In der Bachelor-Arbeit im 7. Semester bearbeiten die Studierenden anhand eines frei wählbaren Themas ein Gestaltungsprojekt, in dem sie ihre erlernten Kenntnisse in Recherche, Konzept und Entwurf praktisch anwenden.
Prof. Gerhard Reichert, Prof. Dr. habil. Jürgen Held
MYCA - Raumkliederung auf Basis Mycels
Temporäre Räume wie Messestände, Ausstellungen oder offene Arbeitsbereiche werden häufig nur für kurze Zeit genutzt. Dennoch bestehen sie meist aus Materialien, die aufwendig hergestellt werden und nach wenigen Einsätzen ersetzt werden müssen. Gleichzeitig steigt der Anspruch an Akustik, Flexibilität und Wiederverwendbarkeit.
MYCA untersucht, wie ein biobasiertes Material sinnvoll in ein modulares Raumgliederungssystem integriert werden kann. Im Mittelpunkt steht dabei Myzel, das Wurzelgeflecht von Pilzen. Wächst Myzel durch pflanzliche Reststoffe wie Hanf oder Holzfasern, entsteht ein leichter Verbundwerkstoff mit schallabsorbierenden Eigenschaften und einer einzigartigen Oberflächenstruktur.
Die Materialversuche zeigten jedoch schnell, dass Myzel zwar großes Potenzial besitzt, als tragendes Bauteil aber an seine Grenzen stößt. Daraus entstand der zentrale Gedanke des Projekts: Nicht das Myzel trägt das System, sondern das System trägt das Myzel.
Das entwickelte System besteht aus Aluminiumprofilen, modularen Knotenpunkten und austauschbaren Platten. Die Profile bilden eine stabile Tragstruktur, während die Myzelplatten als geschützte Kassetten eingesetzt werden. Dadurch können einzelne Elemente jederzeit ausgetauscht oder durch andere Materialien ersetzt werden beispielsweise durch Acrylglas, Brandingflächen oder Ablagen.
Durch den modularen Aufbau lässt sich MYCA flexibel an unterschiedliche Anforderungen anpassen. Aus einzelnen Modulen entstehen Raumteiler, Messestände oder Ausstellungssysteme, die erweitert, verändert und wiederverwendet werden können. Das integrierte Raster ermöglicht zusätzlich die einfache Montage von Kommunikationsflächen und Präsentationselementen.
Die Anwendungsszenarien zeigen das Potenzial des Systems in unterschiedlichen Kontexten: als Messestand für wechselnde Markenauftritte, als flexibles Ausstellungssystem oder als akustisch wirksamer Raumteiler im Büro. Trotz verschiedener Nutzungen bleibt das konstruktive Prinzip immer gleich.