In der Bachelor-Arbeit im 7. Semester bearbeiten die Studierenden anhand eines frei wählbaren Themas ein Gestaltungsprojekt, in dem sie ihre erlernten Kenntnisse in Recherche, Konzept und Entwurf praktisch anwenden.
Femizide in der Beziehung werden in unserer Gesellschaft häufig als plötzliche Eskalation missverstanden. Dabei zeigt sich, dass diese Taten meist einem wiederkehrenden Muster folgen, das lange vor physischer Gewalt mit schleichender Zwangskontrolle beginnt. Da diese Warnzeichen im Alltag jedoch extrem schwer zu erkennen sind, nimmt sich die modulare Wanderausstellung „Die unsichtbare Skala“ genau dieses Problems an. Diese übersetzt die 8 Stufen der Homicide Timeline nach Jane Monckton-Smith in ein emotional nachvollziehbares Informationssystem. Ziel ist es, für die oft unsichtbaren Machtstrukturen zu sensibilisieren und der Problematik gesellschaftliche Sichtbarkeit zu verschaffen. Ohne Vorwissen vorauszusetzen, wird die komplexe Realität für Jugendliche ab 16 Jahren greifbar.
Eingang
Vorraum | Das Leid, das nie endet:
Thematisiert die gesellschaftliche Dimension. Historische und aktuelle Protestplakate sowie eine Deutschlandkarte verdeutlichen die Kriminalstatistik und die hohe Dunkelziffer partnerschaftlicher Gewalt. Ein digitaler Counter, der alle zehn Minuten aufleuchtet, macht das Ausmaß der geschlechtsspezifischen Gewalt greifbar.
Vorraum
Stufe 1 | Schatten der Vergangenheit:
Drei Banner beleuchten die Faktoren vor Beziehungsbeginn: „Sozialisation & familiäre Prägung“, „Machtgefälle & Illusion von Schutz“ sowie „Schuldumkehr & Selbstzweifel“. Interaktive Spiegel mit Reflexionsfragen konfrontieren die Besucher:innen direkt mit ihren eigenen Werten und der eigenen Lebensrealität.
Stufe 1
Stufe 2 | Von Null auf Hundert:
Konzentriert sich auf die Phase der rasanten Beziehungsintensivierung (Whirlwind Romance). Vier Säulen zu den Stationen Zusammenkommen, Zusammenziehen, Heiraten und Kinder bekommen sind mit der Zeile „Kaum kennengelernt, trotzdem schon…“ überschrieben und verdeutlichen durch schnelle Videoanimationen das Entstehen früher Abhängigkeiten.
Stufe 2
Stufe 3 | Im Netz der Kontrolle:
Macht alltägliche Zwangskontrolle spürbar. Ein langes Regelbanner listet Verbote und Einschränkungen auf, während eine großflächige Videoprojektion eine unaufhörliche Flut an Kontrollnachrichten und Beleidigungen simuliert. Begleitet von einer Klangkulisse aus Herzklopfen und Rauschen wird die psychische Belastung erlebbar.
Stufe 3
Stufe 4 | Ein Riss in der Fassade:
Symbolisiert den Moment, in dem die Kontrolle des Täters durch beginnende Abgrenzung oder Trennungsabsichten bedroht wird. Der Raum ist in alarmierendes, rotes Licht getaucht; verstreute Kleidungsstücke und Scheidungspapiere zeigen die Spuren eines Streits. Projektionen von Verhaltensmustern (wie Gaslighting) verdeutlichen das erhöhte Risiko.
Stufe 4
Stufe 5 | Kein Platz zum Atmen:
Zeigt an einer interaktiven Wand mit drehbaren Karten, dass häusliche Gewalt weit über physische Übergriffe hinausgeht. Die Besucher:innen entdecken durch Umdrehen von Schwarz-Weiß-Fotografien verschiedene Gewaltformen wie digitale Gewalt, soziale Isolation, Stalking oder Würgen als kriminologischen Hochrisikoindikator.
Stufe 5
Stufe 6 & 7 | Die laute Stille:
Visualisiert die Phase der konkreten Tatplanung und des Stalkings. Eine vielteilige Videoinstallation auf Basis filmischer Storyboards zeigt parallel die lähmende Angst und ständige Wachsamkeit der betroffenen Person sowie das lauernde, ausspionierende Verhalten des Täters vor dem finalen Akt.
Stufe 6+7
Stufe 8 | Die Tat:
Verzichtet auf voyeuristische Gewaltdarstellung und widmet sich ganz dem würdevollen Gedenken. Auf schlichten, schwarzen Gedenkwürfeln sind Namen und reale Lebensgeschichten der Opfer zu lesen, um ihnen ihre geraubte Individualität zurückzugeben und sie als Menschen sichtbar zu machen.
Stufe 8
Abschlussraum | Und jetzt?:
Wandelt das Erlebte in Handlungskompetenz um. Infoplakate klären über proaktives Hochrisikomanagement, Täterarbeit und das Schicksal von Femizid-Waisen auf. An einer interaktiven Spendenstation lässt jede Unterstützung für Frauenhäuser eine weitere Frauenfigur auf einer digitalen Wandgrafik aufleuchten.