In der Bachelor-Arbeit im 7. Semester bearbeiten die Studierenden anhand eines frei wählbaren Themas ein Gestaltungsprojekt, in dem sie ihre erlernten Kenntnisse in Recherche, Konzept und Entwurf praktisch anwenden.
(Un)gezähmt – Eine Intervention zur Förderung der Sicherheit von FLINTA im urbanen Raum durch die Sensibilisierung von Männern
Sicherheit im öffentlichen Raum ist für FLINTA (Frauen, Lesben, inter, nicht-binäre, trans und agender Personen) kein Randthema, sondern Alltag: 46 % der Frauen nennen den öffentlichen Raum als den Ort, an dem sie am häufigsten Sexismus erfahren.
Problemstellung
Die Sicherheit im urbanen Raum wird gesellschaftlich meist als individuelles Problem verstanden und dabei FLINTA oft selbst zugeschrieben, obwohl die eigentlichen Ursachen in strukturellem Sexismus und patriarchalen Machtverhältnissen liegen. Wer sich unsicher fühlt, soll sich anders verhalten, vorsichtiger sein, Apps nutzen. Diese Logik blendet aus, dass die Ursache nicht im Verhalten der betroffenen Person liegt, sondern in mangelnder Empathie, toxischer Männlichkeit und der systematischen Marginalisierung von Gruppen.
Genau hier setzt (Un)gezähmt an. Statt FLINTA in die Pflicht zu nehmen, richtet sich die Kampagne primär an männlich gelesene zwischen 16 und 35 Jahren (die Gruppe, in der sich Werthaltungen gerade festigen) und sekundär an FLINTA derselben Altersgruppe.
Konzept
Als Interventionsort wurde die öffentliche Toilette gewählt. Ein halböffentlicher Raum, der Rückzug bietet und in dem sich die Aufmerksamkeit automatisch auf die Umgebung richtet. Das Konzept besteht aus zwei Plakatserien für männlich gelesene und FLINTA. Vor der Toilette regt ein Abstimmungsplakat alle Geschlechter zu einer ersten Reflexion an. In der Toilette selbst sprechen konfrontative Plakate die Zielgruppe an und fordern zum Handeln auf. Abreißzettel an den Plakaten für FLINTA verschaffen durch eine Übersicht über bestehende Sicherheitszeichen und Codes Handlungsfähigkeit im Notfall.
Repros der FLINTA-Plakate
Repros der Männer-Plakate
Ein QR-Code verknüpft die Plakate mit einer begleitenden Webseite, die bewusst für alle Geschlechter zugänglich ist. FLINTA und männlich gelesene landen auf derselben Seite, mit einem Meldetool für Catcalling, Notfallkontakten und einem Handlungsleitfaden für das Beobachten von sexueller Belästigung. Die Webseite wurde mobil-optimiert gestaltet, da im tatsächlichen Nutzungsszenario auf der öffentlichen Toilette der QR-Code mit dem Handy gescannt wird und schnell und niedrigschwellig weitere Informationen erhält.
Repro der Webseite
Gestaltung
Die Plakate sind ein Zusammenspiel aus inszenierter Fotografie und einer provozierenden Wortsprache. Das Format A3 wurde gewählt, da öffentliche Toiletten meist bereits über passende Halterungen verfügen, wodurch sich die Plakate ohne zusätzlichen Aufwand einsetzen lassen. Die begleitende Webseite nimmt Bezug auf die Plakate, ist aber bewusst ruhiger und klarer gestaltet, um Orientierung zu geben.