In der Bachelor-Arbeit im 7. Semester bearbeiten die Studierenden anhand eines frei wählbaren Themas ein Gestaltungsprojekt, in dem sie ihre erlernten Kenntnisse in Recherche, Konzept und Entwurf praktisch anwenden.
AERIS – Zwischen Sicherheit und Akzeptanz Gestaltung einer Drohne zur Überwachung gefährdeter Infrastruktur
Kritische Infrastrukturen verlaufen oft dort, wo sie im Alltag kaum sichtbar sind: entlang von Stromtrassen, Bahnstrecken, Pipelines oder abgelegenen Versorgungswegen. Sie bilden die Grundlage unseres gesellschaftlichen Lebens, sind aber durch ihre räumliche Ausdehnung schwer dauerhaft zu kontrollieren. AERIS setzt genau hier an: nicht als militärisches Überwachungssystem, nicht als reine Inspektionsdrohne, sondern als ziviles Begleitsystem für gefährdete Infrastrukturen.
AERIS ist eine kompakte hybride Drohne, die zur luftgestützten Kontrolle und Lageerfassung eingesetzt werden kann. Das System verbindet den senkrechten Start und kontrollierten Schwebeflug eines Multicopters mit einer tragflächenunterstützten Form für den Vorwärtsflug. Dadurch kann AERIS sowohl einzelne Punkte gezielt untersuchen als auch längere Abschnitte einer Infrastruktur begleiten.
Die Einsatzlogik
AERIS ist für Situationen konzipiert, in denen bestehende Schutzsysteme an Grenzen stoßen. Stationäre Kameras erfassen nur feste Ausschnitte, Sensoren liefern häufig keine visuelle Einordnung und Kontrollfahrten sind zeit- und personalintensiv. AERIS ergänzt diese Systeme durch eine mobile Perspektive aus der Luft.
Ein Einsatz kann regelmäßig oder ereignisbezogen stattfinden. Bei einer Kontrollmission folgt AERIS einer festgelegten Route entlang einer Stromtrasse oder Bahnstrecke. Bei einer Störungsmeldung startet das System gezielt zu einem bestimmten Abschnitt, reduziert dort die Geschwindigkeit und erfasst die Situation aus mehreren Perspektiven.
Das Flugkonzept
Vier Rotoren ermöglichen den vertikalen Start, die Landung und das präzise Schweben vor einem Objekt. Die integrierten Tragflächen unterstützen den Vorwärtsflug und geben dem System eine klare, gerichtete Form. So entsteht ein Flugkörper, der nicht nur technisch funktioniert, sondern seine Aufgabe auch formal sichtbar macht.
Description
Die kompakte Größe erlaubt einen flexiblen Einsatz ohne aufwendige Startinfrastruktur. AERIS kann von einer mobilen Bodenstation gestartet werden und ist damit nicht an fest installierte Anlagen gebunden. Perspektivisch kann das System auch in eine stationäre Dockinglösung eingebunden werden, um regelmäßig wiederkehrende Missionen entlang gefährdeter Abschnitte zu ermöglichen.
Die Sensorik
AERIS ist als bewegliche Sensorplattform gedacht. Kameras können technische Anlagen, Leitungsverläufe oder auffällige Veränderungen im Umfeld erfassen. Die aufgenommenen Daten dienen nicht dazu, eigenständig Entscheidungen zu treffen, sondern unterstützen eine verantwortliche Einschätzung durch Leitstelle oder Einsatzpersonal.
Die Sensorik wird nicht als fremdes Bauteil an den Körper angehängt, sondern gestalterisch in die Form integriert. Dadurch bleibt die Funktion nachvollziehbar, ohne dass die Drohne durch eine dominante Kameraeinheit aggressiv oder bedrohlich wirkt.
Die Gestaltung
Ein zentraler Teil des Projektes ist die Frage, wie ein Überwachungssystem gestaltet werden kann, das Sicherheit vermittelt, ohne Angst auszulösen. Drohnen werden häufig mit militärischer Aufklärung, Kontrolle oder Angriffen verbunden. AERIS sucht deshalb bewusst nach einer zivilen Produktsprache.
Klare Flächen, kontrollierte Übergänge und die sichtbare Integration der Tragflächen erzeugen eine technische, aber nicht aggressive Erscheinung. Die Rotoren bleiben als funktionale Elemente erkennbar, werden jedoch in eine zusammenhängende Gesamtform eingebunden. Positionslichter, Kennzeichnung und eine reduzierte Farbgebung unterstützen die Orientierung und machen das System als ziviles Arbeitsgerät lesbar.
Prototyping und Umsetzung
Im Entwurfsprozess wurden unterschiedliche Flugkonzepte, Referenzsysteme und Formvarianten untersucht. Aus Skizzen, CAD-Modellen und technischen Versuchsaufbauten entstand ein 1:1-Designmodell sowie ein flugfähiger Funktionsprototyp. Der Prototyp diente dazu, Aufbau, Schwerpunkt, Rotoranordnung und erste Flugbewegungen praktisch zu überprüfen.
Die Entwicklung bewegte sich dabei bewusst zwischen technischer Machbarkeit und gestalterischer Wirkung. AERIS sollte nicht nur als Konzept visualisiert, sondern als physisches Objekt erfahrbar werden. Modellbau, 3D-Druck, Elektronikintegration und erste Flugtests wurden deshalb Teil der gestalterischen Untersuchung.
Die Anwendung
AERIS versteht sich als gestalterische Untersuchung eines zukünftigen Infrastruktur-Begleitsystems. Es zeigt, wie Produktgestaltung dazu beitragen kann, technische Sicherheit, funktionale Effizienz und gesellschaftliche Akzeptanz miteinander zu verbinden.