In der Bachelor-Arbeit im 7. Semester bearbeiten die Studierenden anhand eines frei wählbaren Themas ein Gestaltungsprojekt, in dem sie ihre erlernten Kenntnisse in Recherche, Konzept und Entwurf praktisch anwenden.
Naturkundemuseen vermitteln Wissen über physische Exponate, deren Bedeutung sich oft erst durch Kontext, Prozesse und zeitliche Dimensionen erschließt. Gleichzeitig stehen sie vor der Herausforderung, unterschiedliche Besuchergruppen mit sehr verschiedenen Erwartungen und Vorkenntnissen anzusprechen. Das Projekt untersucht, wie ein immersiver, audiobasierter Medienguide diese Vermittlung erweitern kann, ohne den Ausstellungsraum zu überformen oder klassische Ausstellungselemente zu ersetzen.
Ausgangspunkt ist das Naturkundemuseum Schloss Rosenstein in Stuttgart. Entwickelt wurde ein mobiles System, das Besuchende über Kopfhörer kontextabhängig mit Informationen versorgt. Die Anwendung erkennt mithilfe von Beacons, in welchem Raum und in welcher Nähe zu einem Exponat sich eine Person befindet, und spielt darauf abgestimmte Audioinhalte aus. Dabei stehen nicht zusätzliche Textmengen im Vordergrund, sondern kurze, präzise Erklärungen, die sich an der Bewegung im Raum orientieren. Der Raum selbst wird so zum Interface.
Bluetooth Signal der Beacons im Raum der Evolution
Ergänzend zur Audiovermittlung kommt für ausgewählte Exponate Augmented Reality zum Einsatz. Über Bildmarker können digitale Ebenen eingeblendet werden, die Aspekte sichtbar machen, die am realen Objekt nicht zugänglich sind, etwa innere Strukturen oder wissenschaftliche Rekonstruktionen. Am Beispiel des Streifenkiwis wird ein Röntgenblick simuliert, bei dem das Skelett als abstrahiertes 3D-Modell erscheint. Die AR-Anwendung ist dabei bewusst reduziert gestaltet und versteht sich als visuelles Werkzeug, nicht als Effekt.
AR-Anwendung Streifenkiwi
Die technische Umsetzung basiert auf Unity, räumlicher Audio-Logik, Bluetooth-Zonen sowie KI-gestützter Sprachinteraktion. Besucherinnen und Besucher können Fragen stellen, die ausschließlich aus kuratierten Museumsinhalten beantwortet werden. Ziel ist ein System, das sich zurücknimmt, wo das Exponat für sich spricht, und dort ergänzt, wo Wissen sonst unsichtbar bleibt.
Projektvideo
Das Projekt versteht sich nicht als fertiges Produkt, sondern als konzeptioneller und prototypischer Beitrag zur Frage, wie digitale Technologien im Museum eingesetzt werden können, um Wahrnehmung zu vertiefen, ohne den Ausstellungsraum selbst in den Hintergrund zu drängen.