In der Bachelor-Arbeit im 7. Semester bearbeiten die Studierenden anhand eines frei wählbaren Themas ein Gestaltungsprojekt, in dem sie ihre erlernten Kenntnisse in Recherche, Konzept und Entwurf praktisch anwenden.
Gestalter:innen arbeiten zunehmend an komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen. Soziale, emotionale und kulturelle Kontexte, kollaborative Prozesse sowie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz prägen die Gestaltungspraxis.
Dabei erfordert Gestaltung ein Verständnis für Menschen, Situationen und Perspektiven. In einer zunehmend automatisierten Welt bleibt das, was sich nicht automatisieren lässt: das Menschliche. Die Empathie.
empath ist ein Bildungsformat, das Empathie gezielt als gestalterische Schlüsselkompetenz im Hochschulkontext verankert. Das Projekt basiert auf der wissenschaftlichen Forschung, dass Empathie erlern- und trainierbar ist. Diese Erkenntnis stützt sich auf das ReSource Project von Tania Singer, das drei zentrale Bereiche empathischer Fähigkeiten beschreibt: Präsenz, Perspektivübernahme und Affekt. Auf dieser Grundlage wurde ein modulares Lehrkonzept entwickelt, das Studierenden ermöglicht, Empathie nicht nur theoretisch zu verstehen, sondern praktisch zu erleben, zu reflektieren und langfristig in ihren Gestaltungsprozess zu integrieren.
Grundlage des Lehrkonzepts bilden erfahrungsorientierte empath Workshops, die neben den gestalterischen Grundlagen im ersten Semester des Gestaltungsstudiums eingesetzt werden können. In den Workshops erleben Student:innen Empathie durch konkrete Übungen, Perspektivwechsel und Reflexion. Die Workshops bilden den Erfahrungsraum, in dem empathisches Denken sichtbar und anwendbar wird.
Ergänzt werden die Workshops durch drei begleitende Medien.
Das empath Workbook dient als analoges Arbeitsmittel begleitend zu den Workshops. Es strukturiert Übungen, hält Erkenntnisse fest und fördert durch handschriftliche Reflexion eine bewusste Auseinandersetzung ohne digitale Ablenkung.
Der empath Coach ist ein KI-gestützter Empathie-Tutor, der Student:innen über die Workshops hinaus in Empathie fördert. Er arbeitet mit kurzen Impulsen, Reflexionsfragen und Dialogen, die an die Workshop-Inhalte anknüpfen. So unterstützt er den Transfer empathischer Denk- und Wahrnehmungsprozesse in andere Kontexte. Der Tutor ist konzeptionell als eigenständige Anwendung gedacht und wurde prototypisch mithilfe des Automatisierungstools n8n im Hochschulkontext aufgebaut und über Slack integriert. Perspektivisch können Lehrende Inhalte einpflegen und so empathische Lernprozesse begleiten.
Das identity journal ist ein eigenständiges Medium, dass den Reflexionsprozess der gestalterischen Identität im Gestaltungsstudium sichtbar macht. Kern sind skalierte Reflexionsfragen, die die persönliche und gestalterische Entwicklung sichtbar machen. Durch kontinuierliche Reflexion werden Selbstwahrnehmung, empathischer Umgang mit sich selbst und die eigene gestalterische Identität sichtbar. Rückblickend entsteht ein individuelles Dokument, das Lernprozesse, Unsicherheiten und Entwicklungsschritte festhält.
Gemeinsam bilden Workshops, Workbook, KI-Tutor und Journal ein ganzheitliches System. empath verbindet analoge und digitale Formate und fördert Empathie erfahrbar, reflektierend und nachhaltig – im Studium und darüber hinaus.