Wir machen ein Design Projekt. Mit allem, was dazu gehört: Nutzern, Workshops, Spezialisten, Testings, … Scheitern und Fehler machen zum schnellen Lernen willkommen. Studierende entwickeln Kommunikations-Produkte. Konsequent methodisch.
Im Rahmen des Kurses „Angewandte Gestaltung“ widmeten wir uns der Auseinandersetzung mit dem Oberthema Bürokratie in Deutschland. Kaum ein Bereich ist in seiner Komplexität, Intransparenz und Hürdenreichheit so symptomatisch für bürokratische Strukturen wie das deutsche System der Altersvorsorge. Insbesondere für junge Frauen im Alter von 18 bis 27 Jahren stellt dieses Feld eine signifikante Barriere dar. Die Notwendigkeit einer frühzeitigen Vorsorge prallt hier oft auf eine Realität aus Teilzeitarbeit, Gender Pay Gap und unbezahlter Care-Arbeit, was bei vielen Betroffenen zu einer „Paralyse durch Angst“ führt.
Unser Projekt begegnet dieser Herausforderung mit einer gestalterischen Intervention: Einem Tarot-Kartendeck zur finanziellen Selbstbestimmung.
Die Entscheidung für das Medium Tarot ist dabei mehr als ein ästhetischer Zeitgeist-Bezug. Tarot fungiert hier als analytisches Werkzeug zur Zukunftsgestaltung: Es übersetzt die abstrakten und oft einschüchternden bürokratischen Hürden in eine zugängliche, archetypische Bildsprache. Durch die bewusste Wahl dieser mystischen Symbolik schaffen wir eine psychologische Distanz zum trockenen Finanz-Jargon. Wir dekonstruieren die „Bürokratie der Vorsorge“, indem wir sie als beeinflussbares Drehbuch begreifen.
Das Ergebnis ist ein phygitales System, bestehend aus Karten, Booklet und digitaler App, das den Nutzerinnen ermöglicht, ihre persönliche Finanzbiografie spielerisch zu analysieren, Barrieren zu identifizieren und konkrete Lösungswege zu manifestieren. Unser Ziel ist es, die Schwellenangst vor der Bürokratie der Altersvorsorge durch Gestaltung zu minimieren und den Fokus von der lähmenden Angst hin zur aktiven, selbstbestimmten Strategie zu verschieben.