Der Kurs Invention Design beschäftigt sich mit aktuellen Technologien, analysiert ihre gesellschaftliche Relevanz und ermöglicht die Gestaltung innovativer Produkte.
In diesem Kurs geht es darum, neue Technologien zu erforschen, ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft zu untersuchen und kreative Lösungen zu entwickeln. Der Kurs bietet eine spannende Möglichkeit, Technologie, Gesellschaft und Nachhaltigkeit zu verbinden und die TeilnehmerInnen zu befähigen, die Herausforderungen unserer Zeit kreativ anzugehen.
sola. ist ein ganzheitliches Photovoltaik-Kit, das die Einstiegshürden für den Kauf einer PV-Anlage senkt und den Entscheidungsprozess radikal vereinfacht. Das System besteht aus drei aufeinander abgestimmten Komponenten:
Einem Testkit zur lokalen Messung der realen Licht- und Schattenverhältnisse auf dem eigenen Dach.
Einer App zur Auswertung dieser Daten, Simulation der Dachbelegung und Berechnung der Wirtschaftlichkeit.
Einem physischen Indikator in Form einer analogen Uhr, der Energiedaten unsichtbar in den Alltag integriert.
Das Projekt entstand aus der interdisziplinären Zusammenarbeit der Studiengänge Interaktionsgestaltung und Produktgestaltung an der HfG Schwäbisch Gmünd.
2. Problemraum & Zielsetzung
Wir haben den gesamten Lebenszyklus einer PV-Anlage analysiert und dabei ein wiederkehrendes Muster entdeckt: Chronische Intransparenz. Diese zeigt sich in zwei zentralen Phasen:
Vor dem Kauf gibt es bereits eine Entscheidungsblockade. Pauschale Online-Simulationen scheitern oft an lokalen Gegebenheiten wie dem Schattenwurf durch Bäume oder Nachbargebäude. Die Frage nach der tatsächlichen Rentabilität bleibt abstrakt und erzeugt Skepsis.
Nach dem Kauf verschiebt sich das Problem der Intransparenz. Energiedaten (Kilowattstunden, Ertrag, Speicherstand) bleiben für viele abstrakte Zahlen. Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Meist hat nur eine technikaffine Person im Haushalt die PV-App auf dem Smartphone. Der Rest der Familie bleibt von den Daten abgeschnitten. Die Folge ist, dass wertvoller Solarstrom oft unwissend ins Netz eingespeist wird, statt genutzt zu werden, wenn der Speicher voll ist.
Unser Ziel: Wir wollen abstrakte Kennzahlen in den realen Alltag übersetzen (z.B. “Wie viele Waschmaschinenladungen kann ich mit dem aktuellen Strom waschen?”). Durch das Testkit schaffen wir Vertrauen vor dem Kauf, durch die Indikator-Uhr schaffen wir Transparenz für die ganze Familie nach dem Kauf.
3. Konzept
Um den gesamten User Flow abzudecken, haben wir ein System entworfen, das aus Hardware, Software und einem “Calm Tech”-Objekt für den Wohnraum besteht.
Das sola. Testkit: Reale Daten statt Schätzungen
Anstatt das Potenzial eines Daches nur virtuell zu schätzen, bringt sola. die Messung direkt auf die Ziegel. Nutzer:innen erhalten das Testkit beispielsweise als Angebot ihres Energieversorgers.
Es besteht aus einem Mesh mehrerer kompakter Solar-Module. Anstatt das Dach umständlich von außen zu filmen, werden die Module (mittels spezieller Bau-Vakuum-Saugheber für sicheren Halt) auf dem Dach verteilt. Jedes Modul arbeitet völlig autark. Liegt nun ein Modul in der Sonne, während ein anderes im Schatten eines Baumes liegt, lassen sich durch den Datenabgleich dieser Knotenpunkte der genaue Schattenwurf und das reale PV-Potenzial des Daches präzise berechnen. Ein kleiner Hub, der einfach in die Steckdose im Haus gesteckt wird, sammelt die Daten und leitet sie per WLAN (im Konzept via Zigbee-Protokoll) an die App weiter. Wir setzen hier vor allem auf die emotionale Wirkung durch personalisierte, echte Live Daten.
Die sola. App: Verstehen statt Rechnen
Die App übersetzt die komplexen Datenströme in eine intuitive Sprache. Nach einem kurzen Onboarding mittels Kopplungscode fließen die Messdaten vom Dach direkt auf das Smartphone.
App Usecase
FOMO-Effekt (Fear Of Missing Out):
Das Dashboard zeigt täglich in echten Euro, was man heute an Stromkosten gespart hätte, läge die Anlage schon auf dem Dach.
Schattenverlauf & Planer:
Im Zeitraffer wird das Wandern des Schattens visualisiert. Im interaktiven Grid-System der App können Nutzer:innen ihre Module virtuell auf dem Dach platzieren; das System bewertet dabei die Effizienz der Positionen.
Wirtschaftlichkeit:
Basierend auf dem angegebenen Haushaltsverbrauch und den real gemessenen Sonnenstunden errechnet die App exakt die Amortisationszeit. Mit diesen fundierten Daten kann der Fachbetrieb später ein maßgeschneidertes PV-Angebot erstellen.
Der Indikator: Die erweiterte Wanduhr
Damit Energiedaten auch nach (oder bereits während) der Testphase für alle Haushaltsmitglieder greifbar bleiben, haben wir die sola. Uhr entwickelt. Sie orientiert sich am Calm Technology-Prinzip: Neutrale Farben (gebürstetes Aluminium, mattschwarzes Acrylglas) sorgen dafür, dass sie sich als ruhiges Einrichtungsobjekt nahtlos in den Wohnraum einfügt.
Sie visualisiert drei Datenebenen gleichzeitig, ohne ein digitales Display zu verwenden:
Nutzen im Alltag: Aus der sichtbaren Differenz zwischen den hellen (Ertrag) und dunklen (Verbrauch) Strahlen kann die Familie auf einen Blick erkennen, ob das Haus gerade autark ist oder teurer Strom aus dem Netz bezogen wird. Dazu kommt ein ambientes backlight, welches sich von unten nach oben “auffüllt” und dadurch den momentanen Akku-Stand zeigt.
4. Ausblick
sola. beweist, dass ansprechendes Design und nutzerzentrierte Interaktion entscheidend sind, um die Energiewende in die Haushalte zu tragen. In Zukunft ließe sich das System noch tiefer in Smart-Home-Umgebungen integrieren (z.B. automatisches Einschalten von Verbrauchern) und die Uhrenmechanik weiter miniaturisieren.