Die Studierenden lernen die elementare Darstellungsprinzipien, grundlegende Techniken der Programmierung und algorithmisches Denken kennen.
In zwei Kurzprojekten und kleinen Übungen probieren die Studierenden die systematischen Organisation von Zeichenbeziehungen in Fläche, Bewegung und interaktives Verhalten aus. Ziel ist es am Ende des Semesters Gestaltung als System zu erfahren und eigenständig erste einfache Regelwerke in eine Programmiersprache übersetzen zu können.
Für den finalen Algorithmus werden folgende Materialien benötigt:
Ein Blatt Papier im Format A2, ein Bleistift, ein Smartphone mit Zufallsgenerator, sieben Farbstifte in den Farben Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Magenta und Lila, ein Geodreieck sowie ein Lineal, dessen Länge mindestens von der oberen linken bis zur unteren rechten Ecke des Rechtecks reicht.
Schritt 1
Zunächst wird ein Rechteck im Format 16:9 (48 × 27 cm) mit einem Bleistift auf das Papier gezeichnet. Der Abstand zum Papierrand beträgt dabei links und rechts jeweils 5,7 cm sowie oben und unten jeweils 7,5 cm. Das Papier wird so ausgerichtet, dass eine der längeren Seiten waagerecht vor dem Betrachter liegt.
Schritt 2
Anschließend wird mithilfe eines Zufallsgenerators eine Zahl zwischen 40 und 80 ermittelt. Dieses Ergebnis wird kaufmännisch auf den nächsten 10er Schritt gerundet (z. B. 53° → 50°, 55° → 60°, 67° → 70°). Dieser Wert definiert den Startwinkel.
Schritt 3
Der Algorithmus beginnt in der oberen linken Ecke des Rechtecks. Der erste Strich wird entsprechend des Startwinkels zur linken Kante ausgerichtet und verläuft von dort aus ins Innere des Rechtecks in Richtung rechts.
Schritt 4
Jeder Strich wird so lange gezogen, bis er eine der Begrenzungskanten des Rechtecks berührt. Vom jeweiligen Auftreffpunkt aus startet der nächste Strich.
Der neue Winkel ergibt sich aus der Regel:
Letzter Winkel + 10° = Neuer Winkel.
Die Winkel werden dabei in einem festen Bereich von 40° bis 80° fortlaufend gezählt; nach 80° beginnt die Sequenz wieder bei 40°.
Der Winkel wird jeweils von der zuvor gezeichneten Linie aus in die Richtung gemessen, in der zwischen Linie und Begrenzungsrahmen der größere Winkel entsteht.
Trifft ein Strich senkrecht (90°) auf eine Kante, greift eine Sonderregel: Der Winkelzähler wird dennoch regulär um 10° erhöht, die Richtung des nächsten Strichs orientiert sich jedoch an der Bewegungsrichtung des vorletzten Strichs.
Der Algorithmus endet nach dem Zeichnen der fünfzehnten Linie.
Schritt 5
Die durch die Linien entstandenen Flächen werden anschließend systematisch ausgemalt. Dafür wird stets das jeweils größte noch unbemalte Feld ausgewählt und gemäß der nachfolgend beschriebenen Vorgehensweise als Nächstes bearbeitet. Dieser Vorgang wird wiederholt, bis alle Felder gefüllt sind.
Für die Farbgestaltung wird eine feste Reihenfolge verwendet: Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Magenta, Lila. Nach Lila beginnt die Reihenfolge erneut bei Rot.
Innerhalb jedes Feldes erfolgt die Ausgestaltung durch parallele Linien, die in einem konstanten Abstand von 0,5 cm zu den jeweiligen Feldkanten nach innen gezeichnet werden. Die Linien werden so lange fortgeführt, bis sie innerhalb des Feldes aufeinandertreffen bzw. sich schneiden und dadurch ein neues, kleineres Feld bilden. Ist aufgrund des festgelegten Abstands von 0,5 cm kein weiteres inneres Feld mehr möglich, wird dieses Feld nicht weiter ausgearbeitet.
Schritt 6
Nachdem alle Farbfelder vollständig ausgearbeitet wurden, werden die ursprünglich konstruierten Bleistiftlinien des Liniengerüsts sorgfältig mit einem Radiergummi entfernt. Da diese Linien ausschließlich als Konstruktionshilfe für den Algorithmus dienen, sind sie im fertigen Ergebnis nicht mehr erforderlich. Durch das Entfernen des Grundgerüsts bleiben ausschließlich die farbigen Flächen sichtbar, wodurch die Komposition eine klarere und ruhigere Gesamtwirkung erhält.