermöglicht es, die Spracheingabe akustisch zu erfassen, was Personen mit funktionalem Analphabetismus den Einstieg ermöglicht.
Icon-basierte Hauptnavigation:
Der Startbildschirm der App verzichtet vollständig auf komplexe Menüstrukturen. Stattdessen gliedert sich die Navigation in drei große, abgerundete Interaktionsflächen. Die Bereiche „Gespräch mit Lehrkräften“, „Wissen rund um Lernen & Schulsystem“ und „Unterstützung finden“ werden durch großformatige, semantisch eindeutige Illustrationen repräsentiert. Auch hier ist jedem Navigationspunkt eine Vorlesefunktion (Audio-Icon) zugeordnet.
Bidirektionale Kommunikations-Intervention & Dolmetscherfunktion:
Das Herzstück für physische Begegnungen (z. B. am Elternsprechtag) bilden die digitalen Fragekarten. Das Interface ist vertikal gespiegelt aufgebaut: Die obere Hälfte zeigt den Text um 180 Grad gedreht, sodass das Smartphone zwischen Lehrkraft und Elternteil auf den Tisch gelegt werden kann und beide Parteien den Inhalt zeitgleich in ihrer jeweiligen Sprache (z. B. Deutsch und Türkisch) lesen können. Der Toggle in der Navigation Bar aktiviert eine integrierte Dolmetscherfunktion. Durch das Verschieben des Reglers wird die Echtzeit-Übersetzung für die jeweilige sprechende Person (Lehrkraft oder Elternteil) initiiert, sodass der direkte Dialog nahtlos und barrierefrei unterstützt wird.
die lela Website
Die lela Website gliedert sich in die Bereiche „Mitmachen“, „Verstehen“, „Für Fachkräfte“, und „Über uns“. Im Folgenden wird auf die ausgearbeiteten Teile und deren Funktionen eingegangen.
„Für Fachkräfte“:
Diese Seite fungiert als kuratierte, digitale Bibliothek und stellt den informationellen Kernbereich der Plattform für pädagogische Fachkräfte dar. Das primäre Designziel dieser Sektion besteht darin, die Recherche nach erprobten Lehrmaterialien, digitalen Werkzeugen und didaktischen Konzepten durch eine intuitive Informationsarchitektur signifikant zu beschleunigen und somit den administrativen Ressourceneinsatz im Schulalltag zu minimieren.
Für Ehrenamtliche, „Mitmachen“:
Die „Mitmachen“-Ansicht ist das Ehrenamtlichen-Rekrutierungs- und Aktivierungsmodul der Plattform. Das primäre Designziel dieser Sektion liegt in der Mobilisierung der Zivilgesellschaft. Die Informationsarchitektur ist darauf ausgelegt, die abstrakte Hürde des ehrenamtlichen Engagements durch Transparenz und emotionale Ansprache zu senken.