In der Bachelor-Arbeit im 7. Semester bearbeiten die Studierenden anhand eines frei wählbaren Themas ein Gestaltungsprojekt, in dem sie ihre erlernten Kenntnisse in Recherche, Konzept und Entwurf praktisch anwenden.
Dialog gestalten: Das Prinzip des Spielens in der Gestaltung von Dialogräumen zur aktiven Förderung von analoger Interaktionen bei der Generation Z
Dialog gestalten:
Das Prinzip des Spielens in der Gestaltung von Dialogräumen zur aktiven Förderung von analoger Interaktionen bei der Generation Z
Die fortschreitende Digitalisierung verändert das Kommunikationsverhalten junger Erwachsener tiefgreifend. Die Generation Z ist permanent vernetzt, leidet jedoch zunehmend unter digitaler Reizüberflutung, sozialem Druck durch optimierte Online-Profile und Phänomenen wie der „Fear of Missing Out“ (FOMO). Trotz dieser permanenten Konnektivität wächst die Sehnsucht nach echter, unverfälschter Nähe und analoger Resonanz. Genau hier setzt die Bachelorthesis von Annabelle Müller im Studiengang Kommunikationsgestaltung an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd an.
Mit dem innovativen analogen Gesellschaftsspiel „In a Pickle“ gestaltet das Projekt einen geschützten Kommunikationsraum – einen sogenannten „Magischen Zirkel“ –, der junge Menschen dazu einlädt, die Bildschirme bewusst auszuschalten und face-to-face miteinander zu interagieren. Der Clou: Bevor das Spiel beginnt, müssen alle Teilnehmenden ihre Smartphones in einer 70 Zentimeter langen Plüsch-Gurke („Emotional Support Pickle“) einschließen. Damit wird der Kommunikationskanal effektiv von digitalen Störungen befreit.
Das Spiel bricht mit klassischen Mustern von Leistungs- und Wissenshierarchien. Es geht nicht um Gewinnen oder Verlieren, sondern um gegenseitiges Verstehen und Empathie. Über ein visuell ansprechendes Spielbrett und einen integrierten Gurken-Spinner werden Runden gestartet, in denen die Spielenden die Antworten ihrer Mitstreiter einschätzen müssen. Die Fragen sind in drei aufeinander aufbauende Tiefenebenen gegliedert: Von lockeren Einstiegsfragen („Dillighted“) über emotionale Themen („Fermented Feelings“) bis hin zu tiefgründigen, diskursiven Fragestellungen („Spicy Pickle“). Eine spezielle Reflexionskarte („The Final Dill“) schließt das gemeinsame Erlebnis ab.
Die gestalterische Umsetzung orientiert sich bewusst an einem ausdrucksstarken, organisch-metaphorischen Gurken-Design, das im klaren Kontrast zur Monotonie steriler digitaler Oberflächen steht. In empirischen Testreihen mit verschiedenen Fokusgruppen erwies sich das Konzept als hocheffizienter Katalysator: Es senkt kommunikative Hemmschwellen im physischen Raum nachweislich, regt den tieferen Austausch über persönliche Werte und Gefühle an und reaktiviert die analoge Gesprächsfähigkeit abseits des Bildschirms. „In a Pickle“ beweist somit, wie wie strategische Kommunikationsgestaltung physische Räume transformieren und soziale Interaktionen nachhaltig stärken kann.