Die Studierenden lernen die elementare Darstellungsprinzipien, grundlegende Techniken der Programmierung und algorithmisches Denken kennen.
In zwei Kurzprojekten und kleinen Übungen probieren die Studierenden die systematischen Organisation von Zeichenbeziehungen in Fläche, Bewegung und interaktives Verhalten aus. Ziel ist es am Ende des Semesters Gestaltung als System zu erfahren und eigenständig erste einfache Regelwerke in eine Programmiersprache übersetzen zu können.
Anhand eines fiktiven Szenarios sollten wir das gestalterische Potenzial einer neuen Smartwatch-Generation untersuchen und experimentelle Watchface-Prototypen entwickeln, die mithilfe energieeffizienter 2D-Simulationen Bewegung, Interaktion und Zeit neu erfahrbar machen.
Prozess
Zu Beginn des Prozesses haben wir uns mit der Ideenfindung beschäftigt und daraus drei Konzepte erarbeitet, die von gut lesbar bis sehr abstrakt variieren.
Watchface 1 - gut lesbar
Das Watchface basiert auf zwei zentralen Zuständen: der Uhrzeit und dem Datum.
Standardmäßig zeigt das Watchface die aktuelle Zeit an.
Schon im Ruhezustand arbeitet das Design mit einem klaren Farbkonzept: Vormittags leuchten die Partikel in einem warmen Rot, nachmittags und abends in einem kühlen Blau, während das Datum in einem eigenständigen Violett erscheint. Die Partikel selbst sind mehr als nur Gestaltungselemente — sie verkörpern Zeit als etwas Bewegliches und Wandelbares. Statt eine starre Information darzustellen, lässt das Watchface Zeit als etwas Dynamisches im Raum erscheinen.
Im Ausgangszustand ordnen sich die Partikel zu klar lesbaren Zahlen. Tippt der Nutzer auf den Bildschirm, löst sich diese Ordnung auf: Die Punkte werden kurzzeitig in Bewegung versetzt und verteilen sich frei im Frame.
Nach ein paar Sekunden sammeln sich die Partikel automatisch neu und formen diesmal das Datum. Ein erneuter Tap führt zurück zur Uhrzeit.
Insgesamt verbindet das Watchface Funktionalität mit Ästhetik: Es ist gut lesbar, reagiert unmittelbar auf Interaktion und macht Zeit gleichzeitig spürbar und erlebbar. Form, Bewegung und Farbe arbeiten zusammen, sodass die Smartwatch nicht nur als Werkzeug, sondern als kleines interaktives Design-Objekt am Handgelenk wahrgenommen wird.
Watchface 2 - mittel
Watchface 2 visualisiert Zeit als dynamisches System rotierender Kreise. Stunden-, Minuten- und Sekundenkreis bewegen sich um einen festen Mittelpunkt, der als Ruhepol dient, Orientierung bietet und die Lesbarkeit sicherstellt. Aus der Idee, Zeit in Beziehung zueinander darzustellen, entwickelte sich das Konzept einer elastischen Convex Hull. Diese umschließt die Zeitkreise, reagiert kontinuierlich auf ihre Bewegung und verbindet sie zu einer organisch wandelbaren Form.
Das Watchface verfügt über zwei Darstellungsmodi, zwischen denen der Nutzer durch Tippen wechseln kann. Beide Ansichten visualisieren den Sekundenverlauf auf unterschiedliche Weise und setzen ihn jeweils gezielt als zentrales Gestaltungselement ein:
In der ersten Ansicht fügt sich mit jeder Sekunde ein kleiner Sekundenkreis entlang eines Rings um die Uhr an. Nach 60 Sekunden schließt sich der Ring vollständig und wird mit Beginn der neuen Minute zurückgesetzt.
In der zweiten Ansicht erscheinen die kleinen Sekundenkreise zufällig innerhalb des Uhrradius. Sie interagieren durch Kollisionen sowohl mit den Zeitkreisen als auch mit der umschließenden Hülle und erzeugen ein lebendiges, unvorhersehbares Bewegungsmuster.
Gesamtbild
Durch seine harmonische, organische und interaktive Gestaltung lädt das Watchface zu einem bewussteren Erleben von Zeit ein.
Watchface 3 - abstrakt
Das Watchface 3 macht Zeit auf spielerische Weise zwischen Chaos und Ordnung erfahrbar. Es basiert auf drei zentralen Gestaltungselementen, die unterschiedliche Zeiteinheiten repräsentieren: Kleine, helle Kreise stehen für die Sekunden, mittelgroße, dunklere Kreise für die Minuten und dunkellilane Formen für die Stunden. Zur zusätzlichen Unterscheidung von AM und PM werden unterschiedliche Formen eingesetzt – Kreise für den Vormittag und abgerundete Vierecke für den Nachmittag und Abend. Dadurch ist die aktuelle Tageszeit auf einen Blick erkennbar und die abstrakte Darstellung bleibt dennoch intuitiv verständlich.
Zu Beginn sammeln sich alle Elemente in einem gemeinsamen Mittelpunkt. Durch eine Berührung des Bildschirms werden sie vom Zentrum abgestoßen, wodurch ein kurzer Explosionseffekt entsteht. Anschließend ordnen sich die Formen selbstständig neu: Sekunden oben, Minuten mittig, Stunden unten. Diese klare räumliche Struktur verbessert die Lesbarkeit trotz der reduzierten, abstrakten Gestaltung. Darüber hinaus lassen sich die einzelnen Elemente interaktiv bewegen; sie kollidieren miteinander und finden danach automatisch in ihre vorgesehenen Bereiche zurück. So wird der Nutzer aktiv in das Geschehen eingebunden und kann das Wechselspiel von Chaos und Ordnung unmittelbar beeinflussen.