In der Bachelor-Arbeit im 7. Semester bearbeiten die Studierenden anhand eines frei wählbaren Themas ein Gestaltungsprojekt, in dem sie ihre erlernten Kenntnisse in Recherche, Konzept und Entwurf praktisch anwenden.
Wie sie unsere Wahrnehmung beeinflusst und unser Verhalten steuert, sichtbar machen
Ob in sozialen Medien, beim Onlineshopping oder auf Verpackungen im Supermarkt, süße Gesichter, runde Formen und Pastelltöne begegnen uns heute überall. Und das ist kein Zufall: Große Augen und weiche Züge aktivieren im menschlichen Gehirn sofort das biologische Kindchenschema. Evolutionär bedingt löst das bei uns reflexartig Gefühle von Schutz, Wärme und Fürsorge aus.
Kurz gesagt: Was cute ist, dem vertrauen wir.
Doch hinter der unschuldigen Fassade verbirgt sich ein psychologisches Werkzeug. Große Konzerne und strategische Akteur*innen nutzen diese emotionale Reaktion gezielt aus, um das Verhalten von uns unbemerkt zu lenken. Studien belegen sogar, dass eine niedliche Gestaltung unsere kognitive Wachsamkeit senkt, die Hemmschwelle schwindet und die Risikobereitschaft beim Einkaufen steigt. Cuteness ist also weit mehr als nur Dekoration, sie ist ein Werkzeug zur Verhaltenssteuerung.
In unserem Bachelorprojekt „what the cute?!“ wollen wir genau diese unsichtbare manipulative Kraft aufdecken. Uns war es bei diesem Projekt wichtig zu zeigen, dass Cuteness ein extrem facettenreiches und tiefgründiges Thema ist, das weit über „gut“ oder „schlecht“ hinausgeht. Wir haben uns für eine Kombination aus zwei kontrastierenden Medien entschieden, um die Ambivalenz auf unterschiedlichen Ebenen erfahrbar zu machen.
Als kritischer und nahbarer Wegweiser führt das eigens gestaltete Maskottchen „Pummel“ durch die Inhalte.
Pummel auf einer Baustellenabsperrung
● Webseite
Die interaktive Website bildet den digitalen Schwerpunkt der Aufklärung. Über ein fließendes, stufenloses Scroll-Prinzip erleben Nutzer*innen am eigenen Bildschirm, wie sich Interfaces und Grafiken graduell verändern, von cuten Welten bis hin zur nackten, unbeschönigten Realität. So wird die Kraft von Design spürbar.
Auschnitt aus der Website, Geschichte
Außerdem ermöglicht ein interaktiver Schalter, jederzeit zwischen der cuten Ansicht und der objektiven Ansicht zu wechseln.
Auschnitt aus der Website, Definition „Cute-Off”
Auschnitt aus der Website, Definition „Cute-On”
● Zines
Als analoges, haptisches Gegenstück dienen unsere gedruckten Zines. Die gefalteten Hefte lassen sich mit wenigen Handgriffen auf ein A3-Format aufklappen und als Plakat nutzen. Sie holen die Theoie direkt in den Alltag und vertiefen das Phänomen anhand konkreter popkultureller und politischer Fallbeispiele.
Hinweis: Abbildungen zum Schutz von Urheber- und Bildrechten für die digitale Ausstellung anonymisiert.
Die Zines zeigen auf, wie Staaten Niedlichkeit als strategische Soft Power in der Außenpolitik nutzen, entlarven den Glücksspielcharakter hinter aktuellen Sammelfiguren-Hypes oder stellen kritische Fragen zur fortschreitenden Infantilisierung unserer Gesellschaft.
Hello Kitty Baustellenabsperrung | Foto: Elisa Empl
Hinweis: Abbildungen zum Schutz von Urheber- und Bildrechten für die digitale Ausstellung anonymisiert.
Pipokun-Maskottchen mit Soldaten | Foto: Staff Sgt. Joshua Edwards / Dod
Hinweis: Abbildungen zum Schutz von Urheber- und Bildrechten für die digitale Ausstellung anonymisiert.
Das Projekt bricht bewusste Sehgewohnheiten auf und gibt vor allem jungen Erwachsenen die Werkzeuge an die Hand, um visuelle Manipulation im Alltag künftig selbstständig zu durchschauen.