Projektthema
Der Kurs befasst sich mit der Gestaltung und Entwicklung einer interaktiven Anwendung,
die im Kontext von Ausstellungen, Museen oder Messen Wissensgebiete verständlich
erfahrbar macht.
Inhalt des Faches Ziel ist das Kennenlernen grundlegender Zusammenhänge im Bereich der Mensch-Computer-Interaktion und der Informationsgestaltung. Die Studenten befassen sich mit grundlegenden Interaktionsformen und medienspezifischen Gestaltungsproblemen, der Beziehung von Text, Bild und Animation sowie der protoypischem Umsetzung oder Simulation solcher Anwendungen.
Die Ausstellung übersetzt die Kunst der Kalligrafie in ein interaktives, digitales Erlebnis. Ziel ist es, Besucher*innen nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern sie aktiv in den Schreibprozess einzubinden und kulturelle Unterschiede unmittelbar erfahrbar zu machen.
Im Zentrum steht eine digitale Station mit großem, geneigtem Screen, der an einen klassischen Kalligrafentisch erinnert. Ausgestattet mit Kopfhörern und Stift werden die Nutzer*innen durch einen Audioguide Schritt für Schritt durch die Anwendung geführt. Die Erfahrung folgt einem linearen Storytelling: von Grundlagen über visuelle Beispiele bis hin zur eigenen praktischen Ausführung.
Nach einer Einführung in die Geschichte und kulturelle Vielfalt der Kalligrafie – mit Fokus auf europäische, chinesische und islamische Schrifttraditionen – wechseln die Besucher*innen von der betrachtenden Rolle in die aktive. In interaktiven Schreibübungen fahren sie Schriftzüge digital nach und erleben, wie sich unterschiedliche Werkzeuge, Materialien und Bewegungen auf Form und Ausdruck der Schrift auswirken. Jede Übung baut auf der vorherigen auf und kann wiederholt oder übersprungen werden, wodurch individuelles Erkunden möglich bleibt.
Die Umsetzung kombiniert bewusst analoge Anmutung mit digitaler Technik. Ein eigens entwickeltes Designsystem orientiert sich an Papieroptik, Tintenfarben und handwerklichen Materialien. Ergänzt wird dies durch eigens gestaltete Icons und 3D-Modelle klassischer Schreibwerkzeuge wie Qalam, Maobi und Feder, die digital rotierbar und visuell erfahrbar sind.
Technisch basiert die Anwendung auf einer interaktiven Website, umgesetzt mit JavaScript und React. Herzstück ist ein zeichenbares Canvas, das unterschiedliche Strichstärken simuliert und so den Charakter realer Kalligrafie andeutet. Ergänzt wird das Erlebnis durch Game Element, ein visuelles Matching-Game, das Gelerntes überprüft und vertieft.
Auch der physische Aufbau ist Teil der Inszenierung: Eine speziell angefertigte Bildschirmstütze, ein 3D-gedruckter Stifthalter und die reduzierte Stationsgestaltung lenken den Fokus vollständig auf das Schreiben selbst. Durch den Verzicht auf Papier und Tinte wird die Installation ausstellungstauglich, nachhaltig und dauerhaft nutzbar.
Die Ausstellung zeigt Kalligrafie nicht als statisches Kulturgut, sondern als lebendiges Zusammenspiel aus Bewegung, Material, Kultur und Bedeutung. Sie lädt dazu ein, Schrift neu zu betrachten – nicht nur als Informationsträger, sondern als gestaltende, kulturelle und emotionale Kraft.