Ein bestimmter Problemraum wird exploriert und eingegrenzt, für welchen anschließend Lösungen konzipiert und in einer digitalen Anwendung zusammengeführt werden.
Der Kursverlauf
Die Studierenden analysieren zunächst das Werteversprechen (Value Proposition) einer bereits existierenden digitalen Anwendung. Mithilfe von Recherchen versuchen sie, die adressierte Nutzendengruppe und ihre Bedürfnisse besser zu verstehen und zu dokumentieren. Basierend darauf erarbeiten sie ein selbstformuliertes Werteversprechen für eine neue Anwendung, die jene Nutzendenbedürfnisse neu priorisiert aufgreift.
Die Definition der Nutzendengruppe sowie das erarbeitete Werteversprechen werden im Semesterverlauf mit wachsenden Erkenntnissen stetig und iterativ angepasst.
Etwa zur Hälfte des Semesters begeben sich die Studierenden, parallel zu den laufenden Nachforschungen, in den Lösungsraum und erarbeiten Ideen für Produktfeatures, die bestimmte Nutzerbedürfnisse adressieren. Die vielversprechendsten Ideen werden evaluiert und in einer geordneten, gemeinsamen Informationsarchitektur zu einer Anwendung zusammengeführt.
Die Lernziele
Das Ziel besteht darin, grundlegende Methoden der menschenzentrierten Gestaltung digitaler Produkte zu vermitteln.
Qualitative und quantitative User-Research-Methodik,
Framing gesammelter Erkenntnisse, beispielsweise in Form von Personas, Competitor Maps oder Jobs to be Done.
Der Value Proposition Canvas als Werkzeug zur Dokumentation und Definition eines Funktionsumfangs sowie
Erstellung von groben und granularen User Flows zur Betrachtung und Bewertung aktueller und potenzieller Bedienhandlungen sowie
Ideationsmethodik zur kreativen Lösungsfindung.
Des Weiteren wird das Wissen der Studierenden rund um die Thematik des grafischen Interface-Designs erweitert. Dies soll es den Studierenden künftig erleichtern, die Wirkung ihrer Gestaltung auf Nutzende besser einzuschätzen, und ihnen ermöglichen, schnell auf visuelle und funktionale Gestaltungskonventionen zurückzugreifen.
Rapido ist ein familiengeführter Hersteller hochwertiger Reisemobile mit über 65 Jahren Erfahrung. Die Marke steht für Qualität, handwerklichen Innenausbau und individuelle Reisefreiheit.
Die Analyse der bestehenden Website zeigte jedoch deutliche Schwächen: Inhalte wirken überladen und unübersichtlich, Modelle sind schwer vergleichbar, und der Weg von Information zu Konfiguration und Kauf ist unklar. Zudem werden das Reisegefühl sowie Preise, Optionen und nächste Schritte (z. B. Händler oder Probefahrt) nur unzureichend vermittelt.
Dies bildete im Rahmen des Moduls Application Design die Grundlage für unser Redesign. Ziel war es, eine klare, intuitive und emotional zugängliche Website zu entwickeln, die Rapidos Werte verständlich erlebbar macht.
Neue Value Proposition
Freiheit erleben mit einem individuellen und hochwertigen Reisemobil.
How might we…?
Wie schaffen wir mehr Transparenz für potenzielle Kund:innen?
Wie gelingt der Übergang von Online-Information zu Offline-Erlebnis?
Wie findet man das passende Modell für individuelle Bedürfnisse?
Wie lässt sich das Reisegefühl digital vermitteln?
Prozess
Zu Beginn haben wir die Websites anderer Wohnmobilmarken wie Knaus, Hymer, Carado, Bürstner und Carthago untersucht. Dabei haben wir geschaut, wie übersichtlich die Seiten sind, wie gut man Informationen findet und wie die Marken ihre Produkte präsentieren.
Die Analyse zeigte: Hochwertige Marken überzeugen vor allem durch klare Strukturen, während günstigere Anbieter einfacher aufgebaut sind, aber weniger Emotionen vermitteln. Rapido gehört bei den Produkten zum Premium-Segment, zeigt diesen Anspruch auf der Website jedoch nicht deutlich genug.
Zusätzlich haben wir Interviews mit Wohnmobil-Besitzer:innen und Kaufinteressierten geführt. Dabei wurde deutlich: Der Kauf eines Wohnmobils ist stark emotional bedingt, braucht aber klare und verlässliche Informationen. Nutzer:innen wünschen sich transparente Preise, einfache Vergleiche und eine gute Orientierung. Wichtig ist außerdem, dass sich das Wohnmobil wie ein Zuhause anfühlt. Der Wechsel von Online-Recherche zu Offline-Erlebnis, etwa beim Händler oder auf Messen, spielt dabei eine zentrale Rolle.
Auf Basis der Analyse haben wir uns die Benutzeroberflächen anderer Websites angesehen und untersucht, wie Themen wie Luxus, Freiheit, Autarkie, Emotion und Information gestalterisch umgesetzt werden. Aus diesen Beobachtungen haben wir zentrale Designprinzipien abgeleitet. Sie dienten uns während des gesamten Projekts als eine Art Regelwerk und halfen dabei, alle Designentscheidungen konsistent, nachvollziehbar und zielgerichtet zu treffen.
Designsystem
Für das Design haben wir uns bewusst für ruhige Erdtöne wie Braun und Beige entschieden. Sie wirken hochwertig, schaffen Qualität Vertrauen. Eine rot-orangene Akzentfarbe setzt gezielt Highlights.
Leicht abgerundete Ecken sorgen zusätzlich für ein hochwertiges Erscheinungsbild, was besser zu Rapido passt.
Prototyping
Wir haben mehrere Varianten entworfen und mithilfe von Modellen wie dem semantischen Differenzial analysiert, welche Komponenten wir beibehalten und welche wir verwerfen wollen.