Wie macht man ein Design-Projekt in einem interdisziplinärem Team? Wie erlangt man schnell zu Erkenntnissen und Entwürfen im Lösungsraum? Ein Projekt zwischen Design-Sprint, Minimum Viable Product und User Research.
Lean Frameworks und Designmethoden.
Lernziel »Wir irren uns empor« (Harald Lesch). Analytische Herangehensweise und Erkenntnisgewinn aus (gescheiterten) Projekten. Mit einigen Leitplanken ist das Fehler-Machen erwünscht und dient dem Lernprozess! Nicht das Ergebnis steht im Vordergrund, sondern der Prozess.
Nema – Ein adaptives Therapiebegleitsystem für Parkinson.
Für Menschen mit Morbus Parkinson ist regelmäßiges Training ein entscheidender Bestandteil der Therapie. Doch zwischen den einzelnen Behandlungsterminen fehlt häufig die Möglichkeit, gezielt weiter zu trainieren. Übungen werden vergessen, Fortschritte bleiben schwer nachvollziehbar und Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten erhalten nur einen kleinen Einblick in den Alltag ihrer Patientinnen und Patienten.
Mit Nema wollten wir genau diese Lücke schließen.
Nema ist ein adaptives Therapiebegleitsystem, das Menschen mit Morbus Parkinson auch außerhalb der Therapie begleitet. Das System verbindet selbstständiges Training vor dem Smart TV mit einem eigens entwickelten Controller, einer KI-gestützten Auswertung und einem Dashboard für Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten. So entsteht eine kontinuierliche Verbindung zwischen dem Training zu Hause und der therapeutischen Betreuung.
Der persönliche Trainingsplan steht direkt nach dem Start zur Verfügung.
Jede Trainingseinheit beginnt mit einem persönlichen Trainingsplan. Nach dem Start wählen Nutzerinnen und Nutzer einen virtuellen Trainer, der sie durch die jeweilige Einheit begleitet. Unterschiedliche Trainer geben während des gesamten Trainings Orientierung und Motivation.
Persönliche Trainerwahl für ein vertrautes Training.
Anschließend werden die Übungen direkt vor dem Smart TV durchgeführt. Gesteuert wird das Training über einen oder zwei entwickelte Controller. Nema kombiniert dabei motorische Bewegungen mit kognitiven Aufgaben nach dem Prinzip des Dual Task Trainings. Während Bewegungen ausgeführt werden, müssen gleichzeitig Denkaufgaben gelöst, Entscheidungen getroffen oder Reize verarbeitet werden. So werden körperliche und kognitive Fähigkeiten gleichzeitig gefördert. Durch die Verbindung aus Bewegung, Interaktion und spielerischen Elementen entsteht ein Training, das sich leicht in den Alltag integrieren lässt und langfristig motivieren soll.
Motorische und kognitive Aufgaben werden im Dual Task Training miteinander kombiniert.
Die gezeigte Übung verdeutlicht das Prinzip des Dual Taskings. Während auf der Stelle gegangen wird, müssen gleichzeitig passende Wörter ausgewählt und der Button zum richtigen Zeitpunkt gedrückt werden. So werden Gehstabilität, Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit parallel trainiert.
Jede Trainingseinheit liefert wertvolle Informationen. Während des Trainings erfasst der Controller motorische Bewegungsdaten sowie Interaktionsdaten, beispielsweise das Drücken des Buttons oder dessen Bewegungen im Raum. Ergänzend zeichnet die Smart-TV-Anwendung kognitive Leistungsdaten auf, etwa Reaktionszeiten oder die Bearbeitung der einzelnen Aufgaben. Aus der Kombination dieser Informationen entsteht ein umfassendes Bild des individuellen Trainingsverlaufs. Die erfassten Daten werden anschließend mithilfe künstlicher Intelligenz analysiert, um persönliche Stärken und Schwächen zu erkennen. Auf Grundlage dieser Auswertung passt Nema das Trainingsprogramm regelmäßig an den aktuellen Leistungsstand an. Statt eines starren Übungsplans entwickelt sich das Training kontinuierlich weiter und unterstützt gezielt dort, wo der größte Förderbedarf besteht.
Reduzierte Interaktion für eine einfache Bedienung.
Therapie ist Teamarbeit.
Mit Nema endet die Therapie nicht nach einer einzelnen Trainingseinheit. Über ein Dashboard erhalten Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten Einblicke in den langfristigen Therapieverlauf ihrer Patientinnen und Patienten. Trainingsfortschritte, Auffälligkeiten und Entwicklungen werden übersichtlich dargestellt und ermöglichen es, die Therapie gezielt an den individuellen Leistungsstand anzupassen. Dadurch entsteht eine kontinuierliche Verbindung zwischen dem Training zu Hause und der therapeutischen Betreuung. Patientinnen und Patienten trainieren selbstständig in ihrem Alltag, während Therapeutinnen und Therapeuten den Fortschritt begleiten und auf Veränderungen reagieren können.
Bei der Entwicklung von Nema stand immer der Mensch im Mittelpunkt. Unser Ziel war es nicht, eine weitere Trainingsanwendung zu entwickeln, sondern ein Therapiebegleitsystem zu gestalten, das Sicherheit vermittelt, Motivation schafft und sich selbstverständlich in den Alltag integrieren lässt. Von der Form des Controllers über die Gestaltung der Benutzeroberfläche bis hin zum eigens entwickelten Soundkonzept wurde jede Entscheidung darauf ausgerichtet, Menschen mit Morbus Parkinson langfristig zu unterstützen. So entstand ein System, das Therapie nicht ersetzt, sondern sie sinnvoll erweitert und Patientinnen und Patienten sowie Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten dauerhaft miteinander verbindet.