In der Bachelor-Arbeit im 7. Semester bearbeiten die Studierenden anhand eines frei wählbaren Themas ein Gestaltungsprojekt, in dem sie ihre erlernten Kenntnisse in Recherche, Konzept und Entwurf praktisch anwenden.
2025 zählte die DLRG mindestens 393 Ertrinkungstote in Deutschland, die meisten in Seen und Flüssen ohne Aufsicht. Dort sieht oft niemand, wenn jemand in Not gerät. Ertrinken ist leise: Wer Hilfe braucht, kann meistens nicht mehr rufen oder winken. Der Moment, in dem Hilfe noch etwas ändern kann, ist kurz, oft nur 20 bis 90 Sekunden. Genau in dieser Zeit ist an einem unbewachten Ufer selten jemand, der eingreifen kann.
AQUAGUARD setzt hier an. Das System überbrückt die Zeit zwischen dem Notfall und dem Eintreffen der Rettungskräfte. Es ersetzt die Rettung nicht, es verschafft ihr Zeit.
Wie das System hilft
AQUAGUARD besteht aus vier Teilen, die zu einer durchgehenden Kette zusammenarbeiten. Kameras am Ufer beobachten das Wasser und erkennen eine Notlage an Haltung und Bewegung, nicht am Gesicht. Erkennt das System eine Gefahr, meldet es sie an die Leitstelle und öffnet eine Station am Ufer. Von dort startet eine Drohne automatisch, fliegt auf direktem Weg zur gemeldeten Stelle und bringt eine Schwimmhilfe. Diese bläst sich noch in der Luft von selbst auf und fällt in Reichweite der Person. Von der Erkennung bis zur Schwimmhilfe vergehen höchstens 90 Sekunden. Die Leitstelle sieht den Einsatz live, alarmiert die Rettungskräfte und kann jederzeit eingreifen.
So läuft der Einsatz in zwei Spuren zugleich: Die Technik handelt sofort, und ein Mensch in der Leitstelle behält die Kontrolle.
Die Schwimmhilfe
Die Schwimmhilfe ist der Teil, der die Person erreicht, und sie ist für einen Menschen gestaltet, der nicht mehr gezielt greifen kann. Fünf in die Kontur eingeformte Öffnungen machen den Auftriebskörper aus jeder Richtung fassbar. Der Arm hakt ein, statt zupacken zu müssen, auch mit kalten und kraftlosen Händen.
Die Form entstand im Wechsel zwischen Simulation und Werkstatt. Zwölf Zuschnitte wurden am Rechner aufgeblasen und verglichen, geschweißte Muster gingen ins Wasserbecken. Der Bau am echten Modell schob die Form weiter: zu dickeren Griffstegen, einem flacheren Körper und einer ruhigeren Lage im Wasser.
Die Drohne
Bei der Drohne entscheidet die Silhouette, wie sie gelesen wird: als Hilfe oder als Spielzeug und Überwachungsgerät. Ein Ring um die vorderen Rotoren, der Halo, gibt ihr eine eigene, wiedererkennbare Linie. Er trägt ein Lichtband, das wie bei einem autonomen Fahrzeug zeigt, was die Drohne als Nächstes tut. Die Kamera sitzt eingelassen im Körper statt frei darunter. Das nimmt der Technik das Harte und macht aus dem Fluggerät ein Objekt, das nach Aufgabe aussieht, nicht nach Beobachtung.
Gestaltung: Sicherheit ohne Überwachungsgefühl
Hinter allen Entscheidungen steht eine Haltung. AQUAGUARD soll nach Schutz aussehen, nicht nach Kontrolle. Das Signal-Orange, in der Seenotrettung die Farbe des Menschen in Not, bleibt den Stellen vorbehalten, auf die es ankommt: der Schwimmhilfe und der Unterseite der Drohne, die sie trägt. Weiche Formen, eingelassene Technik und ruhige Flächen nehmen dem System das Aggressive. Form übernimmt hier Aufgaben, die Technik allein nicht löst.