In der Bachelor-Arbeit im 7. Semester bearbeiten die Studierenden anhand eines frei wählbaren Themas ein Gestaltungsprojekt, in dem sie ihre erlernten Kenntnisse in Recherche, Konzept und Entwurf praktisch anwenden.
Jeden Tag trifft ein Mensch unzählige Urteile. Die meisten davon entstehen automatisch, ohne dass er sie bemerkt. Ein Prozess, der so schnell abläuft, kann nicht jedes Mal präzise sein.
Er nimmt Abkürzungen, füllt Lücken und greift auf das zurück, was man schon kennt. Dabei entstehen systematische Verzerrungen, sogenannte Biases, die auch Auslöser und Verstärker diskriminierender Wahrnehmung sein können. Takes macht sichtbar, wie diese Verzerrungen innerhalb des Urteilsprozesses entstehen, und schafft damit eine Grundlage, die eigenen Urteile zu verstehen und bei sich selbst zu erkennen.
Das Projekt übersetzt kognitionspsychologische Vorgänge in eine Sprache und Form, die für Jugendliche zugänglich sind. Dabei geht es nicht darum, Vorurteile moralisch zu bewerten, sondern darum, den Mechanismus dahinter zu verstehen.
Das Ergebnis ist ein modulares Informationssystem in Form einer physischen Mappe. Die ersten beiden Booklets sind die Grundlage. Sie erklären den grundlegenden Mechanismus, um einen Urteilsprozess überhaupt zu verstehen. Erweiterungshefte vertiefen, wie diese Mechanismen in sozialen Begegnungen, im Medienkonsum und auf gesellschaftlicher Ebene wirken. Die Struktur ist dabei so angelegt, dass Lesende selbst entscheiden, wie sie einsteigen. Jedes Booklet verbindet drei Ebenen, eine Alltagssituation, die den Prozess erlebbar macht, eine Metapher-Ebene, die ihn erzählt, und eine Schemata-Ebene, die ihn strukturiert erklärt.
Take 01 behandelt die grundlegende Frage, wie ein Urteil überhaupt entsteht. Es erklärt die Mechanismen, hinter einem Urteilsprozess und erklärt, dass sie nötig sind um im Alltag handlungsfähig zu sein. Grundlage ist Kahnemans Dual-Process-Theorie mit System 1, System 2 und dem Assoziationsnetzwerk. Anhand verschiedener Alltagssituationen wird gezeigt, wodurch ein Urteilsprozess beeinflusst werden kann, etwa durch Überraschung, durch eine starke Emotion oder durch einen leeren Speicher.
Aufbauend auf dem Take 01 Booklet widmet sich dieses der Frage, auf welche Weise eine Verzerrung entsteht. Es führt einen Gedanken weiter, der im ersten Booklet bereits angelegt ist. Das Vorurteil ist kein Störfaktor der Wahrnehmung, sondern ihre Basis. Schon in dem, was wir überhaupt aufnehmen, steckt eine Auswahl, die unser Urteil formt, bevor es bewusst gefällt wird.
Dieses Booklet öffnet den Blick nach außen. Es geht darum, wie sich ein Urteil verändert, sobald andere Menschen ins Spiel kommen, sei es eine einzelne Person oder eine Gruppe.
Neun von zehn Jugendlichen nutzen täglich das Internet. Kaum ein anderer Einfluss prägt ihr Weltbild und damit ihre Urteile so stark wie digitale Medien. Dieses Booklet fragt, wie der eigene Medienkonsum das Weltbild formt, was einem gezeigt wird und wie es gezeigt wird.
Im letzten Booklet dreht sich die Perspektive. Es geht nicht mehr darum, wie ein Urteil entsteht oder verzerrt wird, sondern darum, was es anrichtet. Dieses Booklet stellt die Frage, wie aus vielen einzelnen verzerrten Urteilen strukturelle Benachteiligungen werden und was das für die Menschen bedeutet.
Bewohnerwelt
Um diese Prozesse greifbar zu machen, arbeitet Takes mit einer durchgängigen Metapher. Der Kopf wird zur Bühne, die Prozesse darin zu Bewohner:innen, die feste Rollen und Aufgaben übernehmen und gemeinsam ein Urteil produzieren. Abschalten lassen sich diese Prozesse nicht, sie sind Teil davon, wie menschliches Denken funktioniert. Aber wer sie kennt, nimmt die eigenen Urteile nicht mehr als selbstverständlich hin, sondern als etwas, das sich bemerken und hinterfragen lässt.