In der Bachelor-Arbeit im 7. Semester bearbeiten die Studierenden anhand eines frei wählbaren Themas ein Gestaltungsprojekt, in dem sie ihre erlernten Kenntnisse in Recherche, Konzept und Entwurf praktisch anwenden.
Zwischen Leere und Bedeutung - Eine Interpretation japanischer Ästhetikprinzipien
Als Gestalter beschäftigen wir uns täglich mit Ästhetik und Wahrnehmung.
Hierbei stellt sich die Frage wie Ästhetiken in anderen Kulturen verstanden wird. Die Arbeit „Zwischen Leere und Bedeutung - Eine Interpretation japanischer Ästhetikprinzipien“
setzt sich mit der Frage auseinander, wie Ästhetik Wahrnehmung beeinflusst und wie Gestaltung
über das Sichtbare hinaus wirken kann **Was passiert es, wenn Gestaltung nicht durch mehr - sondern durch weniger Inhalt entsteht?**
Im Zentrum steht dabei das japanische Ästhetikprinzip Ma, das den bewussten Zwischenraum beschreibt
also Abstand, Pause und Leere zwischen Elementen. In der japanischen Ästhetik wird Leere nicht als Abwesenheit verstanden, sondern als aktiver Bestandteil von Bedeutung und Wirkung. Es geht vor allem darum eine emotionale Erfahrung zu erzeugen, die über rein funktionale Minialästhetik hinausgeht. Die Arbeit untersucht, wie diese Denkweise in einen westlichen Gestaltungskontext übersetzt werden kann, ohne japanische Gestaltung formal
zu imitieren.
Aus dieser theoretischen Auseinandersetzung entstand ein Workshopkonzept, das japanische Ästhetik nicht erklärt, sondern erfahrbar macht. Ziel ist es, Gestalter:innen zu zeigen, dass Gestaltung nicht nur durch Form
entsteht, sondern auch durch Raum, Rhythmus und bewusste Reduktion. Der Workshop richtet sich an Studierende
im Grundlagenstudium der Gestaltung und vermittelt Ma als Wahrnehmungs- und Denkhaltung. Durch Beobachtung, Kompositionsübungen und Reflexion lernen die Teilnehmenden, Leere bewusst als Gestaltungsmittel einzusetzen
und in ihren eigenen gestalterischen Prozess zu übertragen.
Die Umsetzung erfolgt über ein modulares Workshop-Toolkit, das aus einer hochwertigen Box mit drei Inlay-Boxen sowie einem Anwendungsheft besteht. Jede Box steht für eine Phase des Workshops: Einführung, Anwendung
und Interpretation und unterstützt die didaktische Struktur des Formats. Das Anwendungsheft dient als Leitfaden
für Durchführung, Hintergrundwissen und Übungen und verbindet Theorie und Praxis in einem eigenständigen Arbeitsdokument.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Gestaltung und Materialität. Verwendet wurde hochwertiges Gmund-Papier,
das durch seine Haptik und Qualität den Anspruch an Materialbewusstsein und Wertigkeit unterstützt.
Die Gestaltung ist bewusst reduziert gehalten, um Leere, Raum und Ruhe sichtbar und erfahrbar zu machen.
Japanische Ästhetik definiert sich über Haptik und Materialbewusst sein. Ein zentrales Gestaltungselement ist die Gravur, die sich durch alle Bestandteile des Projekts zieht von der Außenbox über die Inlay-Boxen bis hin zu Heft
und Verpackungselementen. Die Gravur arbeitet direkt mit dem Material, erzeugt Tiefe durch Licht und Schatten
und schafft eine zweite Wahrnehmungsebene, ohne zusätzliche Farbe oder visuelle Überladung. der Umgang mit speziell gewählter Papierqualität hat auch eine besondere Bedeutung.
Das Projekt verbindet Theorie, Gestaltung und Didaktik zu einem Format, das Ästhetik nicht nur zeigt, sondern erlebbar macht. Es versteht Gestaltung als bewussten Entscheidungsprozess und lädt dazu ein, Wahrnehmung, Material und Raum als aktive Bestandteile von Gestaltung neu zu denken.