Die Studierenden lernen die elementare Darstellungsprinzipien, grundlegende Techniken der Programmierung und algorithmisches Denken kennen.
In zwei Kurzprojekten und kleinen Übungen probieren die Studierenden die systematischen Organisation von Zeichenbeziehungen in Fläche, Bewegung und interaktives Verhalten aus. Ziel ist es am Ende des Semesters Gestaltung als System zu erfahren und eigenständig erste einfache Regelwerke in eine Programmiersprache übersetzen zu können.
Im Kurs “Programmiertes Entwerfen” haben wir 3 verschiedene Ziffernblätter für eine Smartwatch entwickelt. Ausgangspunkt war ein fiktives Szenario: Ein Unternehmen entwickelt einen neuen Physics-Engine-Chip, der physikalisches Verhalten einfacher Formen simuliert und direkt mit den Bewegungssensoren der Uhr verknüpft werden kann.
Die Entwürfe sollen diese neuen technischen Möglichkeiten zeigen und austesten. Im Fokus steht dabei nicht die klassische Lesbarkeit der Uhrzeit, sondern ein gestufter Prozess von einer klar verständlichen Anzeige hin zu immer abstrakteren Darstellungen, die Zeit eher erfahrbar machen als sie genau anzuzeigen.
Unsere drei Watch Faces fassen wir unter dem gemeinsamen Titel „Our Visions of Time“ zusammen.
Ziel war es, Zeit nicht nur funktional darzustellen, sondern sie aus unterschiedlichen Perspektiven visuell und interaktiv erlebbar zu machen. Jedes Watch Face interpretiert Zeit auf eigene Weise: mechanisch über Zahnräder, spielerisch über bewegliche Formen oder anhand astronomischer Bewegungen von Sonne und Mond.
Trotz unterschiedlicher Konzepte verbindet alle Entwürfe ein Fokus auf Bewegung und Interaktion.
Designprozess
Die gezeigten Skizzen geben Einblick in diesen Prozess und zeigen, wie sich die Konzepte schrittweise zu den drei finalen Watch Faces entwickelt haben.
Turns of Time
Funktionsweise
Turns of Time stellt die Uhrzeit über eine sich kontinuierlich bewegende Perlenkette dar, die von drei Zahnrädern angetrieben wird.
Perlen mit Zahlen stehen für die Stunden, dazwischen befinden sich jeweils drei blaue Perlen, die die Viertelstunden repräsentieren. Jede Perle entspricht somit einem Zeitabschnitt von 15 Minuten.
Die aktuelle Uhrzeit kann abgelesen werden, indem die letzten vier sichtbaren Perlen betrachtet werden. Um die Lesbarkeit zu verbessern, wird dieser Bereich durch eine vergrößernde Anzeige hervorgehoben. Dieses Gestaltungselement, sowie die Zahnräder orientieren sich an der Datumslupe mechanischer Armbanduhren.
Zur besseren Orientierung hat die 12-Uhr-Perle eine Kontur. Nach zwölf Stunden beginnt der Kreislauf erneut.
Alle 15 Minuten fällt eine neue Perle entlang der Führung nach unten in den vergrößerten Bereich. Eine kleinere zweite Perlenkette visualisiert parallel die Sekunden und verdeutlicht das zugrunde liegende Prinzip. Die beiden Ketten bewegen sich in entgegengesetzte Richtungen, wodurch der Blick zur zentralen Anzeige geführt wird.
Fragments of Time
Funktionsweise
Fragments of Time setzt auf eine spielerische Interaktion mit der Zeitdarstellung.
Die Uhrzeit wird aus einzelnen Formen zusammengesetzt, die zunächst lose am unteren Rand ihrer Matrix liegen. Durch Schütteln der Smartwatch werden diese Formen mithilfe einer magnetischen Kraft an ihre vorgesehenen Positionen gezogen und bilden die aktuelle Uhrzeit.
Wird die Smartwatch erneut kräftig bewegt, lösen sich die Formen wieder. Bei jeder neuen Minute fallen die benötigten Formen herab, während die vorherigen Formen verschwinden. Dadurch entsteht ein fortlaufender Kreislauf aus Auflösung und Neuordnung der Zeitdarstellung.
Orbits of Time
Funktionsweise
Orbits of Time verbindet Zeitdarstellung mit astronomischen Informationen. Neben der aktuellen Uhrzeit werden auch die Position von Sonne und Mond sowie die aktuelle Mondphase angezeigt.
Die Darstellung basiert auf astronomischen Berechnungen und passt sich automatisch an Datum, Uhrzeit und Standort an. Mithilfe der integrierten Sensoren erkennt die Uhr ihre räumliche Ausrichtung, sodass sich die Darstellung dynamisch verändert und die Himmelskörper stets ihrer realen Position entsprechen.
Nach Sonnenuntergang wechselt das Watch Face automatisch in einen Nachtmodus mit angepasster Farbgebung.
Erkenntnis
Alle drei Watch Faces basieren auf derselben Grundlage – der Darstellung von Zeit – führen jedoch zu unterschiedlichen visuellen und interaktiven Ergebnissen. Das Projekt zeigt, wie vielseitig Zeit interpretiert und erlebbar gemacht werden kann.