In der Bachelor-Arbeit im 7. Semester bearbeiten die Studierenden anhand eines frei wählbaren Themas ein Gestaltungsprojekt, in dem sie ihre erlernten Kenntnisse in Recherche, Konzept und Entwurf praktisch anwenden.
Prof. Dr. Susanne Schade, Prof. Dr. habil. Jürgen Held
LADURA - directionales Design im Klettersport
LADURA
kommuniziert die Griffform und Schwierigkeit auf jeder Höhe und ermöglicht Routenbauern:innen, diese durch seinen modularen Aufbau flexibel an die Zielgruppe anzupassen.
Klettergriffe sind seit jeher einteilige Objekte: Grifffläche und Befestigungskörper werden zusammen gefertigt, gemeinsam montiert und gemeinsam entsorgt. LADURA denkt dieses Prinzip neu.
Es trennt den Klettergriff in zwei unabhängige Komponenten: eine wandfeste Basis aus Schichtholz und eine austauschbare Grifffläche aus SandCore, ein natürlicher Kunststoff. Die Basis kann dauerhaft an der Wand bleiben, während die Grifffläche in Sekunden gewechselt werden kann. Zudem müssen nicht mehr hunderte verschiedener Griffe gelagert werden, es genügen wenige Basen in unterschiedlichen Größen und eine Auswahl an Griffflächen. Dieselbe Route lässt sich außerdem durch einen einfachen Griffflächen-Tausch in ihrer Schwierigkeit anpassen, ohne einen einzigen Griff von der Wand zu nehmen.
Ein weiterer Kernpunkt des Projekts liegt in der grafischen Kommunikation. LADURA ermöglicht das lesen der Griffform und Schwierigkeit auf jeder Höhe. Durch Umfragen und Beobachtungen im Hallenbetrieb während der Recherchephase wurde festgestellt, dass vier Punkte den Fortschritt beeinflussen konnten. Balance, Technik, Kraft und Sicherheit. Das Thema Sicherheit kann dabei als einziges in der Gestaltung der griffe so integriert werden, dass die Nutzung durch fortgeschrittene Athlet:innen nicht beeinflusst und dadurch für sie uninteressant wird.
Durch eine austauschbare Abdeckung mit eingravierter Grafik kann den Kletternden auf einen Blick kommuniziert werden, welche Griffform sie erwartet — unabhängig davon, ob sie direkt davor stehen oder vom Boden aus die Route planen. Gerade den Anfänger:innen, die den nächsten Zug noch lernen und oft zögern, nimmt dieses System die Unsicherheit vor dem Greifen.
Im Klettern trägt der Fuß idealerweise einen Großteil des Körpergewichts. Die Hände ziehen und stabilisieren nur. Ein gut gesetzter Tritt entlastet die Griffe direkt und beeinflusst damit, wie schwer sich ein Griff anfühlt und wie gut er zu halten ist. Tritte definieren die Körperposition des Kletternden. Wo der Fuß steht, bestimmt aus welchem Winkel und mit welcher Kraft der nächste Griff angegangen wird. Ein Griff der aus einer bestimmten Körperposition trivial ist, kann ohne den richtigen Tritt extrem schwer werden. Deshalb sind sie integraler Bestandteil eines vollständigen Sets. In der Gestaltung orientieren sie sich meist an einigen Elementen der größeren Griffe, werden jedoch durchaus mit kleineren Unterschieden gestaltet.