Aufgabe war, einzelne Aufgaben eines Interfaces detailliert zu betrachten, neue Lösungen zu entwickeln und zu gestalten. »Design and build …« war dabei das Motto. Die Funktionen des Interfaces sollten also nicht nur konzeptionell erdacht und visuell gestaltet werden, sondern soweit wie möglich programmiert werden. Diese Herangehensweise führt die Studierenden näher an die Möglichkeiten und Begrenzungen einer Technologie heran und offenbart Denkfehler besonders deutlich.
Das Fokus in diesem Projekt lag nicht darin, ganze Konzepte für Applikationen oder Services zu entwickeln, sondern die Komplexität in “einfachen” Aufgaben zu erkunden und Interface-Lösungen dafür umzusetzen. Die Ausgangsfragen, die dieses Semester bearbeitet wurden, lauteten beispielsweise:
Wie können Farbvariationen bei Vektorgrafiken schnell erzeugt werden?
Wie muss ein ablenkungsfreies Schreibprogramm aussehen, das trotzdem Struktur erlaubt?
Wie kann Facetracking helfen, einen persönlichen Avatar zu erstellen?
Wie können häufig gebrauchte Programm-Aktionen schneller ausgeführt werden?
“Kein gutes Foto für Ihre Gaming-Kanäle oder Social-Media-Profile zur Hand? Ein einheitliches Erscheinungsbild auf all Ihren Kanälen zu erhalten, ist jetzt einfacher denn je. Wähle einfach dein Geschlecht, mache ein schnelles Selfie und passe die besonderen Merkmale deines Gesichts nach Belieben an. Anschließend kannst du deinen individuelles MiniMe ganz einfach herunterladen.”
Problemdefinition, Grundannahme & Idee
Bei der Themenfindung sollten wir uns darüber Gedanken machen, womit wir uns gerne einmal im Detail auseinandersetzen möchten. Wir sollten reflektieren, was wir eigentlich den ganzen Tag über tun, mit welchen Interfaces wir in Kontakt kommen & was uns aktuell daran stört.
Durch diese Überlegungen kamen wir auf das Thema der Erstellung eines Avatars. Uns fiel auf, dass sich die Ähnlichkeit zwischen dem erstellten Avatar & der Person bei beiden Ansätzen in Grenzen hält & sich die Avatare unterschiedlicher Menschen oft zum Verwechseln ähnlich sehen. Daraus entwickelte sich die Idee, Face Tracking zu nutzen & mit den getrackten Gesichtsmerkmalen einen Avatar zu erstellen. Die Grundannahme dabei war, dass dieser aufgrund der Erfassung & Verarbeitung echter Daten sowohl eine größere Ähnlichkeit zur Person aufweist, als auch einzigartig aussieht, selbst wenn keine weiteren Einstellungen vorgenommen werden.
Unser Ziel war die Entwicklung eines webbasierten Tools auf Basis von Face Tracking, mit dem ein Avatar erstellt werden kann, der einem durch die Verwendung von Echtdaten ähnlich sieht & gleichzeitig individuell ist.
Research
Als erstes verschafften wir uns einen Überblick über bestehende Tools, Anwendungen & Websites zur Erstellung von Avataren anhand eines Fotos. Im Einzelnen schauten wir uns den Prozess der Erstellung eines Avatars & die vorhandenen Konfigurationsmöglichkeiten an, um herauszufinden, was wir in unser Tool aufnehmen & was wir verbessern beziehungsweise anders lösen möchten.
Danach begannen wir mit der Suche nach & mit dem Testen von Face Tracking APIs. Voraussetzung war, dass diese nach Möglichkeit alle wichtigen Gesichtsmerkmale erfassen & sich einfach zu einem eigenständigen Tool weiterentwickeln lassen konnten.
Design & Build
Anders als bei anderen Projekten, ging es im Kurs System Design mehr darum, Ideen schnell durch selbst programmierte, funktionale Prototypen auszuprobieren & zu testen, als theoretische Konzepte aufzusetzen. Das Leitmotiv war dabei »Design and build …«, also ein ständiges Iterieren & Integrieren gewonnener Erkenntnisse, um sich schrittweise der finalen Lösung anzunähern. Nachfolgende Abbildungen zeigen beispielhaft Fragestellungen & Probleme auf dem Weg dahin.
Zuerst galt es, die erfassten Daten in eine Grafik zu übersetzen. In einem ersten Schritt verbanden wir die einzelnen Datenpunkte durch Linien & erstellten Shapes. Sehr schnell wurde uns klar, dass es mit dem einfachem Verbinden der getrackten Punkte nicht getan ist.
Ausgehend davon wollten wir zwei unterschiedliche Ansätze ausprobieren, die in der folgenden Abbildung kurz beschrieben werden.
Zuerst versuchten wir, das Gesicht auf einem Fotos mit so wenig Punkten wie möglich nachzubauen & so lange weitere Punkte hinzuzufügen, bis die Person erkennbar ist. Der zweite Ansatz bestand darin, ein Foto mit dem Zeichenstift-Werkzeug in Illustrator nachzuzeichnen & schrittweise Details weg zu lassen, bis die Person gerade so noch erkennbar ist.
Aufgrund dessen dass der verwendete clmTrackr keine Daten für Stirn & Haare erfasst, kombinierten wir die Vorteile von Face Tracking mit denen der Konfiguration. Wir verabschiedeten uns von dem Konzept, die erfassten Daten direkt zu visualisieren & wollten sie stattdessen für die exakte Positionierung & zur Bestimmung der Größe & Form der gemappten Illustrationen verwenden.
In Punkto Illustrationsstil verfolgten wir das Ziel, mittels einfach gehaltener Illustrationen eine möglichst große die Ähnlichkeit zwischen Avatar & Person zu erreichen. Dies sollte durch eine Auswahl an verschiedenen Merkmalsausprägungen gewährleistet werden. Gleichzeitig sollte ein stimmiges Gesamtbild entstehen. Die Abbildung unten zeigt eine Auswahl an getesteten Illustrationsstilen, aus denen wir en finalen Stil ableiteten.
Mit der Entscheidung, wie der Avatar illustriert werden soll, legten wir endgültig fest, welche Merkmale im User Interface konfigurierbar sein sollten. Daraus leiteten wir den Aufbau & Inhalt des Interfaces ab, sowie die dahinterstehende Logik.
Finaler Prototyp
Ausblick
Das Projekt stellt bis dato einen Prototypen dar, der beliebig weiterentwickelt werden könnte. Selbstverständlich decken die aktuell jeweils zwölf vorhandenen Merkmalsausprägungen nicht alle Eventualitäten ab & die Auswahlmöglichkeiten könnten um ein Vielfaches erweitert werden. Es wäre beispielsweise denkbar, dass eigene PNGs hochgeladen & verwendet werden könnten. Hierbei ist zu beachten, dass so das bisherige Gesamtbild eventuell nicht mehr einheitlich wäre. Ebenfalls denkbar wäre eine Verkürzung beziehungsweise eine Vereinfachung des Erstellungsprozesses, indem die Wahl des Geschlechts wegfällt. Momentan ist dieser Schritt elementar, da er bestimmt, welche Auswahl an Frisuren & ob Bärte geladen werden. Gäbe es jedoch eine Komponente, die anhand des Fotos automatisch das Geschlecht bestimmte, wäre die manuelle Eingabe nicht notwendig.