In der Bachelor-Arbeit im 7. Semester bearbeiten die Studierenden anhand eines frei wählbaren Themas ein Gestaltungsprojekt, in dem sie ihre erlernten Kenntnisse in Recherche, Konzept und Entwurf praktisch anwenden.
Zugang zu Athletiktraining für Nachwuchsathlet:innen und Trainer:innen im Leistungssport durch interaktive Technologie
In Deutschland fehlt es im Nachwuchsleistungssport oft an gebündeltem Wissen, an Personal und an einer engen Verbindung zwischen Trainingsalltag und wissenschaftlicher Expertise. Besonders betroffen ist die mittlere Kaderebene: Landeskaderathlet:innen erhalten selten die nötige Betreuung, wie sie etwa Olympiastützpunkte bieten, obwohl gerade in dieser Phase frühzeitige Unterstützung besonders wirkungsvoll wäre. Häufig hängt der Zugang zu qualifizierter Betreuung vom Wohnort und vom persönlichen Netzwerk der Heimtrainer:innen ab.
Genau hier setzt CO an, ein Konzept aus der Bachelorarbeit von Moritz Nussbaumer und Moritz Schneidawind an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd. Das Konzept begleitet Nachwuchsathlet:innen und ihre oft ehrenamtlichen Heimtrainer:innen durch das Athletiktraining und schafft eine gemeinsame, objektive Grundlage für Gespräch und Trainingsplanung, ohne die Trainer:in zu ersetzen.
Das System besteht aus drei Teilen: einem Dashboard für Trainer:innen, einer App für Athlet:innen und einem tragbaren Wearable namens COguide. Trainiert die Athletin eigenständig, filmt eine Handykamera am Stativ ihre Bewegung. Das System errechnet daraus ein 3D-Bewegungsmodell und vergleicht es mit dem Zielbild der Übung. Weicht die Ausführung erkennbar ab, etwa bei einer Kniebeuge, sendet das Wearable am Bein sofort ein spürbares Vibrationssignal. Nach dem Training zeigt ein Rückblick der Trainer:in, wie sich die Bewegungsqualität über mehrere Einheiten entwickelt. Ein sogenannter Severity-Score zwischen 0 und 100 Prozent macht diese Entwicklung auf einen Blick sichtbar.
Besonders daran ist die klare Rollenteilung: CO liefert Daten und schlägt die nächste Trainingsstufe vor, die Trainer:in entscheidet und ordnet ein. Die Technik ersetzt weder das Coaching noch bestehende Strukturen wie den Olympiastützpunkt. Stattdessen überbrückt sie einen Teil der Lücke zwischen den gemeinsamen Trainingsterminen.
Moritz Nussbaumer und Moritz Schneidawind entwickelten CO exemplarisch am Beispiel einer Nachwuchsathletin im 400-Meter-Hürdenlauf und ihres Heimtrainers. Grundlage bildet eine Feldforschung mit Nachwuchsathlet:innen, einem Olympiastützpunkt und weiteren Expert:innen aus Sportwissenschaft und Produktentwicklung. Der aktuelle Prototyp zeigt einen Ausschnitt aus einer größeren Vision: einer digitalen Plattform, die Trainingsressourcen im Leistungssport zugänglicher macht, unabhängig von Wohnort und persönlichem Netzwerk.